Rolf-Peter Cremer wird neuer Dompropst in Aachen

Das Domkapitel hat gewählt : Rolf-Peter Cremer folgt auf Manfred von Holtum

Vor zweieinhalb Wochen wurde Manfred von Holtum als Aachener Dompropst verabschiedet. Den Nachfolger hat das Domkapitel bereits gewählt. Er kommt aus den eigenen Reihen.

Rolf-Peter Cremer gibt sich da ganz offenherzig und redet nicht drum herum: „Beworben hätte ich mich nicht.“ Aber nun wird er Aachener Dompropst und freut sich darauf. Seit acht Jahren ist er Mitglied des Domkapitels, künftig leitet er es. Das Domkapitel hat ihm zum Nachfolger von Manfred von Holtum gewählt. Bischof Helmut Dieser wird ihn am 7. September ins Amt einführen.

Er habe den Dompropst für sich gar nicht im Blick gehabt, sagt Cremer am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. „Denn wie soll das gehen bei all den Aufgaben, die ich schon habe?“ Cremer leitet seit 15 Jahren die Hauptabteilung Pastoral, Schule, Bildung im Generalvikariat. Er wird diese Funktion neben dem neuen Amt weiter ausüben; bis zum Herbst soll geklärt werden, wie und durch wen er dabei unterstützt wird. Zudem ist er seit 2007 stellvertretender Generalvikar des Bistums; und das soll er in jedem Fall und auf Dauer bleiben.

Seine Kollegen im Domkapitel sehen in den Doppelfunktionen offensichtlich kein Problem. „Wir haben überlegt, wer zur Verfügung steht; dann haben sie mich gebeten und überzeugt, es zu machen“, berichtet Cremer. Es kam demnach schon überraschend. Hier hat sich also kein Wunsch erfüllt, weil eben keiner vorhanden war. Cremer hat sich in die Pflicht nehmen lassen, will das selbst so aber wiederum auch nicht formulieren, weil es zu negativ klingt. „Ich freue mich auf das neue Amt; es ist auf jeden Fall eine schöne Aufgabe. Ich habe Spaß daran.“

Dass Dompropst zu werden, kein Ziel für ihn war, glaubt man Cremer. Er ist ein bodenständiger Mann, jemand, der auch deutliche Worte nicht scheut. Das hat er nicht zuletzt bewiesen, als er von 1993 bis 2002 Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) war. Hat ein Dompropst Macht? „Ja“, sagt Cremer ganz machtbewusst. Es komme aber darauf an, wie sie ausgeübt wird, zumal der Dompropst immer eingebunden sei in das Domkapitel.

Das Repräsentieren liegt ihm nicht unbedingt, darin soll sich seine Tätigkeit jedenfalls nicht erschöpfen – im Gegenteil: „Ich will noch mehr mit den gesellschaftlichen Kräften ins Gespräch kommen.“ Dazu habe ein Dompropst viele zusätzliche Gelegenheiten. Nicht zuletzt bieten sich über das Karlspreisdirektorium, dessen Geborenes Mitglied der Dompropst ist, weitere Möglichkeiten, politische Kontakte zu knüpfen.

Cremer, der 1983 zum Priester geweiht wurde, nennt vier Hauptaufgaben, die er vor sich sieht. Glaubwürdigkeit ist sein erstes Stichwort. „Wie stellen wir die lange Tradition des Doms heute glaubwürdig dar? Der Dom ist kein Hort der Glückse-
ligkeit, um den herum sich alles dramatisch verändert und nur in ihm bleibt alles beim Alten.“ Dazu gehört für ihn auch die Frage, die das Domkapitel aus kleinen Pfarreien hört, die nur noch an ganz wenigen Sonntagen im Jahr überhaupt einen Priester in ihrer Kirche sehen, während im Dom etliche Priester mehrere Messen an jedem Wochenende feiern. „Darauf müssen wir eine ehrliche, glaubwürdige Antwort geben.“

Als Wallfahrtsleiter blickt Cremer zweitens auf die Heiligtumsfahrt 2021 – „für mich ein großes Glaubensfest“. Dann nennt der die wirtschaftliche Situation als nie endende Herausforderung; denn der Dom ist ein teures Vergnügen und dauerhaft auf Spenden angewiesen. Schließlich fragt er sich, „wie in einigen Jahren die pastorale Landschaft im Bistum Aachen aussehen wird. Welche Aufgabe hat da der Dom, wie öffnen wir ihn jungen Leuten, die weniger Bezug zur Kirche haben? 1,2 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr den Dom. Wie begegnen wir denen?“

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