Aachen: Bombardier-Aus schockt Arbeiter

Aachen: Bombardier-Aus schockt Arbeiter

Mit heftigen Protesten hat die Belegschaft des Waggonherstellers Bombardier in Aachen Donnerstagmorgen auf Pläne des Konzerns reagiert, das hiesige Werk schließen zu wollen. Die Information war durchgesickert; schließlich eröffnete der Betriebsrat der Belegschaft die Absichten der Konzernleitung.

Der Sprecher des Berliner Unternehmens, Immo von Fallois, bestätigte gegenüber den „Nachrichten”, dass der Aachener Standort stillgelegt werden soll. In dem Werk sind rund 600 Menschen beschäftigt.

Der Konzern habe jetzt „über längere Zeit” mit einer zurückgehenden Auftragslage zu kämpfen, sagte Fallois. Der Aachener Standort sei einer von zehn in Deutschland und in seiner Ausgestaltung „vom Volumen her zu gering”. Auch sei man „lange Lieferant der niederländischen Bahn” gewesen. Das habe für den grenznahen Standort gesprochen. Die Aufträge aus den Niederlanden seien aber immer weniger geworden. In Aachen, so Fallois weiter, müsse man nun noch „zwei große Aufträge” abarbeiten, dann gebe es keine Anschluss-Order mehr.

Die Arbeitnehmervertreter, vor allem Betriebsratschef Josef Kreutz, reagierten mit Fassungslosigkeit und Unverständnis. Kreutz war eilig nach Aachen gereist. Vor allem angesichts der glänzenden Auslastung des Werkes vermuten die Gewerkschafter sachfremde konzerninterne Gründe hinter der Entscheidung. „Wir bauen gerade auf drei Schichten aus, um den Auftrag für die S-Bahn im Stuttgarter Raum, den Triebwagen ET 430, fertigzustellen.”

Die Aachener Niederlassung habe in der Vergangenheit regelmäßig Know how und Innovationen für den gesamten Bereich Schienenfahrzeuge geliefert. Das sei nun der Dank. Der Aachener IG-Metall Chef Franz-Peter Beckers griff den Konzernvorstand hart an: „Das ist dumm und unvernünftig.” Der Gewerkschafter forderte eine Rücknahme der Entscheidung und einen Zukunftsplan für den Standort Aachen.

Für Freitagvormittag hat NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider einen Besuch in dem Werk angekündigt. Er will bei der Betriebsversammlung mit den Beschäftigten über die Situation sprechen.

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