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Köln: Brings wird 25: Grenzenlos zwischen Rock, Karneval und Volksmusik

Köln : Brings wird 25: Grenzenlos zwischen Rock, Karneval und Volksmusik

Sie singen auf Kölsch, sind aber weit über Köln hinaus bekannt. Auf der Bühne machen sie Party, beziehen aber auch politisch Stellung. Ihre Songs sind rockig und folkloristisch zugleich. Momentan haben die fünf Musiker von Brings allen Grund zum Jubeln: Die Band feiert ihr 25-jähriges Jubiläum.

Mit Hits wie „Poppe, Kaate, Danze” oder „Su lang mer noch am Lääve sin” spielt Brings auf Bühnen in der ganzen Republik - außer natürlich zur Karnevalszeit, denn da reiht sich in Köln ein Auftritt an den anderen. Dabei war es ursprünglich gar nicht der Plan, ein Stimmungsmacher im Karneval zu werden. „Als Rockmusiker hatten wir eigentlich ganz andere Ambitionen”, sagt Stephan Brings.

Doch dann kam „Superjeilezick”: Die Power-Polka aus dem Jahr 2000 wurde zum Überraschungshit und läutete einen Imagewandel ein. Für die Rocker ging es unaufhaltsam rein in den Karneval. „Wir sind uns aber in all den Jahren immer musikalisch treu geblieben”, betont der 50-jährige Stephan Brings. Rot-karierte Hosen und Röcke - Markenzeichen der Gruppe - zieren auch außerhalb der jecken Zeit die Schaufenster von Kostümgeschäften in Köln.

Dass die Band heute auch in Volksmusik-Sendungen auftritt und zusammen Florian Silbereisen „Polka, Polka, Polka” singt, ist aus Sicht der Musiker kein Grund zum Wundern. „Die Kategorisierung in Rock, Pop, Schlager oder Volksmusik, die es früher gab - das ist heute Blödsinn. Diese Grenzen sind total verschwommen”, sagt Stephan Brings. „Wer hätte sich zum Beispiel vorstellen können, dass Helene Fischer eines Tages zusammen mit Bryan Adams singt?”

Auch die Einstellung zum Älterwerden habe sich in der Musikwelt völlig geändert. „Früher gab es kaum Künstler, die in unserem Alter noch durch die Clubs gezogen sind”, sagt Peter Brings (51). „Inzwischen ist es voll akzeptiert, dass Stars mit ihren Fans altern und sogar noch jüngere Fans dazubekommen. Man denke an Udo Jürgens, Roland Kaiser oder an Udo Lindenberg - der rockt mit seinen 70 Jahren gerade die Stadien.”

Zu Brings gehören neben den Brüdern Peter und Stephan auch Harry Alfter, Kai Engel und Christian Blüm. Die Bandmitglieder haben übrigens berühmte Väter: Den Kölner Liedermacher Rolly Brings, Bläck-Fööss-Mitbegründer Tommy Engel und CDU-Politiker Norbert Blüm.

„Als Musiker haben wir schon ein privilegiertes Leben. Wir haben einen Job, der uns Spaß macht, wir können auf der Bühne Dinge ansprechen, die uns nicht passen, und wir können uns politisch engagieren, wo wir wollen”, sagt Peter Brings.

„Wir kommen aus einem linken Elternhaus”, betont er. Themen wie die AfD, Wahlerfolge von Rechtspopulisten in Europa und Aggressionen gegen Flüchtlinge machen den Musikern große Sorgen. „Da kriegt man echt Angst”, sagt Peter Brings. „Alle sprechen zum Beispiel über Flüchtlinge, und oft geht es darum, was die einem alles wegnehmen könnten. Wir sind der Meinung, man sollte mehr darüber reden, warum diese Menschen flüchten und diesen gefährlichen Weg mit Booten auf sich nehmen.”

Konzerte seien für die Band auch eine Möglichkeit, Statements zu politischen Themen unters Volk zu bringen. Das will Brings auch beim nahezu ausverkauften Jubiläumskonzert am 4. Juni im Kölner Rheinenergie-Stadion machen - obwohl natürlich die Musik und das Feiern im Vordergrund stehen werden. Einen Tag zuvor erscheint das neue Album „Silberhochzeit” mit Brings-Hits aus 25 Jahren - von „Nur mer zwei” bis „Halleluja”.

(dpa)