Nachfolge von Angela Merkel: CDU-Landeschef Laschet lässt Kandidatur als Bundesvorsitzender offen

Nachfolge von Angela Merkel : CDU-Landeschef Laschet lässt Kandidatur als Bundesvorsitzender offen

Einigen konnte es anscheinend gar nicht schnell genug gehen, den Hut für die Nachfolge der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel in den Ring zu werfen. Nur NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hält sich noch bedeckt. Er hat seine eigene Taktik.

Nicht einmal eine halbe Stunde verging nach der Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, dass sie den Platz der CDU-Bundesvorsitzenden räumen werde, da brach der Machtkampf um ihre Nachfolge aus. Praktisch im Minutentakt erklärten Ex-CDU-Politiker Friedrich Merz, Gesundheitsminister Jens Spahn und Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Kandidaturen für den CDU-Vorsitz.

Einer aber schwieg: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der seit langem als möglicher Kandidat gilt, äußerte sich in Berlin zunächst nicht zu seinen Ambitionen. Doch neben Merz und Spahn könnte er der dritte einflussreiche Kandidat aus NRW werden. Wird Laschet (57) seinen Hut in den Ring werfen? Erst am frühen Montagabend trat der Regierungschef in Düsseldorf auf der kühlen Terrasse des Sitzes der NRW-CDU vor die Presse. Doch auch kurz vor einer Landesvorstandssitzung ließ er sich noch nicht in die Karten schauen.

Vielmehr hielt der mächtige CDU-Landeschef und parteiinterne Unterstützer Merkels seine Kandidatur offen. „Es geht jetzt nicht darum, wer ruft als erster "Hier"“, sagte Laschet. „Sondern darum, die Lösung für alle zu finden.“ Deshalb werde er in den kommenden Tagen das Gespräch mit den „großen“ CDU-Landesverbänden suchen sowie mit den Vorsitzenden der wichtigen CDU-Vereinigungen - etwa Karl-Josef Laumann für Arbeitnehmerschaft und Carsten Linnemann für den Mittelstand, die ja zudem aus NRW kämen.

Laschet will auch mit den schon bekannten Kandidaten sprechen, die CDU-Bundesvorstandsklausur am Wochenende abwarten und den NRW-Landesvorstand noch einmal am 6. November zusammenkommen lassen, „um dann etwas mehr Klarheit in dieser außergewöhnlichen Lage zu fassen“. Erst danach werde er seine persönliche Entscheidung fällen. Denn: „Alle die müssen am Ende zu einem guten Ergebnis Ja sagen“, sagte Laschet.

Das hörte sich so an, als ob er vor einer eigenen Kandidatur nicht nur seine Chancen in der CDU bundesweit ausloten, sondern auch auf Werbetour gehen wolle. Laschet betonte dabei auch die Verantwortung der NRW-CDU, die beim entscheidenden Bundesparteitag in Hamburg Anfang Dezember rund ein Drittel der Delegierten stellen werde.

Offiziell stellt Laschet es so dar: Er habe bei der Bundesvorstandssitzung in Berlin deutlich gemacht, dass er es für richtig halte, „erst einmal über Inhalte zu sprechen“, bevor man eine Kandidatur erkläre. Wie könne man CDU und CSU besser zusammenhalten, für den Erhalt der CDU als Volkspartei kämpfen, und den Wirtschafts- und Sozialflügel, Junge und Alte zusammenhalten? Die CDU dürfe aber auch „nicht nur um sich selbst kreisen“. Der Bundesregierung stünden mit dem Brexit und der Gefahr einer Mehrheit der Populisten bei der Europawahl schwierige Monate bevor.

CDU-Chefin Angela Merkel hatte nach den massiven Verlusten ihrer Partei bei der Landtagswahl in Hessen am Montag angekündigt, den Bundesvorsitz abzugeben. Kanzlerin will Merkel aber dennoch bleiben. Laschet würdigte Merkels Entscheidung als „bemerkenswert“. „Es war heute ein bewegter Tag, sicher auch ein historischer Tag.“

Dass Laschet sich so bedeckt zu den Personalspekulationen um Merkels Nachfolge äußerte, dürfte seine Gründe haben. Als Merkel-Vertrauter, Ministerpräsident des größten Bundeslandes und Vorsitzender des wichtigsten CDU-Landesverbandes geht an ihm auf dem Wahlparteitag eigentlich kein Weg vorbei.

Der Einfluss des einst als eher zahm bekannten CDU-Vize ist gewachsen, seit er vergangenes Jahr die rot-grüne Landesregierung unter Hannelore Kraft in NRW aus dem Amt jagte. Als Landespolitiker wird Laschet nicht mit dem Streit in der Bundesregierung in Verbindung gebracht. Zuletzt hatte er der großen Koalition auch zunehmend deutlicher die Leviten gelesen.

Für den jungen und ehrgeizigen Gesundheitsminister Jens Spahn (38) aber könnte der Sprung an die Spitze der Bundes-CDU zu früh kommen. Viele Parteifreunde sehen ihn zwar als Hoffnungsträger, der für eine Verjüngung der CDU und konservative Positionen steht. Mit Äußerungen auch zur Flüchtlingspolitik hat Spahn allerdings auch polarisiert.

Mit Friedrich Merz kommt ein weiterer möglicher Kandidat aus dem NRW-Landesverband. Für den 62-Jährigen wäre der Parteivorsitz eine späte Genugtuung. Merkel - seinerzeit Parteivorsitzende - hatte Merz 2002 von der Spitze der Unions-Bundestagsfraktion verdrängt. Der Sauerländer zog sich danach aus dem Bundestag zurück. Der in der CDU immer noch angesehene Rechtsanwalt und Finanzexperte würde ähnlich wie Spahn für eine deutliche Abkehr von Merkel stehen.

Für Laschet ist das Spiel offen: „Ich halte nicht für ausgeschlossen, dass noch Kandidaten dazukommen, und ich halte auch nicht für ausgeschlossen, dass noch jemand seine Kandidatur zurückzieht.“

(dpa)
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