Düsseldorf: Bühne frei für den Nachwuchs: Kunstakademie öffnet die Türen

Düsseldorf : Bühne frei für den Nachwuchs: Kunstakademie öffnet die Türen

In der Ecke stehen Blumen, der junge Künstler strahlt: Chris Akordalitis hat die Abschlussprüfung hinter sich. Ein letztes Mal stellt der 28-Jährige an der Kunstakademie Düsseldorf aus. Seine großformatigen, bunten Arbeiten von Tieren und Städten füllen einen ganzen Raum. Angesichts des Abschieds sei ihm „bittersweet” zumute, aber er freue sich auf das was kommt, versichert er.

Von Mittwoch bis Sonntag (31.1. bis 4.2.) öffnet die Kunstakademie Düsseldorf ihre schweren Türen für den traditionellen Rundgang. Ältere Studenten und Absolventen stellen ihre Arbeiten aus. Das geschieht nur ein Mal im Jahr, und es ist eine große Chance für die 550 jungen Leute, die hier Bildhauerei, Malerei, Bühnenbild, Photographie oder Film und Video studieren.

Es ist zugleich auch eine seltene Gelegenheit für Kunstbegeisterte, hinter die Ateliertüren zu spähen. 2017 kamen fast 48 000 Besucher, darunter Künstler, Galeristen, Kuratoren und Sammler mit viel Geld. An der Kunstakademie sind schließlich immer wieder Größen der Kunst herangereift. Joseph Beuys war hier Student und auch Fotokünstler Andreas Gursky - und beide kamen als Lehrer wieder.

Der Student Emil Walde hatte schon Kontakt zu einem Aussteller. „Er würde es kaufen, aber seine Galerie ist zu klein”, sagt der 26-Jährige am Mittwoch. Über ihm hängt im Raum der Bildhauerei-Klasse seine Arbeit „Zisterne” von der Decke: eine riesige Tonne, die der Kunststudent in einer alten Papierfabrik entdeckt und bearbeitet hat. Das von Graffiti überzogene Objekt erinnert an ein Raumschiff oder ein U-Boot.

Auch die langen Flure sind Kunst-Schauplätze. Mal ragt ein Arm aus der Wand und lockt in einen Schauraum. Eine überdimensionale Bierflasche wird zum Bild-Objekt. Studierende bevölkern Sofas und feiern Semesterabschluss. Vor der Akademie leben zwei junge Männer stundenweise in einem möblierten Wassertank.

Die Fachleute vom TÜV mussten die kleine „Theaterbühne” von Hakan Eren prüfen. Dort drehen sich Tänzer mit wehenden Röcken, der Vorhang lässt sich heben, Musik durch Handauflegen starten. „Ich bin immer erleichtert, dass es funktioniert”, sagt der Student. Er hat die Maschine in 1000 Stunden gebaut. Die Maschine für den Bühnennebel darf aber nicht laufen. Der TÜV hat es nicht erlaubt, weil Besucher sich an einem Kupferrohr verbrennen könnten.

Nicht jeder Student ist begeistert vom Ansturm der Besucher. „Ich bin Rundgang-skeptisch”, sagt einer. Das Wochenende sei wegen der hereinpreschenden Massen schwer zu ertragen. „Der Rundgang ist unsere beste Chance”, meint ein anderer. Seit 2011 werden die Gäste gezählt, nur 1800 dürfen gleichzeitig im Gebäude sein. Trotzdem stehen die Besucher Schlange.

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