Junge Veranstalter und Stadt Aachen sind mit Großdemo sehr zufrieden

Fridays for Future : Tschö, wa: Demo-Teilnehmer auf dem Heimweg

Ziemlich müde aber sehr zufrieden wirken die Schülerinnen und Schüler, die am Sonntagvormittag an der Bushaltestelle am Tivoli stehen. Sie haben ein langes Wochenende im Zeichen des Klimaschutzes hinter sich, nun geht es nach Hause.

„Wer es körperlich noch schafft, kann bitte schon mal zu Fuß zum Bahnhof gehen. Die anderen müssen auf den Bus warten!“ Ganz fit wirkt der junge Mann, der seine Mitstreiter mit dem Megafon instruiert, auch nicht mehr. Seit Donnerstag sind die Schülerinnen und Schüler, die an der großen „Fridays for Future“-Demo in Aachen teilgenommen haben, in der Stadt. Sie haben wenig Schlaf bekommen, und wenn sie geschlafen haben, dann auf dem Fußboden im Parkhaus. Nun geht es für sie wieder nach Hause – erschöpft, aber zufrieden.

„Es war wirklich unglaublich“, erzählt die 15-jährige Nele Hochkirchen aus Aachen, die mit zum Orga-Team gehört. Sie habe mit rund 10.000 Menschen gerechnet und war noch bis Donnerstag „eher pessimistisch, wie viele wirklich kommen“. Dass es nun vier Mal so viele gewesen seien – zumindest die Veranstalter gehen von rund 40.000 Demonstranten aus – sei fantastisch. „Alles hat geklappt, sogar den Zeitplan konnten wir einigermaßen einhalten.“

Auch der Ausflug ins rheinische Revier, wo sich die Schüler der „Alle Dörfer bleiben“-Demo angeschlossen haben, sei reibungslos verlaufen. Meldungen, dass unter den „Ende Gelände“-Aktivisten, die am Wochenende den Tagebau gestürmt haben, auch „Fridays for Future“-Teilnehmer gewesen sein sollen, sind ihr auch zu Ohren gekommen.

Die 15-jährige Nele Hochkirchen aus Aachen sagt: „Wir lassen uns nicht von Hass-Botschaften unterkriegen.“. Foto: ZVA/Sarah-Lena Gombert

Nele Hochkirchen kommentiert das folgendermaßen: Man habe zwar die gleichen Ziele wie „Ende Gelände“, nämlich den Ausstieg aus der Braunkohle und das Einhalten des Pariser Klimaabkommens. „Doch wir haben explizit nicht dazu aufgerufen, den Tagebau zu stürmen“, sagt sie. Wenn aber Teilnehmer der Demo von Freitag sich dann am Samstag „Ende Gelände“-Aktionen anschließen, so könne man das nicht verhindern.

Jetzt heißt es: Aufräumen!

Für die Aachener Schülerinnen und Schüler heißt es am Sonntag erst einmal: aufräumen. „Wir wollen den Tivoli genau in dem Zustand zurücklassen, wie wir ihn vorgefunden haben“, betont Hochkirchen. Man will keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Den Schülern sind die vielen Vorwürfe, die man der „Fridays for Future“-Bewegung macht, durchaus bewusst, auch wenn sie teils unbegründet sind.

Ein Beispiel dafür: Obwohl die Stadtverwaltung Aachen selbst am Freitag eine gesonderte Pressemitteilung verschickte, um darauf hinzuweisen, dass die Demonstrationsteilnehmer keinen Müll hinterlassen hätten, kursierte am selben Tag ein Foto in Sozialen Medien, dass die Theaterstraße voll mit Abfällen zeigt. Es folgten Häme, Spott und böse Kommentare. Doch schnell stellte sich heraus: Das Bild war überhaupt nicht an diesem Freitag entstanden, sondern nach einem Karnevalsumzug. Die Fotografin, eine Aachener Journalistin, erklärte, man habe ihre Aufnahme, die sie an Rosenmontag 2014 gemacht habe, missbraucht, um die Schülerinnen und Schüler in Verruf zu bringen. „So etwas ist natürlich sehr schade“, kommentiert Nele Hochkirchen. Doch spätestens seit Freitag sei klar: „Wir haben so viel Unterstützung, und unser Anliegen ist so wichtig, da lassen wir uns nicht von solchen Hass-Botschaften unterkriegen“, erklärt die Aachener Schülerin.

Wie genau es mit den Klimaprotesten in Aachen weitergeht, ist noch nicht klar. Dass es weitergeht, hingegen schon: „Wir werden jetzt erst einmal ausschlafen“, sagt Nele Hochkirchen lachend, „und das ganze Wochenende reflektieren“. Unter anderem gelte es, den Sommerkongress vorzubereiten, der vom 31. Juli bis 4. August in Dortmund stattfinden soll. Und vielleicht gibt es am Freitag, 5. Juli, die nächste „Fridays for Future“-Demo in Aachen, dann aber wieder in kleinerem Rahmen, ab Elisenbrunnen.

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