Rolf-Peter Cremer ist neuer Dompropst im Aachener Dom

Neuer Aachener Dompropst : Aufbruch im Dom, in der Kirche, mit den Menschen

Feierliches Pontifikalamt im Aachener Dom: Rolf-Peter Cremer (62) hat am Samstag das Amt des Dompropstes übernommen. Bischof Helmut Dieser überreichte ihm die Ernennungsurkunde. In seiner ersten Predigt im neuen Amt präsentierte sich Cremer als traditionsbewusst und weltzugewandt.

Freudige Erwartung und gelassene Stimmung im Aachener Dom, aber Rolf-Peter Cremer spricht von Spannung. Er empfindet beides – das Gelöste und das Gespannte – nicht als Gegensatz, sondern als die Situation, in der sich seine Kirche befindet. An diesem Samstagvormittag tritt er sein Amt als Dompropst an. Er freut sich; zugleich macht er sich und seinen zahlreichen Zuhörern nichts vor: „Der Dom ist keine Insel der Glückseligkeit, an die die Frage nach Glaubwürdigkeit, nach Offenheit, nach Klerikalismus, die Frage nach dem Umgang mit Macht, mit Machtkontrolle, die Frage nach Gleichberechtigung von Frauen und Männern nicht gestellt werden.“

Der 62-jährige Cremer ist Nachfolger des Ende Juni aus dem Amt geschiedenen Manfred von Holtum. Seine ersten Worte als neuer Aachener Dompropst an die Gemeinde im Dom sind die Worte des Refrains aus dem Wallfahrtslied zur Heiligtumsfahrt 2014: „Den Aufbruch wagen, auf Gott vertrauen, neue Wege gehen, auf sein Wort bauen...“ Daraus zieht er seine Zuversicht.

Er steht am Altar jenes Bauwerks, das „zunächst kein Bild eines immer sich neu verändernden Organismus zu sein“ scheine. Cremer sieht sich in der „Spannung zwischen Bestehendem und dem Aufbruch“, in einer Kirche, in der immer wieder die Frage erörtert werde, „ob Neuanfänge, Neugründungen, Experimente zukunftsweisend sind oder ob wir uns nicht mehr auf die Tradition, das, was das Christliche, das Katholische angeblich ausmacht, konzentrieren oder sogar zurückziehen sollten“.

Das kennzeichnet seine erste Predigt und die Auffassung, die er von seinem neuen Amt hat: das Bewusstsein von der Halt gebenden Kontinuität, die der Dom symbolisiert, und das Wissen eines weltzugewandten Priesters im Jahr 2019, der seinen eigenen neuen Aufbruch in den Zusammenhang stellt mit den Aufbrüchen anderer, mit den alltäglichen von Kindern, für die ein neues Schuljahr beginnt, mit den dramatischen von Menschen, die in der hiesigen Region von Umsiedlung betroffen sind, mit den existenziellen von Flüchtlingen, „die ihr Land verlassen, die vor Krieg, Unterdrückung, Verfolgung, Not und Elend fliehen und in Europa ihre einzige Überlebensperspektive sehen“.

Cremer beschreibt seinen Dom als einen besonderen Ort, um Menschen „mit Gott und damit mit sich selbst und ihrer Umgebung in Verbindung zu bringen“. Er weiß, was auf ihn zukommt: „Wir können nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass die langjährige Tradition der Verknüpfung und Verbindung mit dem Aachener Dom auch auf die jungen Leute von 2019 übertragbar ist. Wie kann uns das mit ansprechenden Inhalten und guter Sprache gelingen?“ Er kennt seine und die Verantwortung des Domkapitels: „Offenheit und Weitsicht, Hören auf die Situation der Menschen und ihre persönlichen Auseinandersetzungen mit Glauben, mit Sexualität, mit Kirche“.

So hat Bischof Helmut Dieser, der Cremer zu Beginn des Gottesdienstes die Ernennungsurkunde überreicht hat, den neuen Dompropst bereits charakterisiert: „Er hat das Ganze im Blick.“ Cremer sei jetzt im Domkapitel „kein Vorsitzender, sondern ein Vorgehender, ein fragender Mensch, eifrig, treu, zuverlässig“. Dieser nennt den Dompropst „im besten Sinne ordentlich“. Wo er sei, „entstehen gute, lebensfähige Ordnungen“.

Cremer selbst erinnert zum Schluss seiner Predigt an den im Juni gestorbenen Domkapitular Heiner Schmitz: „Er lächelt jetzt im Himmel und sagt uns: Leute, für unseren Aachener Dom lohnt es sich.“

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