Aachen: Bombardier: Wut und herbe Kritik

Aachen: Bombardier: Wut und herbe Kritik

Mit einem Solidaritätsmarsch vom Aachener DGB-Haus zum Standort der Bombardier-Waggonfabrik in der Jülicher Straße begann am Freitag ein Tag großer Unterstützung für die von der Werksschließung bedrohten Arbeitnehmerschaft.

Am Donnerstag war während der Frühschicht bekannt geworden, dass die Konzernleitung der Berliner Bombardier Transportation nach Ende der vorliegenden Aufträge das Werk mit rund 450 fest Beschäftigten und etwa 150 Leiharbeitern wahrscheinlich Mitte kommenden Jahres schließen will.

In der Region selbst wie auch in der überregionalen Politik stieß das Vorhaben auf blankes Unverständnis, Wut und Kopfschütteln. Die NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) sowie sein Kabinettskollege und Parteifreund Garrelt Duin waren angereist und versicherten, sie würden alles tun, um den bei der Fertigung hochwertiger Schienenfahrzeuge hochproduktiven Vorzeigestandort Aachen zu erhalten.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe bereits zugesagt, in der kommenden Woche mit den Konzernverantwortlichen in Kanada telefonieren zu wollen. Weiter stünden am Dienstag die Schließungsabsichten auf der Tagesordnung des Kabinetts. Schneider und Duin führten am Standort Gespräche mit der Bombardier-Arbeitsdirektorin Susanne Kortendick. Man habe den Eindruck, so IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers, dass dort „die Argumente ankommen”. Die Arbeitsdirektorin wird am Montag der Konzernleitung vortragen.

Davon abgesehen äußerten beide Minister herbe Kritik und ernste Zweifel am unternehmerischen Sachverstand der Konzernleitung.
Das Werk des traditionsreichen Waggonbauers Talbot war Mitte der 1990er Jahre an die kanadische Bombardier-Gruppe verkauft worden. Nach der Übernahme gab es ein ewiges Auf und Ab. Später hatte man dort den erfolgreichen Nahverkehrszug „Talent” entwickelt, die niederländische Bahn bezog Fahrzeuge aus Aachen.

Momentan arbeitet die Belegschaft an Zügen, die als S-Bahnen im Stuttgarter Raum laufen sollen. Erst am vergangenen Montag, das berichtete der Betriebsratsvorsitzende Josef Kreutz am Freitag auf einer über Stunden andauernden Betriebsversammlung, habe man neue Schichtpläne ausgearbeitet, um die vollen Auftragsbücher bis zum Fertigstellungstermin abarbeiten zu können. „Das Werk ist bis zu 160 Prozent ausgelastet”, rief ein verzweifelter Betriebsratsvorsitzender aus.

Ebenso erhob die Ex-Gesundheitsministerin und Aachener SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt schwere Vorwürfe gegen die Konzernleitung. Noch vor zwei Jahren habe man die Politik benutzt, um Aufträge zu bekommen. Damit sollte der Standort Aachen gesichert werden. „Sie haben uns damit belogen und betrogen”, fand Schmidt harte Worte in Richtung Bombardier. Die Solidarität kam nicht nur aus der Politik. Andere Gewerkschaften und beispielsweise der Schumag-Betriebsrat zeigten sich solidarisch.

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