Hambacher Forst: Zwei Waldbesetzer in Haft genommen

Hambacher-Forst-Prozess : Zwei Waldbesetzer in Haft

Weil Luna S. und Hannes G. aus dem Gerichtssaal eine Manege machen wollen, greift ein Richter am Aachener Landgericht durch. Zuschauer werden aus dem Saal getragen, die Angeklagten müssen vorübergehend ins Gefängnis.

Einen ganzen Verhandlungstag lang hat Richter Markus Vogt die Albernheiten, die Überheblichkeit und die Verachtung der beiden Angeklagten einigermaßen gelassen hingenommen. Doch bevor er den Berufungsprozess gegen die beiden Waldbesetzer aus dem Hambacher Forst am Donnerstagmittag fortsetzte, machte er gleich zu Beginn klar, dass es so nicht weitergehen wird.

Kein Richter, der seinen Beruf ernst nimmt, lässt es sich bieten, dass Angeklagte, Verteidiger oder Zuschauer barfuß vor Gericht erscheinen, dass sie beim Eintreten der Richter nicht aufstehen, ständig dazwischen blöken, gackern, laut lachen oder sich über die Justizwachtmeister lustig machen. Und so drohte Richter Vogt am Donnerstag ein Ordnungsgeld oder ersatzweise Ordnungshaft an, falls die Angeklagten weitermachen wollten wie am ersten Tag.

Da die Angeklagten, ihre Verteidiger und die Zuschauer nur sehr zögerlich auf die Warnung Vogts reagierten, trugen Polizisten und Wachtmeister drei Zuschauer aus dem Saal, da sie dem Saalverweis des Richters freiwillig nicht nachkommen wollten. So reduzierte sich die Zahl der Zuschauer von fünf auf zwei, zwei Wachtmeister wurden dabei leicht verletzt.

Die barfüßigen Verteidiger

Danach dann verhängte Vogt gegen die barfüßigen Laienverteidiger ein Ordnungsgeld von jeweils 200 Euro, was, als sie sich die Schuhe der aus dem Saal getragenen Zuschauer geliehen und angezogen hatten, von Richter Vogt wieder zurückgenommen wurde. Und am späten Donnerstagnachmittag dann wurden die beiden Angeklagten, Luna Celina S. (22) und Hannes Mike G. (22), vom Gerichtssaal aus direkt in den Wagen getragen, der sie ins Gefängnis brachte. Sie konnten oder wollten das gegen sie verhängte Ordnungsgeld in Höhe von jeweils 200 Euro wegen ungebührlichen Verhaltens nicht bezahlen. Sie bleiben nun vier Tage in Haft, sollte ihre Strafe nicht bezahlt werden.

Die mehrfach vorbestrafte Luna Celina S., die damals noch Adrian S. hieß und ein Mann war, war vergangenen Winter vom Amtsgericht Jülich zu 100 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt worden, weil sie gemeinsam mit Hannes Mike G. im Juli 2017 die Hambachbahn blockiert hatte. Der ebenfalls mehrfach vorbestrafte Hannes Mike G. hieß bei seiner Verurteilung zu 90 Tagessätzen Geldstrafe noch Hannah Julika G. und war eine Frau. Beide zählen nach allem, was man weiß, zum harten Kern der Waldbesetzer im Hambacher Forst. Und beide sind, auch dem Verhalten vor Gericht nach zu urteilen, nicht in erster Linie friedliebende Umweltaktivisten, sondern radikale Staatsfeinde.

Fluchtversuch in der Verhandlungspause

Richter Vogt deutete schon am ersten Verhandlungstag Ende Mai an, dass er an der strafrechtlichen Schuld der beiden Angeklagten keine Zweifel hat. Am Ende geht es wahrscheinlich nur noch um die Höhe der Strafe. Der Prozess hätte eigentlich schon am ersten Tag mit einem Urteil zu Ende gehen sollen. Doch weil die Angeklagten und teilweise auch ihre Verteidiger die Öffentlichkeit des Strafprozesses dazu nutzen, ihre Staatsfeindlichkeit mit großer Überheblichkeit zur Schau zu stellen, zieht sich die Angelegenheit nun in die Länge.

Zu erwähnen ist noch, dass die beiden Angeklagten, als am Donnerstagnachmittag klar war, dass sie ins Gefängnis würden gehen müssen, in einer Verhandlungsunterbrechung einen mutmaßlichen Fluchtversuch unternahmen. Doch noch im Innenhof des Aachener Justizzentrums wurden sie von Polizisten und Wachtmeistern überwältigt und zurück zum Gerichtssaal getragen. Hannes Mike G. wollte anschließend eine Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung stellen, er habe sich lediglich etwas zu essen kaufen wollen. Vorher hatte er ausgesagt, völlig mittellos zu sein und allein „von Luft und Liebe“ zu leben.

Der nächste Verhandlungstag ist am 27. Juni um 9 Uhr im Landgericht Aachen, Saal A0.020.

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