Klimaprotest: Tausende demonstrieren in Keyenberg

Klimaprotest : Tausende demonstrieren in Keyenberg

Braunkohlegegner haben am Samstag in Keyenberg ein buntes Fest gegen den Tagebau und für den Klimaschutz gefeiert. Mit ihrer Aktion forderten sie den Erhalt aller vom Tagebau bedrohten Dörfer und des Hambacher Forstes.

Dazu aufgerufen hatte das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ gemeinsam mit Umweltverbänden wie dem BUND, Greenpeace und den Naturfreunden.

Bereits gegen Mittag versammelten sich mehrere hundert Zuhörer vor einer Bühne, die an einer Straßenkreuzung zwischen dem Dorf Keyenberg und dem nahen Tagebau stand. Dort wurden sie mit Musik und Redebeiträgen auf den Protesttag eingestimmt. Im Laufe des Tages erreichten mehrere hundert Teilnehmer einer Fahrraddemonstration, die in Erkelenz gestartet war, und rund 7000 Teilnehmer einer „Fridays for Future“-Demonstration die Kundgebung in Keyenberg. Die „Fridays for Future“-Demonstration war in Hochneukirch gestartet und an der Tagebaukante entlang in Richtung Keyenberg gezogen. Eine Gruppe „Ende Gelände“-Aktivisten, die sich bei der Schülerdemonstration aufhielt, löste sich aus dem Demonstrationszug und gelangte in den Tagebau. Die Polizei konnte an mehreren Stellen nicht verhindern, dass Aktivisten in den Tagebau gelangten.

Tausende demonstrieren rund um den Tagebau Garzweiler

In Keyenberg formierten sich tausende Teilnehmer der Kundgebung derweil bei der Aktion „Platz nehmen“ zu einer „gelben Linie“. Gelb ist die Farbe des Widerstandes gegen die Umsiedlung der letzten fünf vom Tagebau bedrohten Dörfer in Erkelenz geworden. In den Dörfern am Tagebau stehen an vielen Stellen große, gelbe Holzkreuze. Viele der Umsiedlungsgegner waren von Kopf bis Fuß in gelb gekleidet. Sie setzten sich zwischen den Tagebau und den Ort Keyenberg, um ihn symbolisch vor den heranrückenden Braunkohlebaggern zu schützen.

BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sagte bei der Kundgebung, dass im Umwelt- und Klimaschutz früher oft der Zuspruch der jungen Generation gefehlt habe. Als die Teilnehmer der Schülerdemonstration „Fridays for Future“ Keyenberg erreichen, sagte er: „Es ist sehr bewegend, das hier zu sehen.“ Er bezeichnete das Engagement der jungen Menschen als „Zeitenwende“. Die jungen Teilnehmer der Demonstrationen von „Fridays for Future“ ließen sich nicht davon abschrecken, dass man ihnen oft sage, sie seien zu jung, um etwas zu bewegen. Sie hätten verstanden, dass ihre Jugend der Hauptgrund für ihr Engagement sein müsse. Denn sie seien diejenigen, die in Zukunft unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hätten.

An diesem Tag wurde auch deutlich, dass es Menschen in den bedrohten Erkelenzer Dörfern gibt, die bereit sind, vehement für den Erhalt ihrer Heimat einzutreten. Marita Dresen aus dem ebenfalls bedrohten Kuckum sagte: „Mir zerreißt die Vorstellung, dass die Bagger kommen und unser Haus abreißen, das Herz. Ich werde mich der Zwangsumsiedlung nicht beugen.“ Dresen lebt mit Mann, Kindern und Eltern auf einem Bauernhof in Kuckum. „Ich werde nicht zulassen, dass RWE mich und meine Familie vertreibt.“ Wenn sie gehen müsse, zerstöre das ihre ganze Vergangenheit, die sie an keine anderen Ort, schon gar nicht in Kuckum (neu) im Erkelenzer Norden, zurückbekommen könne.

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