Lüttich: Blutbad auf Lütticher Weihnachtsmarkt: Viele Tote

Lüttich: Blutbad auf Lütticher Weihnachtsmarkt: Viele Tote

Mörderischer Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt von Lüttich: Ein bewaffneter Attentäter hat am Dienstag in der Innenstadt in eine Menge geschossen und Granaten geworfen. Er tötete bis zu fünf Menschen und verletzte über 120 weitere, bis er sich selbst das Leben nahm.

Gegen 12.30 Uhr hatte der 33-jährige Nordine A. auf dem zentralen Place Saint Lambert mit einem Sturmgewehr vom Dach einer Bäckerei aus das Feuer auf ein Buswartehäuschen eröffnet und etwa vier Sprengkörper geworfen. Auf dem benachbarten Weihnachtsmarkt brach eine Panik aus. Menschen flüchteten in Läden, deren Besitzer die Türen verrammelten. Die Polizei rief dazu auf, die Gebäude nicht zu verlassen.

Die Lütticher Innenstadt wurde abgesperrt, der Verkehr brach zusammen. Alle Einkaufszentren und Geschäfte wurden geschlossen. Im nahegelegenen Justizgebäude wurde ein medizinisches Notfalllager eingerichtet. Busse wurden angewiesen, das Stadtzentrum zu verlassen.

Belgische Medien hatten zunächst von mehreren Tätern und einer Verfolgungsjagd gesprochen. Es sei zu weiteren Schusswechseln mit der Polizei gekommen. Es wurde auch zeitweise spekuliert, dass ein Ausbruchsversuch aus dem Justizzentrum hinter dem Anschlag stecken soll.

Bei den Toten soll es sich um zwei Jungen im Alter von 15 und 17 Jahren, eine Frau von 75 Jahren und ein knapp zwei Jahre altes Baby handeln. Die belgische Zeitung „Le Soir” meldete am Dienstagabend in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf medizinische Quellen, im Krankenhaus sei auch ein 20-jähriger Mann seinen Verletzungen erlegen. Später hieß es dagegen, der Mann habe überlebt und sei in ein künstliches Koma versetzt worden.

Insgesamt wurden 123 Menschen verletzt, mindestens sieben davon schwer. Die Opfer, unter ihnen auch Kinder, wurden auf mehrere Lütticher Krankenhäuser verteilt. Einige Verletzte wurden zur Behandlung ins niederländische Maastricht gebracht. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden. Ein Großteil sei um die 20 Jahre alt.

Der Urheber ist ein wegen Waffenbesitzes verurteilter Mann. Das berichtete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Lütticher Justizkreise. 2008 sei er zu fast fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden wegen Waffenbesitzes und dem Anbau von Cannabis. Nachdem er auf dem Place Saint Lambert die Granaten vom Typ „Thunderflash” geworfen und um sich geschossen hatte, tötete er sich selbst mit einem Revolver. Der 33-Jährige war wegen seiner Gewaltdrohungen polizeibekannt, aber nicht wegen Terrorismus, erklärte die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders ausdrücklich. Der Mann lebte ganz in der Nähe des Tatortes.

Nach den blutigen Ereignissen herrschte in Belgien Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. und seine Frau den Tatort. „Das ganze Land teilt Ihren Schmerz”, sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt.

Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer „Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat.” Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

Mehr von Aachener Nachrichten