Klimacamp: Friedlicher Protest am Tagebau Garzweiler

Sitzblockaden, Mahnwachen : Friedlicher Protest am Tagebau Garzweiler

Klimaaktivisten haben rund um den Tagebau Garzweiler II mit Sitzblockaden und Mahnwachen friedlich gegen die Energiegewinnung aus Braunkohle und für alternative Energien demonstriert.

Im Rahmen des 10. Klimacamps im Rheinischen Revier richtete die Aktionsgruppe „Kohle Ersetzen“ ab dem Samstagmittag Sitzblockaden an mehreren Zufahrten zum Tagebau ein, so zum Beispiel am Skywalk, am Haupteingang oder an der Nord-Süd-Kohlebahn.

Mit Slogans wie „Raus aus der Kohle, rein ins Vergnügen“ oder „Zwangsumsiedlungen machen krank“ demonstrierten die Teilnehmer für das Ende des Braunkohletagebaus. Darüber hinaus wurden an allen elf Braunkohle-Standorten im Rheinischen Revier Mahnwachen gehalten. Insgesamt beteiligten sich 150 Aktivisten, hieß es.

„Die Aktionen sind gewaltfrei. Aber wir sind fest entschlossen, wir werden hier nicht weggehen“, sagte eine Sprecherin von „Kohle Ersetzen“ der Deutschen Presse-Agentur. Notfalls müsse die Polizei die Demonstranten wegtragen. Dazu sah der Tagebau-Betreiber RWE zunächst keine Veranlassung. „Es sind nicht alle Zufahrtswege gesperrt, deswegen gibt es keinen Anlass, zu räumen. Der Schichtwechsel ist gewährleistet, der Betrieb nicht beeinträchtigt“, sagte eine RWE-Sprecherin auf dpa-Anfrage. Die Polizei beobachtete die Demonstranten und sprach auch mit ihnen.

20 Ingewahrsamnahmen

In den Mittagsstunden blockierten laut Polizei Gruppierungen von durchschnittlich 30 Aktivisten mit Sitzblockaden insgesamt fünf Zufahrten zum Werksgelände des Tagebaus Garzweiler: Provinzstraße, Reisdorfer Weg, Langer Weg, Am Pösenberg und Jackerrath. Durch die Blockade der letzgenannten Zufahrt stauten sich mehrere Lastwagen, die Kalk anliefern wollten. Diese Blockade bewertete die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach als Nötigung. In Bezug auf die übrigen Blockaden wurde der Verdacht der Straftat einer Nötigung festgestellt. Da es sich bei den beiden Zufahrten Jackerrath und Reisdorfer Weg um Betriebsgelände von RWE handelt, stellte das Unternehmen zudem noch Strafantrag wegen Hausfriedensbruch.

Nach Angaben der Polizei kamen die Tatverdächtigen am Reisdorfer Weg den Aufforderungen der Beamten, die Blockaden freiwillig zu räumen und zum Zwecke der konsequenten und beweissicheren Strafverfolgung die Personalien feststellen zu lassen, nicht nach. Die Polizisten mussten die Aktivisten wegtragen. Anschließend erhielten sie einen Platzverweis für den Bereich und entfernten sich. Ein Teil der Personen meldeten einen spontanen Demonstrationszug an und ging vom Reisdorfer Weg in Richtung Klimacamp zurück.

Die 20 Verdächtigen der vollendeten Nötigung in Jackerath, fünf Männer und 20 Frauen, deren Identität vor Ort nicht festzustellen war, wurden ins Gewahrsam der Polizei gebracht, um dort weitere Maßnahmen zur Identifizierung durchzuführen. Fünf von ihnen hätten sich die Fingerkuppen verklebt. Eine Minderjährige wurde nach den Maßnahmen dem Jugendamt übergeben. Alle Blockierer hätten sich dabei friedlich verhalten, betont die Polizei.

Vom bisher größten Camp vor zwei Jahren waren massive Störaktionen Tausender, überwiegend junger Menschen ausgegangen. Im Juni hatte es gewalttätige Proteste im Rheinischen Revier mit rund 6000 Aktivisten gegeben. Die Demonstranten waren teilweise in den Tagebau eingedrungen und hatten den Betrieb lahmgelegt. 16 Beamte waren damals verletzt worden.

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(dpa/red/pol)
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