Rodung im Hambacher Forst: BUND beschuldigt Aktivisten

50 gefällte Bäume: Haben Waldbesetzer im Hambacher Forst gerodet?

Die Polizei entdeckt bei einer Waldbegehung eine kahlgeschlagene Fläche. Der Naturschutzverein BUND ist entsetzt und beschuldigt die Aktivisten, etwa 50 Bäume gefällt zu haben.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat die Rodung von etwa 50 Bäumen durch Waldbesetzer im Hambacher Forst kritisiert. „Laienhafte Waldbesetzer, die sich an den Bäumen vergreifen, haben im Wald nichts zu suchen und sind eine Belastung für den Lebensraum“, erklärte BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen am Donnerstag. Es könne nicht sein, dass „vermeintliche Umweltaktivisten selbst die Säge anlegen“. Zwar liegt die Vermutung nah, dass die Waldbesetzer die Bäume für ihre Zwecke geschlagen haben, bewiesen ist dies bislang aber noch nicht.

Räumung steht offenbar nicht bevor

Die Aachener Polizei hatte die kahlgeschlagene Fläche am Mittwoch bei einer Waldbegehung entdeckt und Fotos im Internet veröffentlicht. Auf einem der Fotos waren die Stämme zweier frisch geschlagener Bäume zu sehen, die zur Konstruktion eines Baumhauses benutzt worden waren. Am Mittwoch nun teilte die Polizei mit, dass die Abschnittkanten der Stümpfe und der Baumstämme, die in den Baumhäusern verbaut sind, „größtenteils identisch“ seien.

Die Waldbesetzer selbst verschickten noch am Mittwoch eine Mitteilung, in der sie sich unter anderen über „den Diebstahl von Feuerlöschern“ echauffierten, dies sei „ein weiteres entsetzendes Highlight“ der Begehung gewesen. Die Polizei hatte mitgeteilt, dass diese Feuerlöscher „nachweislich aus RWE-Eigentum“ stammten. Zu den gefällten Bäumen äußerten sich die Aktivisten nicht. Eine Bitte unserer Zeitung um Stellungnahme zu der gerodeten Fläche ließen die Waldbesetzer bis Mittwochabend unbeantwortet.

Die Sorgen einiger Umweltschützer, die Begehung am Mittwoch könnte der Vorbereitung einer weiteren Baumhausräumung im Hambacher Forst gedient haben, sind offenbar unbegründet. Der Kreis Düren erklärte am Donnerstag, dass keiner seiner Mitarbeiter an der Begehung teilgenommen habe. Vergangenen Sommer hatte nur kurze Zeit nach einer Begehung von Polizei und Mitarbeitern zweier Bauämter am 13. September die erste große Räumung des Hambacher Forstes stattgefunden. Obwohl Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erst kürzlich wieder erklärt hatte, „rechtsfreie Räume im Hambacher Forst nicht dulden“ zu wollen, sieht es im Moment nicht danach aus, als stehe eine weitere Räumung unmittelbar bevor.

Waldeigentümer RWE erstattete wegen der gerodeten Bäume Anzeige. Ein Unternehmenssprecher sagte, dass Unbekannte bereits früher immer wieder „vereinzelt Bäume gefällt“ hatten, um sie zum Bau von Baumhäusern zu benutzen. Dass eine ganze Fläche kahlgeschlagen wurde, sei nun zum ersten Mal vorgekommen. Der BUND erklärte weiter, dass „an den Orten, wo die Räumungen (...) bereits für nachhaltige Schäden im hochbelasteten Wald gesorgt haben, einige wenige Baumhäuser zu tolerieren“ seien, sie „übernehmen eine wichtige Überwachungsfunktion“. Alle anderen Waldbereiche, erklärte BUND-Geschäftsleiter Jansen, „sollten tabu bleiben“.

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