Heinsberg: Bluttat: Ein Angriff aus dem Nichts

Heinsberg: Bluttat: Ein Angriff aus dem Nichts

Eigentlich ist es eine ganz ruhige, beschauliche Gegend. Doch am Donnerstag eskalierte ein Streit in einem Mehrfamilienhaus an der Wurmstraße im Heinsberger Stadtteil Unterbruch. Das Resultat der Bluttat: ein Toter und vier verletzte Polizisten.

So soll sich die schreckliche Tat abgespielt haben: Vier Polizisten rücken an, um den Streit zwischen einem 35-jährigen Mann und seiner Nachbarin zu schlichten. Dem Vernehmen nach soll der Mann mit einer Eisenstange auf die Frau losgegangen sein. Als die Polizei eingreifen will, soll der 75-jährige Vater des Mannes unvermittelt auf die Polizisten eingestochen haben.

Ein Polizist schießt laut Staatsanwaltschaft einmal auf den Mann. Der 75-Jährige erliegt seinen Verletzungen, sein Sohn wurde von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Polizisten werden mit teils schwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Einer wird mit dem Hubschrauber ins Aachener Klinikum gebracht.

Die komplette Straße, an der sich der Tatort befindet, war am Donnerstag gesperrt. Dort ermittelten Staatsanwaltschaft und Mordkommission. Staatsanwalt Jost Schützeberg rechnet im Laufe des heutigen Tages mit weiteren Erkenntnissen.

Am Tatort war am Donnerstag kaum etwas zu erfahren — nur Gerüchte. Anwohner berichten von einem großen Polizeiaufgebot und vielen Rettungskräften. Niemand will die Beteiligten näher kennen. Nachbarn wollen mitbekommen haben, dass es in dem Mehrfamilienhaus schon mehrfach zu Streit gekommen sei. „Bei mir löst das Angst aus. Ich habe zwei Kinder und gehe oft an dem Haus vorbei“, sagte Anwohner Stephan Kühl.

Aktuell sind noch viele Fragen zum Tathergang offen: Was war der Auslöser des Streits? Was haben die Befragungen der Polizisten ergeben — falls sie schon stattgefunden haben? Und welche Rolle spielt die Frau? Ist sie Auslöserin des Streits oder Opfer? Schützeberg beantwortete die Fragen am Donnerstag nicht.

Auch noch Stunden nach der Tat war der Heinsberger Landrat Stephan Pusch erschüttert: „Ich war geschockt, als ich die Nachricht erhielt.“ Ein Toter und zwei schwer verletzte Polizisten seien eine bedrückende Bilanz eines Polizeieinsatzes, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Zum Glück habe sich bei einem der Polizisten der vermutete Lungenstich nicht als wahr herausgestellt. Auch der Zustand des Beamten, der mit dem Hubschrauber nach Aachen geflogen wurde, sei mittlerweile stabil.

Parallelen zu Tat in Laffeld

„Das war die Situation, die Polizisten am meisten fürchten“, sagt Pusch. Ein unvermittelter Gewaltausbruch sei nur schwer unter Kontrolle zu halten. Wirklich gegen die Folgen schützen könnten sich die Beamten kaum. „Der Respekt vor dem Mann in Uniform hat sehr nachgelassen. Ich weiß nicht, ob wir demnächst amerikanische Verhältnisse haben, wo sich erstmal alle auf den Boden legen müssen und der Polizist die Waffe zückt. Alles ist sehr traurig.“

Das dramatische Geschehen in Heinsberg-Unterbruch ruft unweigerlich Erinnerungen wach an einen Fall, der sich im September letzten Jahres im Heinsberger Ortsteil Laffeld ereignete. Auch damals kam es zu einem Polizeieinsatz mit fatalen Folgen, an dem vier Beamte beteiligt waren. Ein Mann hatte einen Notfall vorgetäuscht und die Polizei zu sich gerufen. Der Inhalt des Gespräches muss alarmierend genug gewesen sein, um zwei Streifenwagen nach Laffeld zu beordern.

Der Anrufer, ein 26-jähriger Mann, der sich allein in einem Einfamilienhaus befand, öffnete den Polizisten die Tür, worauf es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und den Beamten kam. Der Streit schaukelte sich derart hoch, dass der 26-Jährige die Beamten körperlich attackierte und diese sich mit Pfefferspray zur Wehr setzen mussten.

Der Mann habe zu einem Messer gegriffen und sei damit erneut auf die Polizisten losgegangen, sagte Schützeberg. Auch damals setzte ein Polizist seine Schusswaffe ein. Der 26-Jährige wurde dadurch schwer verletzt, überlebte aber. Bis zum heutigen Tag seien die Ermittlungen zu diesem Vorfall noch nicht abgeschlossen, erklärte Schützeberg am Donnerstag auf Nachfrage.

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