Aachen/Berlin: Bombardier in Aachen macht dicht: 600 Jobs weg

Aachen/Berlin: Bombardier in Aachen macht dicht: 600 Jobs weg

Wut, Enttäuschung, Schock und Tränen: Rund 600 Menschen haben am Donnerstag in Aachen erfahren, dass sie ihren Job verlieren. Es sind die Mitarbeiter des Aachener Bombardier-Werks, der früheren Talbot-Waggonfabrik. Der kanadische Konzern will das seit knapp 175 Jahren bestehende Werk schließen.

Das bestätigte Immo von Fallois, Sprecher der Deutschlandzentrale in Berlin. Man bedauere die Entscheidung, die aufgrund der „schwierigen Auftragslage” aber unumgänglich sei. Vielen Mitarbeitern werde man Stellen in einem der anderen Bombardier-Werke in Deutschland anbieten. Die Betroffenen protestierten Donnerstagmorgen kurz nach einer Betriebsversammlung vor den Werkstoren und demonstrierten Kampfeswillen.

Man werde sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden, sagten Betriebsratsvorsitzender Josef Kreutz und Aachens IG-Metall-Chef Franz-Peter Beckers.

Beckers erklärte, die Entscheidung sei „auch wirtschaftlich absurd”. Der Vorstand müsse „von allen guten Geistern verlassen sein”. Das Aachener Werk laufe auf Hochtouren. Tatsächlich wird derzeit an zwei S-Bahn-Großaufträgen gearbeitet. Um diese fristgerecht fertigzustellen, habe die Belegschaft vor wenigen Tagen sogar auf ein Drei-Schichten-System umgestellt, arbeite eine Stunde länger und auch an Samstagen und verzichte auf die Frühstückspause.

Bis Mai solle das so sein. Laut IG Metall muss Bombardier bei einem Auftrag 50 Millionen Euro Strafe zahlen, wenn er nicht rechtzeitig fertig ist. „In einer solchen Situation die Werksschließung zu verkünden, ist purer Wahnsinn”, so Beckers. Betriebsrat und Gewerkschaft kündigten weitere Aktionen an.

Durch die Blume wurden auch Streiks angedroht. Am Freitag wollen NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin und Arbeitsminister Guntram Schneider nach Aachen kommen, um mit der Belegschaft und der Werksleitung zu sprechen. „Wir appellieren an die Vernunft des Vorstands und wollen mit ihm ein tragfähiges Konzept für die Zukunft des Aachener Werks erarbeiten”, so Gewerkschafter Beckers.

Laut Bombardier-Sprecher von Fallois stehe der Beschluss jedoch fest. Zu gering sei die Auftragslage. Auch habe man schon Arbeit aus anderen Werken nach Aachen gegeben, es habe aber „keine Verbesserung der Gesamtsituation” gegeben, weswegen man nun das Traditionswerk schließen müsse. Das hört sich in einer internen Mail des Europachefs Anders Lindberg und des Mitglieds der deutschen Geschäftsführung Grego Peters völlig anders an.

Da ist die Rede von einem „sehr großen Auftragsbestand” und organisatorischen Veränderungen, die man anpacken müsse, um alles zu schaffen. Ausdrücklich wird betont, dass „bis auf Weiteres die bestehenden operativen Strukturen unverändert” blieben. Verfasst wurde diese Mail am 17. Oktober, also am Mittwoch.

Bereits am Dienstagabend allerdings war Betriebsratschef Kreutz angerufen worden - um ihn über die Schließungspläne zu informieren. Entsprechend war die Stimmungslage in der Belegschaft. Mitarbeiter Wolfgang Kessel brachte es stellvertretend für die anderen auf den Punkt: „Es tut furchtbar weh, dass man so beschissen wird.”

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