Themenforum: Gesprächs- und Veränderungsprozess im Bistum Aachen

Großes Themenforum am Samstag : Zukunft des Bistums steht zur Diskussion

In vielen Gesprächs- und Diskussionsformen sucht das Bistum Aachen derzeit seinen Weg in die Zukunft. Am Samstag, 29. Juli, gibt es dazu ein großes Forum in Aachen. Dabei werden auch Themen mit Zündstoff zur Sprache kommen.

„Wie nahe bleibt die Kirche in meinem Ort, in meinem Dorf, in meiner Pfarrei? Diese Frage ist am meisten mit Angst besetzt“ – eine Aussage des Aachener Bischofs Helmut Dieser im Interview mit unserer Zeitung vor drei Monaten. Sie bringt auf den Punkt, was derzeit im Bistum heftig diskutiert wird. Letztlich geht es darum, wie angesichts des Priestermangels die pfarrliche Struktur des Bistums in Zukunft aussehen wird und wie die Kirche dem Desinteresse und Weggang ihrer Mitglieder begegnen will. Darauf sucht das Bistum in dem von Dieser initiierten „Heute bei dir“-Prozess Antworten.

Dieser Gesprächs- und Veränderungsprozess im Aachener Bistum läuft derzeit auf Hochtouren. Seit November 2018 analysieren 13 „Teilprozessgruppen“, wie es in der hiesigen Diözese um Pastoral und Seelsorge, Caritas und Katechese, Jugendarbeit und Gottesdienste bestellt ist. Bevor diese Gruppen ihre Analysen bis Ende August jeweils in einem Abschlussbericht vorlegen, stellen sie erste Erkenntnisse in großen Themenforen vor.

Pro und kontra Wortgottesfeiern


Das dritte und letzte dieser Foren wird am kommenden Samstag, 29. Juni, von 10 bis 17 Uhr im Bischöflichen Pius-Gymnasium in Aachen (Eupener Straße 158) stattfinden. Dort wird es unter anderem um die „Vielfalt des gottesdienstlichen Lebens“ im Bistum gehen und damit um eine Frage, die in den letzten Monaten für erheblichen Zündstoff und heftige Diskussionen gesorgt hat. Insofern sind auch am Samstag durchaus Debatten zu erwarten, denn das Themenforum ist öffentlich; jeder Interessierte kann spontan daran teilnehmen und vor allem mitdiskutieren.

Im Kern dreht sich der Streit darum, in welchem Maße sich die Kirche im Bistum Aachen zukünftig auf von Priestern geleitete Messfeiern an zentralen Orten konzentriert. Viele engagierte Gläubige in den Pfarreien wünschen sich auch weiterhin Vielfalt und Nähe der Kirche vor Ort – mit von Laien und Ehrenamtlern organisierten sogenannten Wortgottesfeiern. Dieser sieht genau das eher skeptisch und hat davor gewarnt, zu sehr am Denken um den eigenen Kirchturm festzuhalten.

Die Themenforen sind dazu gedacht, den Teilprozessgruppen (TPG) zusätzliche Anregungen für ihre Abschlussberichte zu geben. Dass dies gelingt, davon sind zwei intensiv in solchen Gruppen Beteiligte überzeugt: Annika Fohn (32), die als Soziologin an der RWTH Aachen arbeitet, sowie David Hummel (38), Vater von drei Kindern und Lehrer am Berufskolleg in Alsdorf. Beider Gruppen haben ihre Inhalte im Mai auf einem Themenforum in Mönchengladbach vorgestellt. „Wir haben viel Resonanz bekommen“, sagt Fohn, „und vieles, was gesagt wurde, in unserem Bericht berücksichtigt“, ergänzt Hummel.

Seit mehr als einem halben Jahr treffen sich die beiden in ihren jeweiligen Gruppen – regelmäßig alle zwei bis drei Wochen, mindestens aber einmal im Monat, oft genug einen ganzen Tag lang. Sie wünschen sich eine Kirche, die vielfältig ist und bedingungslos Hilfe anbietet ohne missionarischen Hintergedanken. „Wenn die Kirche sich nicht verändert, wird ihr Veränderung aufgezwungen“, sagt Hummel. „Ich habe kaum noch Schüler, die mit der Kirche etwas anfangen können. Wenn nichts geschieht, werden wir immer kleiner.“ Ein konkretes Ziel verfolge er zumindest derzeit nicht. „Der Weg ist das Ziel.“

„Mein Ziel ist, dass mehr Menschen auch in meinem Alter in der Kirche mitmachen“, sagt Fohn. Auch sie setzt auf Bewegung im Bistum. „Und Bewegung ist da.“ Wie das Ergebnis des laufenden Prozesses und die künftige Struktur des Bistums aussehen werden, davon haben beide noch keine konkrete Vorstellung. Fohn: „Ja, es gibt Unsicherheit; aber Angst ist unbegründet.“ Die Kontroverse im Bistum um Dieser und dessen Positionen betrachten sie gelassen. Hummel: „Kritik ist gut; das muss so sein. Aber man darf nicht bei Kritik stehen bleiben.“

Mit den TPG-Abschlussberichten muss die Arbeit nicht beendet sein. Die Lenkungsgruppe des „Heute bei dir“-Prozesses, die Ergebnisse aus der Vielzahl von Gesprächs- und Diskussionsformaten zusammenfasst und schließlich dem Bischof Vorschläge für die Zukunft der Kirche im Bistum Aachen machen soll, wird die Abschlussberichte kommentieren und Dieser zuleiten. Auch die verschiedenen diözesanen Räte der Priester und Laien im Bistum werden Stellung nehmen.


Künftige Struktur des Bistums


Danach bleibt also womöglich noch einiges zu tun. Außerdem sollen ab Anfang 2020 in der zweiten Phase des Veränderungsprozesses aus den Analyse-Ergebnissen Konsequenzen und Konzepte entwickelt werden. Ob das auch in Teilprozessgruppen geschieht, ist noch offen. Das Bistum verspricht aber, dass jeder Interessierte sich beteiligen kann. Richtig ernst wird es dann in der dritten, der Umsetzungsphase des Prozesses. Denn dann geht es nicht zuletzt um die künftige Struktur des Bistums, um die Zukunft der Pfarreien, um Leitung und Synodalität und um die Vermögen einzelner Pfarreien.

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