Baesweiler: Campus ist „keine Konkurrenz zu Technologieparks”

Baesweiler: Campus ist „keine Konkurrenz zu Technologieparks”

Die nackten Zahlen sind imposant. Auf 800.000 Quadratmetern soll in den kommenden Jahren der RWTH-Campus entstehen, auf zwei Milliarden Euro wird die Investitionssumme beziffert, 10.000 neue Arbeitsplätze sollen durch das Jahrhundertprojekt, wie es NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers beim ersten Spatenstich im Februar genannt hat, entstehen.

Dass ein solches Projekt Auswirkungen auf die gesamte Region hat, ist folgerichtig. Und so nahm die inzwischen sechste Podiumsdiskussion der Campus-Reihe, veranstaltet von der Initiative Aachen, der RWTH Campus GmbH und dem Zeitungsverlag Aachen, die Auswirkungen des Projektes auf die Städteregion unter die Lupe.

Untertitel: „Chancen für Menschen und Unternehmen”. Moderiert wurde die Gesprächsrunde vor rund 100 Zuhörern in der Burg Baesweiler von Udo Kals, Redakteur dieser Zeitung.

Zusammenarbeit erwünscht

Das Campus-Projekt, durch das auf Flächen am Westbahnhof und auf Melaten in Aachen 19 Forschungscluster - also Verbünde von Forschung, Lehre und Wirtschaft - entstehen sollen, startete 2008. Jetzt nimmt es so richtig Fahrt auf. „Seit dem Beginn der Baumaßnahmen gewinnt das Projekt an Dynamik”, sagt Dr. Hermann Brandstetter, Geschäftsführer der Campus GmbH.

Bis 2017 sollen die beiden Campus-Bereiche aufgebaut sein. Alle Aufgaben kann die Campus GmbH dabei nicht alleine stemmen. Brandstetter erklärte, dass sein Team sich auf den Kernbereich fokussieren müsse. „In anderen Bereichen brauchen wir Partner. Zum Beispiel beim Wohnraum. Da müssen wir Hand in Hand arbeiten.”

Dazu wollen die Campus-Verantwortlichen künftig in einen engeren Dialog mit der Städteregion treten. Denn das Campus-Projekt stelle die gesamte Region vor eine Herausforderung, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Die Menschen, die auf dem Campus arbeiten, benötigten Wohnraum in der Region. Zusätzlich gelte es, die Infrastruktur zu verbessern.

In diesen Aufgaben lägen eine Menge Chancen für die Städte der Region. Etwa für die Stadt Baesweiler, die Wohnraum in „attraktiven Neubaugebieten” bereithält. Bürgermeister Prof. Willi Linkens möchte zudem neue Unternehmen in seine Stadt holen. Der Campus soll ein Argument sein, um Firmen in der Region anzusiedeln. „Die Firmen benötigen einen optimalen Zugang zu Forschung und Entwicklung auf dem Campus. Die Entfernung von Baesweiler nach Aachen ist dabei völlig unproblematisch.”

Brandstetter erklärte, dass regionale Unternehmen die Möglichkeit bekommen sollen, mit den Forschern auf dem Campus zu kooperieren, ohne gleich ihre Innovationsarbeit auf das Uni-Gelände zu verlagern. „Wer sowieso in der Städteregion ansässig ist, kann die räumliche Distanz leicht überbrücken.” Bemängelte Brandstetter fehlende thematische Schwerpunkte in vielen Gewerbeparks in der Region, betonte Agit-Geschäftsführer Dr. Helmut Greif: „Der Campus kann die Profilschärfung beschleunigen. Aber das ist ein langfristig angelegter Prozess, diese Entwicklung kann man nicht erzwingen.”

Schon heute arbeitet die e-concept GmbH mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik zusammen. „Da gibt es eine Befruchtung zwischen klassischer Industrie und Wissenschaft”, sagt Geschäftsführer Thomas Schmidt. Unternehmen und Mitarbeiter profitierten gleichermaßen von der engen Zusammenarbeit. Auch Erwin Bronk hat sich bereits entschieden, mit seiner PSI AG auf dem Campus zu arbeiten. „Die Warenflüsse werden immer stärker und das Wissen, das dahinter steht, immer größer.” 40 Mitarbeiter der PSI AG sollen zum Start im Campus-Cluster Logistik forschen.

„Keine Konkurrenz”

Bei aller Anziehungskraft, die der Campus hat, bräuchten die umliegenden Orte keine Angst zu haben, dass nun alle innovativen Firmen an die RWTH umsiedeln, sagt Brandstetter: „Wir werden keine Konkurrenz zu den Technologieparks sein. Denn die industrielle Produktion ist bei uns ausgeschlossen.”

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