Hambacher Forst: Fäkalien-Wurf auf RWE-Mitarbeiter bei Räumung

Hambacher Forst : RWE-Mitarbeiter mit Fäkalien und Steinen beworfen

Der nächste Einsatz im Hambacher Forst: Mit etwa einer Hundertschaft begleitete die Aachener Polizei am Montag den Werkschutz von RWE in dem kleinen Waldstück, das derzeit nicht gerodet werden darf.

Die Mitarbeiter des Eigentümers räumen wieder Barrikaden von den Wegen und beseitigen „waldfremde“ Gegenstände. Die Polizei stelle sicher, dass sie dabei nicht gefährdet oder behindert würden, so sagt es ein Sprecher. Parallel kontrolliert sie auch, ob Auflagen an der Mahnwache eingehalten würden.

Bei einem Umweltaktivisten stellten die Beamten eine kleine Menge Rauschgift fest und verwiesen ihn des Feldes. Eine männliche Person kam ins Gewahrsam, weil er einen Platzverweis nicht befolgte.

Auf der alten A4, die zwischen Wald und Tagebau verläuft, wurde ein RWE-Fahrzeug mit Steinen beworfen, die Heckscheibe zersplitterte. „Nur durch Zufall wurde niemand verletzt“, twitterte die Polizei. Insgesamt seien 80 Kubikmeter Unrat und 40 Kubikmeter Holz entsorgt worden. Auch eine Weltkriegsgranate sei zufällig gefunden und dann von Munitionsexperten entfernt worden.

Ein RWE-Mitarbeiter wurde aus einem Baumhaus heraus in der Siedlung Krähennest mit Fäkalien beworfen, während Arbeiten an einem sogenannten Monopod durchgeführt wurden.

Später flog nach Polizeiangaben auch noch eine Bengalo-Fackel. Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung erwirkte die Staatsanwaltschaft Aachen einen Durchsuchungsbeschluss für das betreffende Baumhaus. „Die Polizei forderte den Tatverdächtigen mehrfach auf, das Baumhaus freiwillig zu verlassen“, hieß es. Bis zum späten Montagabend habe er dies nicht getan. Es werde weiter versucht, den Mann zum freiwilligen Verlassen des Baumhauses zu bewegen. In einem Tweet ließen die Beamten wissen, dass sie nicht im Wald seien, um Baumhäuser zu räumen: „Sobald die Identität des Fäkalienwerfers festgestellt wurde, beendet die Polizei Aachen sämtliche Maßnahmen.“ Innenminister Herbert Reul hatte aber zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass die illegal errichteten „Wohnungen“ in absehbarer Zeit wieder beseitigt werden.

Erst vor zwei Wochen hatte sich die Polizei bei einer Waldbegehung einen Überblick über die Lage im Hambacher Forst verschafft. Die Indizien mehren sich, dass die nächste Räumung bald ansteht, im Wald sind auch Mitarbeiter der Stadt Kerpen und des Kreises Düren. Die Kommunen waren im Herbst vom Landesbauministerium zur Räumen der Baumhäuser angehalten worden, nachdem Behördenvertreter gravierende „Mängel beim Brandschutz“ festgestellt hatten. Auch damals hatte es kurz zuvor „Stubendurchgänge“ gegeben, bei denen die Verstöße aktenkundig wurden.

Bereits Anfang dieses Jahres wurde ein Einsatz gegen die illegal errichteten Baumhäuser im Präsidium und den Rathäusern vorbereitet, der dann kurzfristig wieder abgesagt wurde. Damals – so die Spekulation – wollten man dann doch erst das Ergebnis der Braunkohlekommission abwarten.

Unterdessen hat Kurt Claßen, Eigentümer einer etwa 2500 Quadratmeter großen Wiese am Waldrand, auf der seit sieben Jahren ein Camp errichtet ist, das Land NRW beim Verwaltungsgericht Köln verklagt. Der prozesserfahrene Steuerberater beantragt, den aktuellen Hauptbetriebsplan (Laufzeit: 1. April 2018 bis 31. Dezember 2020) aufzuheben. Damit will Claßen verhindern, dass der Tagebau Hambach fortgeführt und der Hambacher Forst noch gerodet wird.

„Nach dem Ende des Tagebaus Hambach sollte die vom Tagebau zerstörte Landschaft einschließlich des Bodens und des Grund- und Trinkwassers wieder nutzbar gemacht werden und der Hambacher Forst in seiner ursprünglichen Größe von bis zu 85 Quadratkilometern wiederhergestellt werden“, steht in seinem Klageschreiben. Claßen argumentiert, dass die Fortführung des Tagebaus längst nicht mehr dem „Gemeinwohlinteresse“ des Landes NRW diene. Auch ohne den im Tagebau gewonnenen Braunkohlestrom wäre die Versorgung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gesichert, sagt Claßen.

Seine juristischen Erfolgsaussichten sind allerdings gering, zuletzt hatte das Verwaltungsgericht Köln dem von ihm angefochtenen Hauptbetriebsplan noch am 12. März erneut für rechtens erklärt.

(pa/dpa)
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