1. Region
  2. Braunkohle

Tagebau Garzweiler II: Protest gegen Rodungen am

Aktivist besetzt Baum : Protest gegen Rodungen am Tagebau Garzweiler

Mit starkem Aufgebot hat die Polizei am Dienstag eine weitere Protestaktion des Bündnisses „Alle Dörfer bleiben“ am Braunkohletagebau Garzweiler II begleitet.

Zu Ausschreitungen sei es nicht gekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Allerdings habe der Energiekonzern RWE wegen der Versammlung auf seinem Betriebsgelände Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

Die aktion richtete sich gegen die am Dienstag stattfindenden Baumfällarbeiten vor Ort. Insgesamt hätten etwa 20 Aktivisten an der nicht angemeldeten Protestaktion teilgenommen, die aber schon am Vormittag aufgelöst worden sei, berichtete die Polizeisprecherin. Nach Angaben der Polizei und der Initiative besetzte ein Aktivist auf dem Gelände in der Nähe von Lützerath einen Baum, um eine Rodung zu verhindern.

„Da die Personen der polizeilichen Aufforderung, die Örtlichkeit zu verlassen und ihre Personalien im Rahmen des Strafverfahrens anzugeben, nicht nachkamen, wurden sie zur Feststellung ihrer Identität kurzfristig in Gewahrsam genommen“, teilte die Polizei am Mittag mit.

Auch der Aktivist, der den Baum besetzt hatte, habe diesen nicht freiwillig verlassen – Polizisten eines speziellen Bergungsteams brachten ihn den Angaben nach ohne Gegenwehr zu Boden.

Eine Demonstrantin in einem elektrischen Rollstuhl wurde mit einem geeigneten Krankentransportfahrzeug zur Mahnwache Keyenberg zurückgebracht. Die Beamten konnten von dreizehn Personen die Identitäten nicht feststellen, sechs von ihnen verhinderten die Maßnahmen zudem, da sie verklebte Fingerkuppen hatten. Nach richterlicher Entscheidung wurden gegen Mittag alle Personen vor Ort wieder entlassen; sie erhielten für den Bereich der ehemaligen Landesstraße 277 einen polizeilichen Platzverweis. Laut RWE kam es zu keinem Sachschaden.

Die Aktivisten wollten Widerstand dagegen leisten, dass RWE mit Baumfällungen bei den vom Abriss bedrohten Dörfern Keyenberg und Lützerath beginnt. Die Rodungsarbeiten beträfen die Trasse einer bereits zurückgebauten Werksstraße auf RWE-Betriebsgelände, sagte ein RWE-Power-Sprecher.

Die Baumfällarbeiten seien mit der Genehmigungsbehörde abgestimmt und vom Hauptbetriebsplan des Tagebaus abgedeckt. Die ehemalige Straßentrasse liege dort schon weniger als 100 Meter von der Abbaukante entfernt. „RWE nutzt den Lockdown schamlos aus, um ohne Aufsehen Bäume fällen zu können“, kritisierte dagegen eine Sprecherin des Bündnisses.

In den vergangenen Monaten hatten Anwohner und Klimaschützer bereits wiederholt gegen den Abriss der ehemaligen Landesstraße 277 zwischen Keyenberg und Lützerath protestiert. „Für die von Zwangsumsiedlung bedrohten Menschen bildet diese Baumallee eine wichtige Sichtschutzlinie zwischen dem Tagebau und ihren Dörfern“, bekräftigte die Initiative.

Trotz des beschlossenen Kohleausstiegs sollen noch fünf Dörfer im rheinischen Revier dem Braunkohletagebau weichen. Dagegen wehren sich Anwohner, Umweltverbände und die Grünen. Laut Leitenscheidungsentwurf der Landesregierung soll die Umsiedlung „sozialverträglich fortgesetzt und bis 2028 abgeschlossen werden“. Der Landtag muss über die Leitentscheidung noch abstimmen.

(dpa)