Ausbau für Milliarden geplant: Neue Bahnanbindungen für den Strukturwandel im Rheinischen Revier

Ausbau für Milliarden geplant : Neue Bahnanbindungen für den Strukturwandel im Rheinischen Revier

Nach der Kohle sollen im Rheinischen Revier neue Jobs in innovativen Feldern entstehen. Das kann aber nur klappen, wenn Investoren und Pendler vernünftige Verkehrsanbindungen vorfinden. Dafür braucht NRW Milliarden.

Mit 3,7 Milliarden Euro soll die Bahnanbindung des Rheinischen Reviers zügig ausgebaut werden, um die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze zu erleichtern. Vorgesehen sind insgesamt elf Einzelmaßnahmen, für fünf Vorhaben wurde eine beschleunigte Umsetzung beschlossen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), Bahn-Vorstand Ronald Pofalla und weitere Partner aus der Region am Mittwoch in Düsseldorf unterzeichnet. Über die Inhalte der Vereinbarung hatte zuerst die „Rheinische Post“ berichtet.

Das Rheinische Revier ist vom beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2038 massiv betroffen. Künftig soll sich die Region als Modellstandort für Zukunftsenergien positionieren. Wenn dort neue Arbeitsplätze entstehen sollten, müsse die Anbindung für Unternehmen und Pendler aber verbessert werden, sagte Laschet.

Dabei seien die geplanten Infrastrukturmaßnahem nicht nur für das Städtedreieck Aachen-Köln-Mönchengladbach wichtig. So sei etwa der Eisenbahnknotenpunkt Köln „einer der größten Engpässe im nationalen und europäischen Eisenbahnnetz - sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr“. Dort sollen die Kapazitäten nun erweitert werden - unter anderem durch Digitalisierung.

Pofalla rechnet damit, dass die meisten Maßnahmen des Infrastrukturpakets im Rheinischen Revier bis 2030 umgesetzt werden können, wenn bei zentralen Vorhaben eine Verringerung der Klage-Instanzen ermöglicht werde. Von entscheidender Bedeutung sei der Neubau der sogenannten Westspange, der S-Bahn-Verbindung zwischen Köln-Hansaring und Hürth-Kalscheuren.

„Dies bewirkt eine Entflechtung von Fern-, Nah- und Güterverkehr und führt zu einer Entlastung und Kapazitätsausweitung des gesamtes Netzes“, heißt es in der Vereinbarung. Ohne diese Maßnahme sei das gesamte deutsche Bahnnetz nicht auf das notwendige Qualitätslevel zu heben, sagte Pofalla. Von besonderer Bedeutung für die Anbindung an internationale Netze seien auch der Ausbau und die Digitalisierung der Strecke Aachen-Köln, „einem der zentralen Grenzübergangspunkte zu den Benelux-Staaten“.

Das Geld für die Ausbaupläne soll aus den Strukturhilfen kommen, die der Bund den Kohleregionen zugesagt hat. Von den insgesamt 40 Milliarden Euro sollen knapp 15 Milliarden nach NRW fließen. Weil das zusätzliche Mittel seien, müsse niemand befürchten, dass andere Schienenprojekte deswegen hintangestellt würden, versicherte Pofalla.

Auch unabhängig von dem Strukturpaket sei NRW für die Bahn ein Investitionsschwerpunkt. Der Grund sei einfach: „Wir haben die engsten Stellen im bundesweiten Netz in Nordrhein-Westfalen. Probleme, die wir in Nordrhein-Westfalen haben, strahlen auf das gesamte Bundesgebiet aus.“

Allein in diesem Jahr investiere die Bahn in NRW mit 1,3 Milliarden Euro fast doppelt so viel wie zwei Jahre zuvor. Für die nächsten Jahren seien Investitionsvolumina von über zwei Milliarden absehbar. Von herausragender Bedeutung sei dabei die Digitalisierung des Schienenverkehrs. Bis 2023 würden 500 Kilometer der Kernstrecken in NRW digitalisiert, sagte Pofalla. Am Ende sollten auf diesem Wege auch ohne zusätzlichen Gleisbau bis zu 35 Prozent mehr Kapazität und damit auch mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit im Netz gewonnen werden.

(dpa)
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