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Bürger in NRW sind mit den Lockerungen zufrieden

NRW vor dem Neustart : Bürger sind mit der Landesregierung zufrieden

Vor der schrittweisen Rückkehr zu etwas mehr Normalität hat Nordrhein-Westfalen ein vorerst letztes Wochenende im Shutdown erlebt. In der kommenden Woche wird sich vieles ändern.

Nach einem voerst letzten Wochenende im Corona-Shutdown stehen Nordrhein-Westfalen am Montag die ersten Schritte Richtung Normalität bevor. Viele Geschäfte dürfen wieder aufmachen, die Schulen bereiten sich auf die Rückkehr der Schüler vor und die Unis starten ins digitale Semester. Mit dem Krisenkurs ihrer Landesregierung haben sich die Bürger ziemlich zufrieden gezeigt und sich weitgehend an die Corona-Kontaktverbote gehalten. Die Fallzahlen stiegen am Sonntag nur leicht gegenüber dem Vortag an.

70 Prozent der Wahlberechtigten stellten ihrer Landesregierung ein positives Zeugnis aus, heißt es in dem aktuellen NRW-Trend, den das Forschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des WDR-Magazins „Westpol“ erstellt hat. Das sind 26 Prozentpunkte mehr als noch im November. Auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) konnte sich der Befragung zufolge besser profilieren als zuvor: 65 Prozent sind aktuell mit seiner Arbeit zufrieden, das gilt als bester Wert seiner bisherigen Amtszeit.

Laschet stellte am Sonntag weitere baldige Lockerungen in Aussicht: „Wenn man Läden öffnet, darf man auch in Kirchen beten“, sagte er im „Deutschlandfunk“-Interview mit Blick auf das derzeit noch geltende Gottesdienstverbot. Allerdings warnte der Landeschef auch vor der Illusion, staatliche Hilfen könnten den massiven Einbruch der Wirtschaft komplett abfedern. „Mancher Betrieb wird vielleicht nicht mehr da sein“, so Laschet.

Um zu mehr Normalität zurückkehren und trotzdem Infektionen vermeiden zu können, werden derzeit sowohl eine mögliche Maskenpflicht als auch die freiwillige Nutzung von Corona-Apps zur Nachverfolgung von Infektionsketten diskutiert. Mehr als die Hälfte der für den NRW-Trend Befragten zeigte sich offen für diese Maßnahmen: 60 Prozent würden eine allgemeine Pflicht zum Tragen von Schutzmaßnahmen befürworten. 63 Prozent halten auch die freiwillige Nutzung von Apps für eine gute Idee. Bislang gilt lediglich die dringende Empfehlung, beim Einkaufen oder in Verkehrsmitteln Masken zu tragen. Entsprechende Apps sollen im Mai verfügbar sein.

Trotz milder Temperaturen hielten sich in den großen Städten NRWs auch die meisten Menschen an die noch bis mindestens Mai geltenden Kontaktverbote für mehr als zwei Menschen. Mehrere Polizeiwachen zeigten sich zufrieden und hatten keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden, Corona-Partys blieben die absolute Ausnahme. In Köln war die Polizei insbesondere am beliebten Rheinboulevard mit verstärkten Kräften im Einsatz, wo am Freitag knapp 40 Verstöße festgestellt wurden. Insgesamt kam die Polizei in der Millionenstadt am Wochenende auf rund 150 Verstöße gegen das Kontaktverbot oder das unerlaubte Betreten von Spielplätzen.

Die Fallzahlen ließen zumindest am Sonntag ein leichtes Aufatmen zu: Von Samstag auf Sonntag stieg die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Nordrhein-Westfalen nur verhältnismäßig leicht an. Das Gesundheitsministerium zählte am Sonntagmittag laut Mitteilung 29 580 Infizierte seit Beginn der Pandemie. Am Vortag waren es 29 155. Die Zahl der zuvor positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Todesfälle erhöhte sich auf 882, das sind 20 mehr als noch am Samstag. Erfreulicherweise stieg die Zahl der Genesenen deutlich stärker an: Am Sonntag waren bereits 18 036 Genesene bekannt und damit gut 500 mehr als am Vortag.

Für die Lockerungen der Corona-Beschränkungen ist in diesen Tagen viel Vorbereitung notwendig: Geschäfte waren zum Ende der Woche damit beschäftigt, sich auf die Öffnung vorzubereiten und die entsprechenden Hygienevorgaben einzurichten - etwa mit Warnschildern oder der Bereitstellung von Desinfektionsmitteln.

Das kommt auch auf die Schulen des Landes zu: Damit diese nicht zu Infektionsherden werden, wenn ab Donnerstag wieder Schüler kommen, hat das Land am Wochenende über entsprechende Vorgaben informiert. Die zentrale Regel dabei lautet: Abstand halten. So müssen die Lerngruppen etwa so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Eine Maskenpflicht in den Schulen soll es nicht geben.

Für einige Tausend Schüler gilt ab Donnerstag in Nordrhein-Westfalen wieder die Schulpflicht. Dazu gehören nach Angaben des Schulministeriums Schüler in Abschlussklassen an weiterführenden Schulen, Förderschulen und Berufskollegs, die vor Prüfungen stehen. Dies konkretisierte das Schulministerium am Wochenende in einer Mail an alle Schulen. Eine Ausnahme bilden die Abiturienten: Sie können die Schule ab Donnerstag freiwillig besuchen. Zuvor hatte es Unklarheiten bei einigen Betroffenen gegeben. Schüler mit Vorerkrankungen können nach Rücksprache von der Schulpflicht befreit werden. Durch diese Regelung finde für maximal zehn Prozent der Schüler ab Donnerstag in NRW wieder verpflichtender Unterricht statt, hieß es am Sonntag aus dem Schulministerium.

„Mit der Schulmail der schwarz-gelben Landesregierung ist klar: Für Zehntausende Schülerinnen und Schüler in NRW gilt ab Donnerstag die Verpflichtung zum Unterrichtsbesuch“, stellten Sigrid Beer, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, und Felix Banaszak, Vorsitzender der Grünen NRW, fest und kritisierten: „Die mit schmerzhaften Einschnitten erzielten Erfolge in Bezug auf die Reproduktionszahl des Virus werden fahrlässig aufs Spiel gesetzt.“ Auch in den sozialen Netzwerken gab es heftige Kritik von Schülern, Eltern und anderen Nutzern, die sich um die Ansteckung von Angehörigen sorgten.

Der Städtetag hatte angesichts der wegen Corona notwendigen Hygienemaßnahmen das Land aufgefordert, die Schulen frühestens ab dem 27. April wieder zu öffnen. „Die Schulen müssen grundgereinigt werden, die hygienischen Voraussetzungen für den Schutz vor Infektionen geschaffen, Räume vorbereitet und der Schülerverkehr organisiert werden“, kritisierte der Städtetags-Vorsitzende und Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU). Dafür brauche man mindestens den Vorlauf von einer Arbeitswoche. Das Land entgegnete darauf, man habe die Schulträger und kommunalen Spitzenverbände bereits Mitte der letzten Woche über die anstehenden ersten Schritte und nötigen Maßnahmen informiert, damit diese ausreichend Zeit zur Umsetzung hätten.

Am Montag startet außerdem das Sommersemester an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen - allerdings ausschließlich online. Bis Präsenzveranstaltungen an den 70 Hochschulen in NRW wieder möglich sind, werden viele der rund 780 000 Studierenden im Land zum großen Teil vor dem Bildschirm im Videochat statt im Hörsaal sitzen.

(dpa)