Blankenheim: Camper kontra Sommer-Blues

Blankenheim: Camper kontra Sommer-Blues

Regen, Regen, Regen - und kaum mal 25 Grad. Fast jeder stöhnt über diesen Sommer, der kein richtiger ist. Außer die Camper. Die begegnen dem Wetter mit sonnigem Gemüt.

Camper brauchen in diesem Sommer ein sonniges Gemüt: Regen satt, Temperaturen wie im Frühherbst, der graue Himmel ein Trauerspiel - das ist der Sommer 2011. Jedenfalls für Nicht-Camper. Aber alles ist eine Frage der Wahrnehmung. Christa und Jürgen Dreier sitzen auf ihren Stühlen und strecken das Gesicht zur Sonne - vielmehr dort, wo sie hinter dicken Wolken sein müsste. Beide tragen dicke Pullis, zu denen ihnen eine Mütze gut stehen würde. Es sind frische 17 Grad. „Wir sind vor drei Tagen im Regen angekommen”, sagt Christa Dreier. Da ist Trockenheit doch fast schon Sommer.

Der Campingplatz „Eifel-Camp” bei Blankenheim. Es ist einer dieser „weiß nicht so recht” Sommertage 2010: Am Morgen hat es gegossen, mittags wurde es trocken und jetzt türmen sich die dunklen Wolken, als würde es gleich wieder schütten - zwischendurch immer ein paar aufmunternde Sonnenstrahlen. „Das ist eben Wetter”. Dreier spricht den Satz gelassen aus. Das Vorzelt vor ihrem Campingwagen nennen die Dreiers „Wintergarten”. Wenn dann mal ein paar Sonnenstrahlen kommen, wird es sogar schön warm darin.

Der Sommer-Blues - er hat keine Chance. Auch nicht bei Familie Strauch. „Da muss man durch”, gibt Vater Michael die Parole aus. Eine Flugreise mit zwei kleinen Kindern ist finanziell nicht drin. Seit zwei Jahren wird gecampt, auch mal zwischendurch. Das Wetter ist für ihn kein Thema, die Abreise auch nicht. „Ich fahre nicht nach Haus.” Seine Frau Ilona nickt heftig.

Dabei würden die Strauchs im Falle einer Abreise vorerst nicht mal Geld verlieren. Ausgerechnet in der Eifel, wo es relativ viel regnet, gibt der Campingplatz eine „Schön-Wettergarantie”. Wer nach vier Schlechtwetter-Tagen die Nase voll hat und früher abreist, kann die restlichen bezahlten Urlaubstage innerhalb eines Jahres auf einem der fünf Plätze im Verbund nachholen. „Bei Familien mit Kindern haben wir das schon immer so gemacht”, sagt Geschäftsführer Ernst Lüttgau. Inzwischen gehört es zum Standard-Angebot.

Bei Lüttgau fällt das schlechte Wetter nicht ins Gewicht: Seine Anlage ist wochentags zu 80 Prozent gebucht, am Wochenende gibt es kaum noch freie Plätze. Bundesweit sieht das anders aus. Obwohl es auf vielen Campingplätzen ein Animationsprogramm gibt, rechnet der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland für die Sommerferienzeit mit deutlichen Übernachtungsrückgängen im zweistelligen Prozentbereich.

Aber wer, wie Bruno Hagen, ein richtiger Camper ist, kommt bei jedem Wetter. „Den ersten Kaffee krieg ich”, ruft der Bonner, während er die Plane des Vorzelts für den Wohnwagen ordnet. Etwas Warmes braucht der Mensch. Seine beiden Damen, Ehefrau Gisela und Enkelin Anna, mühen sich unterdessen mit Haken, Stangen und Ösen. „Gib mir mal die Stange”, tönt dumpf eine Frauenstimme unter der Plane. Der Zeltaufbau - eine Nagelprobe für jede Ehe.

Hagen kennt das, er campt seit 45 Jahren: Gibt es etwas Schöneres, als abends bei prasselndem Regen im Wohnwagen zu sitzen? Er grinst. Aber eigentlich wünscht sich auch Hagen Sonne - für Enkelin Anna, die will nämlich im nahe gelegenen Freilinger See baden.

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