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Erzbistum Köln: Missbrauchsopfer äußern sich positiv über Visitatoren

Erzbistum Köln : Missbrauchsopfer äußern sich positiv über Visitatoren

Die Bevollmächtigten des Papstes haben ihre Untersuchung im Erzbistum Köln begonnen. Als erstes sprachen sie am Dienstag mit den Opfern sexuellen Missbrauchs - und erwiesen sich als gute Zuhörer.

Opfer sexuellen Missbrauchs sind am Dienstag die ersten Gesprächspartner der Apostolischen Visitatoren von Papst Franziskus im Erzbistum Köln gewesen. Die Betroffenen äußerten sich anschließend positiv über den Kontakt mit Bischof Hans van den Hende aus Rotterdam und Kardinal Anders Arborelius aus Stockholm. Die beiden Gesandten untersuchen derzeit die Ursachen der schweren Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum.

Am Dienstag hörten sie sowohl derzeitigen als auch früheren Mitgliedern des Betroffenenbeirats zu. Einige Betroffene hatten den Beirat aus Protest gegen Kardinal Rainer Maria Woelki verlassen. Ex-Beiratsmitglied Patrick Bauer beschrieb die Visitatoren in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ als „wahnsinnig empathisch und uns zugewandt“.

Sie hätten einfach nur zugehört, was die Missbrauchsopfer zu erzählen gehabt hätten, und ein Notar habe ihre Aussagen protokolliert. Bauer war Anfang der 80er Jahre als Internatsschüler am Bonner Aloisiuskolleg von einem Jesuitenpater sexuell missbraucht worden.

Auch das aktuelle Beiratsmitglied Peter Bringmann-Henselder äußerte sich nach seinem Gespräch mit den Visitatoren zufrieden. Sie hätten Fragen gestellt, vor allem aber zugehört. „Es war nicht so, wie man es jetzt in den Medien gehört hat, dass sie kommen und richten. Die informieren sich, was ist und was nicht ist.“

Bringmann-Henselder, der als Heimkind in Köln missbraucht und schwer misshandelt worden war, sprach sich gegen Bischofsrücktritte aus: „Den Betroffenen bringt es wenig, wenn Bischöfe oder Kardinäle, die Verantwortung hatten und haben, jetzt ihren Rücktritt erklären und sich somit der Verantwortung entziehen“, teilte er mit. „Damit lassen sie erneut die Betroffenen im Regen stehen.“

Stattdessen erwarte man von den Bischöfen, „endlich dazu zu stehen, dass sie in der Vergangenheit in erster Linie bemüht waren, die Institution katholische Kirche zu schützen.“ Nach dem Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals Reinhard Marx in der vergangenen Woche waren auch gegen Woelki erneut Rücktrittsforderungen erhoben worden.

Die Krise im Erzbistum Köln hatte sich unter anderem daran entzündet, dass Woelki ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern lange zurückgehalten hatte. Die beiden Visitatoren sollen am Ende ihrer Untersuchungen einen vertraulichen Bericht für Papst Franziskus erstellen. Davon könnte abhängen, ob Woelki im Amt bleibt oder nicht.

(dpa)