Hambacher Forst : Aktivisten beginnen mit dem Bau neuer Baumhäuser

Hambacher Forst : Aktivisten beginnen mit dem Bau neuer Baumhäuser

Nach dem verfügten Rodungsstopp und einer Massendemonstration am Samstag soll die Polizei am Montag abziehen – und im Hambacher Forst wird wieder an Baumhäusern gebaut.

Vermutlich hat dieser kleine Wald gerade die aufregendsten Zeiten hinter sich, seitdem er vor tausenden Jahren entstanden ist. Zehntausende Menschen feierten am Samstag im Hambacher Forst den gerichtlich verfügten Rodungsstopp und forderten einen schnellen Kohleausstieg. Das war die „größte Kundgebung, die es jemals im rheinischen Tagebau gegeben hat“, bilanzierte Uwe Hiksch vom Bundesvorstand der Naturfreunde, der die Kundgebung angemeldet hatte. Die Veranstalter sprachen von 50.000 Teilnehmern, die Polizei von 25.000 bis 30.000 Besuchern, die gegen die Landesregierung und Waldbesitzer RWE protestiert hatten. Der Energiekonzern will das Waldareal roden, um Braunkohle zu fördern. Einig waren sich Polizei und Veranstalter, dass da ein bunter, friedlicher Tag stattgefunden hatte, an dem die Polizei fast nur beobachten musste.

Natürlich gehe es an diesem Tag darum, sich für den dauerhaften Erhalt des Restwaldes einzusetzen, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser bei der Kundgebung. „Es geht aber noch um viel mehr. Die Menschen protestieren gegen Konzerne wie RWE, die ihre wirtschaftlichen Interessen mit Hilfe der Politik gegen den mehrheitlichen Willen des Volkes durchsetzen wollen.“

„Das ist eine neue Bewegung, die von der Jugend dominiert wird und die nicht gewillt ist, weiter hinzunehmen, wie ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird“, sagt Hubert Weiger, der Bundesvorsitzende des Umweltverbandes BUND.

50.000 Menschen bei Großdemo am Hambacher Forst

Der Großeinsatz der Polizei geht derweil am Montagmorgen offiziell zu Ende. Die Beamten hatten in den vergangenen Wochen Vollzugshilfe geleistet, als die illegal errichteten Baumhäuser geräumt und abgebaut wurden. Da die Rodung des Forstes nun für mindestens zwei Jahre gerichtlich untersagt sei, „ist es jetzt an der Zeit, dass im Wald Ruhe, Ordnung und Frieden einkehren“, kündigte NRW-Innenminister Herbert Reul an. Er hoffe sehr, dass die Umweltschützer die Abwesenheit nicht dazu nutzten, erneut Baumhäuser und Barrikaden zu errichten, sagte der CDU-Politiker.

Bereits am Sonntag entstanden im Forst jedoch neue Baumhäuser. Gut 100 Braunkohle-Gegner waren mit Sägen und Bauen beschäftigt. Die Polizei griff nicht ein.

Die NRW-Grünen hielten derweil am Sonntag einen Kleinen Parteitag am Rande des Hambacher Forstes ab. Landeschefin Mona Neubaur bezeichnete die Demo vom Vortag als ein „unübersehbares Signal für entschlossene Klimaschutzpolitik“. Die Aktivistengruppe „Ende Gelände“ kündigte für das letzte Oktober-Wochenende neue Aktionen an: Man werde dann „mit tausenden Menschen wiederkommen und die Braunkohle-Infrastruktur rund um den Tagebau Hambach blockieren“.

Mehr von Aachener Nachrichten