Köln: Bürgermeisterkandidat: 4711 für Straßenreinigung, Murmeln für alle

Köln: Bürgermeisterkandidat: 4711 für Straßenreinigung, Murmeln für alle

Wenn die Kölner im kommenden Jahr einen neuen Oberbürgermeister wählen, werden sie einen richtigen Prominenten auf dem Wahlzettel finden: Mark Benecke. Der renommierte Forensik-Experte soll am 8. Dezember von Martin Sonneborns Satirepartei „Partei“ zum Kandidaten ernannt werden.

Motto der Veranstaltung ist „Köln sucht den Super-OB“, wie es auf der Homepage der Partei heißt. Unter allen anderen Teilnehmern verlose man zudem den Posten des Generalsekretärs. Der 44-jährige Benecke, der auch der „Herr der Maden“ genannt wird, ist schon in Wahlkampfstimmung.

Herr Benecke, wie sind Sie darauf gekommen, als Oberbürgermeister zu kandidieren?

Mark Benecke: Die „Partei“ hat mich darum gebeten. Und man kann ja nicht mehr im Leben erreichen, als Oberbürgermeister von Köln zu werden. Ich habe bei vergangenen Wahlen — Landtags-, Europawahl, was auch immer — schon kandidiert und Wahlkampf gemacht.

Was sind denn jetzt für Köln Ihre Anliegen?

Benecke: Wir hören die Bürger. Bei vergangenen Wahlkämpfen habe ich beispielsweise in Chorweiler die Leute nach ihren politischen Wünschen befragt. Da wollten die Leute vor allem Bier und unsere Wahlgeschenke: Glasperlen — aber nur eine pro Person. Murmeln für alle Kölner! Taschenrechner und Quietscheenten bringe ich auch gern unters Volk. Heute habe ich von jemandem den Vorschlag bekommen, dass die Stadtreinigung Köln nur noch mit 4711 säubern soll. Das soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Ich bin selbst ein großer Fan von Kölnisch Wasser. Ich habe etliche Flaschen zu Hause.

Also Kölner durch und durch. Was mögen Sie an Ihrer Stadt?

Benecke: Es ist die schönste Stadt der Welt, weil alle verrückt sind. Das ist praktisch, weil man dann nicht so auffällt. Mir gefällt außerdem dieser fatalistische Opportunismus der Kölner: etwa Fremden erst einmal aufgeschlossen gegenüberzutreten. Aus diesem Grund klappt die Integration hier auch recht gut.

Was würden Sie am Kölner an sich denn gern ändern?

Benecke: Die Leute sollten mehr Schwarz tragen. Das Bunte nervt mich, außer an Karneval. Da bin ich nämlich sowieso meistens nicht in der Stadt.

Das ist als Oberbürgermeister aber nicht mehr möglich...

Benecke: Keine Angst, ich kann alle Karnevalslieder und repräsentiere dann. Das ist für mich das gleiche wie regieren. Da ich gern Dinge werfe, freue ich mich besonders darauf, beim übernächsten Rosenmontagszug, wenn ich Oberbürgermeister bin, Kamelle vom Wagen zu werfen, und das auch noch in meinem jetzigen Viertel, der Südstadt.

Dort soll ja auch endlich mal die neue U-Bahn fertig werden. Bekommen Sie das hin?

Benecke: Meinetwegen muss die gar nicht so schnell fertig werden. Je länger das dauert, desto langsamer wird die Südstadt gentrifiziert. Die Yuppies haben keine Lust auf das staubige Loch der Baustelle. Es gibt einige alte Kneipen, die nur dank des Stadtarchiveinsturzes und der damit verbundenen Baustelle überlebt haben.

Bevor Sie aber groß regieren, müssen Sie noch von den Kölnern gewählt werden. Wie sieht Ihre konkrete Planung für die kommenden Wochen aus?

Benecke: Wir wollen natürlich eine große Kampagne machen. Dafür habe ich schon schöne Pappaufsteller, auf denen ich mit Bela B. von den „Ärzten“ zu sehen bin. Ich werde mit den Wählern reden, und ich singe auch gern das Lied unserer Partei, eine Abwandlung des SED-Lieds. Mein Kompetenzteam steht auch schon: FC-Claudia, das ist die Reinigungskraft bei mir aus dem Haus, und Tattoo-Dieter aus Mülheim.

Dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Welche Erkenntnisse können Sie denn aus Ihrem eigentlichen Beruf gut nutzen?

Benecke: Ich sehe in meinem Beruf, dass Menschen angesichts schlimmer Situationen sehr stark sein können. Das würde ich den spaßigen Kölnern gern mitgeben. Der Kölner könnte ruhig etwas mutig werden.