Düren: Brückenabriss: Das riesengroße Chaos bleibt aus

Düren: Brückenabriss: Das riesengroße Chaos bleibt aus

Seit Montagmorgen rollt wegen des Abrisses einer maroden Brücke über die Hauptgleise rund um den Dürener Hauptbahnhof acht Tage lang kein Zug. ICE-Züge werden großräumig umgeleitet. Auch der Thalys fährt eine andere Strecke.

Regional- und S-Bahn-Nutzer werden mit Bussen um die Baustelle herumgefahren. Wer aus Richtung Aachen kommt, muss in Düren in einen Bus nach Horrem oder zum S-Bahnhof nach Merzenich umsteigen. Bahngäste aus Richtung Köln steigen in Horrem oder Merzenich in einen Bus nach Düren.

Die meisten Bahngäste haben sich offenbar mit der Situation abgefunden. Begeistert sind sie nicht, aber geschimpft wird wenig. Und das riesengroße Chaos ist ausgeblieben — obwohl im Dürener Bahnhof nicht ein Schild die zwangsweise Ausgestiegenen informiert. Rotes Flatterband weist ihnen den Weg Richtung Bushaltestelle.

„Ich bin schon genervt“, sagt Kira Gramintzky, die am Montag ihren ersten Praktikumstag in Köln hatte. „Ich fahre diese Strecke sonst nie, und als ich mir die Fahrkarte gekauft habe, hat mir keiner auch nur ein Sterbenswörtchen von dem Brückenabriss gesagt. Jetzt komme ich am ersten Arbeitstag zu spät. Das finde ich nicht gut.“ Genau wie Kira Gramintzky steht auch Leonore Schmitz gerade in der Lagerstraße in Düren und wartet auf den Bus. „Ich habe ein Vorstellungsgespräch in Horrem“, sagt sie. „Hoffentlich schaffe ich das pünktlich. Aber ich habe eine Stunde zusätzlich Zeit eingeplant.“

An der Bushaltestelle drängeln sich mittlerweile die Menschen, die im Laufschritt aus dem Bahnhof herauskommen. Einige haben einen Koffer dabei, andere kämpfen sich mit dem Kinderwagen durch die Menge. „Ich weiß, dass es überhaupt keinen Sinn hat, sich aufzuregen“, sagt Waldfried Premper. „Aber ich ärgere mich trotzdem.“ Premper muss nach München, sein Fahrplan ist ziemlich eng. „Die Busse müssen schon sehr pünktlich sein, damit ich den ICE bekomme, für den ich eine Platzreservierung habe. Ich möchte nicht bis München stehen.“ Nadine Esser und Eva Willms sind auf dem Weg nach Essen, die unfreiwillige Busfahrt kostet die beiden jungen Frauen mindestens 40 Minuten extra Fahrzeit. „Aber nur, wenn wirklich alles gut läuft. Der Zug hatte allerdings schon in Langerwehe Verspätung. Wir sind eine Stunde früher unterwegs als sonst.“ Von der Streckensperrung erfahren haben die beiden Frauen nur durch die Zeitung. „Im Zug habe ich keine Durchsagen gehört“, sagt Eva Willms. „Da hätte die Bahn meiner Meinung nach mehr tun müssen.“

Für Volker Schmidt aus Langerwehe war die Fahrt mit der Bahn am Montag nur ein Versuch. „Ich nehme ab morgen das Auto und fahre bis Merzenich“, sagt er. „In Düren umsteigen und dann noch der Krampf wegen der Baustelle auf der Hohenzollernbrücke — das ist mir echt zu viel.“

Die Idee, bis Merzenich mit dem Auto zu fahren, hatten am Montag viele. Der Parkplatz an der S-Bahn-Station war schon früh am Morgen überfüllt, geparkt wurde auch in Feldwegen. Deswegen war neben Politessen sogar ein Abschleppunternehmen in der kleinen Gemeinde unterwegs. Möglicherweise nimmt der ein oder andere ab Dienstag doch lieber den „Schienenersatzverkehr“.

Zwei, die die Busfahrt ohne Probleme überstanden haben, sind Thomas Schubert und Christian Niedringhaus. „Die Busse standen schon in Horrem, als wir aus dem Zug gestiegen sind. Es hat alles geklappt. Aber die 50 Minuten, die wir länger unterwegs sind, nerven schon.“ Maria Bergrath hat nicht so gute Erfahrungen gemacht. „Die Busse waren sehr voll. Daran muss die Bahn auf jeden Fall noch etwas tun. Und einige hat der Busfahrer einfach in Horrem stehen gelassen. Die bekommen vermutlich jetzt nicht den richtigen Zug.“

Guido Knipp hat ein Einsehen mit der Bahn. „Diesmal kann die Bahn wirklich nichts dafür, dass wir ein Stück mit dem Bus fahren müssen. Ich finde, dass die Bahnmitarbeiter sehr freundlich sind und sich gut um die Fahrgäste gekümmert hat. Natürlich war das Umsteigen nervig, aber wenn irgendwann eine marode Brücke einstürzt, ist es noch nerviger.“

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