Nach der Räumung Manheims: Waldbesetzer rufen zur Besetzung eines ganzen Dorfes auf

Nach der Räumung Manheims : Waldbesetzer rufen zur Besetzung eines ganzen Dorfes auf

Die Besetzer des Hambacher Forsts haben auf ihrer Homepage zur Besetzung des kompletten Kerpener Stadtteils Manheim aufgerufen. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Presseerklärung hervor.

Um die Ausbreitung des Tagebaus Hambach zu verhindern, "scheint uns die Besetzung Manheims als nächst logischer Schritt", heißt es in der Erklärung. "Mit den Erfolgen der letzten Monate, den Einbußen, welche RWE einstecken musste, und dem öffentlichen Druck auf die deutsche Politik geht es jetzt darum, weiter in der Offensive zu bleiben, um die Region vor der kompletten Zerstörung zu bewahren."

Der Zeitpunkt des Aufrufes kommt keineswegs zufällig, sondern steht mit großer Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit der Anreise von etwa 4000 "Ende Gelände"-Aktivisten, die bis Montag im Rheinischen Revier für einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung kämpfen wollen.

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hat in den vergangenen Monaten wiederholt öffentlich zu Straftaten aufgerufen: Hausfriedensbruch, Störung öffentlicher Betriebe, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Zwar verweisen die Aktivisten auf einen sogenannten Aktionskonsens, der Gewaltfreiheit propagiert; aber zu den genannten Straftaten wird im Namen der "Klimagerechtigkeit" dennoch seit Jahren aufgerufen.

Der öffentliche Appell zur Besetzung des Geisterdorfes Manheim, das weitgehend Eigentum von Tagebaubetreiber RWE ist, bestätigt die Befürchtungen des Bürgerbeirates von Manheim, Wilhelm Lambertz. Bei einer Bürgerversammlung vergangene Woche hatte sich die Wut vieler der rund 250 verbliebenen Anwohner bahn gebrochen, jemand sagte, die Hausbesetzer sollen sich "verpissen", wie Lambertz bestätigte.

Ein anderer Bürger hatte gegenüber unserer Zeitung die Sorge geäußert, Manheim könne zur Hamburger Hafenstraße des Rheinischen Reviers werden. In Hamburg hatten Linksautonome in den 80er Jahren zeitweise bis zu elf Mehrfamilienhäuser besetzt gehalten.

Mehr als 400 leerstehende Wohnhäuser

13 der 14 besetzten Häuser in Manheim konnte die Aachener Polizei am Donnerstag räumen. Bevor auch das 14. geräumt werden konnte, setzte die die Polizei den Einsatz auf richterliche Bitte hin aus; ein Hausbesetzer hatte gegen die Räumung geklagt. Am Freitag entschied das Aachener Verwaltungsgericht, dass die Räumung rechtmäßig war. Wann sie fortgesetzt wird, wollte die Polizei am Freitag nicht sagen.

Die Waldbesetzer rufen unterdessen "alle Menschen dazu auf, die freien Räume Manheims (...) mit kreativem Leben zu füllen", wie es in der Presseerklärung heißt. "Die Möglichkeiten sind vielfältig, und mit einem Satz Schraubenzieher und einer Brechstange lassen sich viele Räume öffnen."

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Aachener Polizei am Freitagabend mit, man habe trotz des zu erwartenden Großeinsatz am Samstag am Hambacher Forst und anderen Orten im Rheinischen Revier die Situation in Manheim im Blick. Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte am Donnerstag erklärt, in Manheim stünden mehr als 400 Wohnhäuser leer, die es gegen weitere Besetzungsversuche zu sichern gelte.

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