Claudia Schweda nimmt an Deutscher Meisterschaft im Bogenschießen teil

Bogenschießen : „Höllennervös“ bei der Premiere

Noch keine drei Jahre betreibt unsere Kollegin Claudia Schweda ihr Hobby: Bogenschießen. Am Freitag nimmt sie in Berlin auf ganz großer Bühne an den Deutschen Meisterschaften teil. Wie schafft man so etwas in so kurzer Zeit?

Die „Finals“, das sind zehn deutsche Meisterschaften an einem Ort und an einem Wochenende. Ein „Hauch von Olympia“ hat die Sportschau über den Wettkampf geschrieben. Am Freitagmorgen wird unsere Kollegin Claudia Schweda auf dem Maifeld neben dem Berliner Olympiastadion stehen – als eine der 33 besten Bogenschützinnen Deutschlands in ihrer Altersklasse. Und das, obwohl sie die Sportart noch nicht einmal seit drei Jahren betreibt.

„Ich werde höllennervös sein“, gibt die Regionalchefin dieser Zeitung zu. Dritte bei den NRW-Meisterschaften ist sie im Juli geworden, aber eine Deutsche Meisterschaft, dann auch noch in Berlin, obendrein als „Anfängerin“? Das ist schon ein anderes Kaliber. Dabei war es reiner Zufall, dass die Branderin mit dem Bogenschießen begann. Sohn Jakob hatte im Urlaub das Angebot entdeckt, einen Schnupperkurs zu belegen – und schleppte seine Mutter einfach mit. Der Sport hat die Journalistin gleich in seinen Bann gezogen. „Wir kamen aus dem Urlaub nach Hause und lasen in der Zeitung, dass die Brander St.-Donatus-Schützen eine Bogensportabteilung gründen. Es war sofort klar: Da gehen wir hin“, erinnert sich die 50-Jährige. Sport war zwar schon immer ihr Ding – Turnen, Leichtathletik, Volleyball, Snowboarden – aber das mit dem Bogenschießen war sofort eine besondere Leidenschaft.

Die Frage, was für sie den Reiz ausmacht, ist noch nicht ganz zu Ende formuliert, da folgt schon die Antwort: „Die totale Perfektion.“ Ein Streben, das unsere Kollegin übrigens auch im Redaktionsalltag sehr wohl auszeichnet. Für halbe Sachen ist sie jedenfalls auch im Medienhaus nicht bekannt. „Bogensport heißt, die Bewegung jedes Mal zu 100 Prozent gleich auszuführen. Im Training ist das nach der Arbeit für mich wie Meditation.“ Sie beginnt, zweimal die Woche zu trainieren. Erst in einer Turnhalle in Brand, seit vorigem Jahr auch im Freien auf der Wiese, die die Niederforstbacher Schützen den Donatusschützen netterweise zur Verfügung stellen. 60 Meter weit ist die Scheibe bei den Deutschen Meisterschaften entfernt, 72 Pfeile werden geschossen, immer sechs in zwei Minuten, dann ist Pause. Für die Athleten bedeutet das einen ständigen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung – und das über eine Wettkampfdauer von vier Stunden. Der Ring mit der Höchstpunktzahl 10 hat einen Durchmesser von zwölf Zentimetern. „Durch mein Visier sieht das auf die Entfernung aus wie die Spitze eines Kugelschreibers“, sagt die Debütantin bei den Deutschen Meisterschaften. Um sich die Entwicklung ihrer Leistung zu vergegenwärtigen, hilft der Rückblick in ihre Anfänge: „Da flogen meine Pfeile maximal 20 Meter weit.“

Heute schafft sie es, auf 60 Meter im Schnitt eine 8 zu schießen. Ihre Disziplin heißt „Olympic Recurve“, diese Bogen werden auch bei den Olympischen Spielen geschossen. Dabei muss der Bogen genau zum Schützen passen, die Länge der Pfeile ist individuell unterschiedlich, schon im Vorfeld ist viel Abstimmungsarbeit nötig. Wenn das geklärt ist, heißt es konzentrieren und ein und dasselbe Bewegungsmuster wieder und wieder abspulen. „Mancher könnte das als langweilig empfinden, und es ist enorm anstrengend für den Kopf“, sagt Schweda.

12 Zentimeter im Durchmesser ist der innere Ring, der 10 Punkte bringt. Auf 60 Meter Entfernung wird geschossen. Foto: Jakob Kriener

Gestern hat sie sich nach der Ankunft in Berlin am Olympiastadion als erstes die Wettkampfstätte angeschaut, 90 Scheiben nebeneinander, eine solche Dimension hat sie noch nie erlebt. Einen Trainer hat sie nicht dabei, ihr Sohn Jakob wird sie in Berlin unterstützen. Als Journalistin mit Herz für die Region wünscht sie Petra Nüssgens-Patz von der RSG Düren, die bereits dreimal Deutsche Meisterin war, den Titel. Auch für ihr eigenes Abschneiden hat sie klare Ziele: „Nicht Letzte werden.“ Als „Nachwuchsathletin“ wäre das bei der Premiere auf nationalem Parkett sicher schon ein Achtungserfolg.

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