Zukunft von Frauen in kirchlichen Weihämtern: Helmut Diesers Platz bei Diskussionsrunde bleibt leer

Zukunft von Frauen in kirchlichen Weihämtern : Helmut Diesers Platz bei Diskussionsrunde bleibt leer

Ein Stuhl blieb leer auf dem Podium im Forum der Katholischen Hochschule (Katho) NRW in Aachen. Dort sollte eigentlich Bischof Helmut Dieser Platz nehmen, um über den Zugang von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern zu diskutieren.

Der Diözesanverband Aachen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hatte Dieser für Freitagabend dazu eingeladen. Auf dem Podium diskutierten Margit Eckholt, Professorin für Theologie an der Uni Osnabrück, Marianne Genenger-Stricker, Professorin für soziale Arbeit an der Katho, und Irmtraud Kobusch vom Netzwerk „Diakonat der Frau“ unter dem Titel „Macht Kirche zukunftsfähig“ – dann eben ohne Dieser.

Der Bischof hatte abgelehnt – zunächst mit dem Hinweis auf dringlichere Themen, wie zum Beispiel den Dialogprozess „Heute bei Dir“. „Auf unsere erneute Bitte, wenigstens einen Stellvertreter zu schicken, antwortete er in einem zweiten Brief, dass er aus kirchenpolitischen Gründen nicht teilnehmen wolle und deshalb auch keinen Vertreter schicken würde“, berichtete Annette Diesler, geistliche Leiterin im kfd-Diözesanverband und Moderatorin des Abends.

Dass Dieser den weiblichen Griff zu allen Ämtern in der katholischen Kirche nicht unterstützt, spürten die kfd-Frauen im Vorfeld der Podiumsdiskussion auch auf anderem Weg: Ein fertig produzierter Radiobeitrag über die Veranstaltung für die kirchlich finanzierte Sendung „Himmel und Erde“ beim Mönchengladbacher Lokalsender „Radio 90,1“ durfte nicht gesendet werden. „Der Beitragsvorschlag des freien Mitarbeiters entsprach nicht der redaktionellen Zielrichtung dieses Sendeformats“, teilte Bistumssprecher Stefan Wieland auf Anfrage mit.

Völlig unverständlich für Podiumsgäste und Plenum, in dem sich längst nicht nur kfd-Mitglieder, sondern vielfältiges Kirchenvolk eingefunden hatte. „Wir stehen am Wendepunkt. Wenn Kirche in Zukunft bestehen soll, und zwar nicht als Ideologie, sondern als gelebte Botschaft Jesu Christi, wird das nur gehen, wenn wir endlich gehört werden“, sagte Genenger-Stricker. Kobusch werde jedes Mal wütend, wenn Geistliche ihr sagten, die Frauen sollten doch nicht nach der Weihe schielen. Es gebe doch so viele andere Leitungspositionen in Kirche. „Aber es gibt Frauen, die den Ruf Gottes nach dem Diakonat spüren, bei denen die Berufung brennt. Der Kirche geht ein großer Schatz an Begabung und Berufung verloren, wenn sie Frauen ausschließt.“

Eckholt zeigte noch einmal, dass Frauen im Diakonatsamt theologisch und historisch gut begründbar sind. Bereits die Würzburger Synode stellte das 1975 fest. „Jetzt müssen die Ortskirchen, die nationalen Bischofskonferenzen, den Mut haben, damit anzufangen.“

Genenger-Stricker wünschte sich mehr Widerstand der Laien: „Wie Co-Abhängige bei Suchtkranken halten wir das System aufrecht. Die Ergebnisse des Dialogprozesses hier, des synodalen Prozesses in Deutschland kennen wir. Wir brauchen endlich Konsequenzen.“

Kobusch plädierte indes: „Bei der über 1000jährigen Deformierung der Kirche durch das Patriachat brauchen wir Zorn und Ungeduld, aber auch Durchhaltevermögen.“ Bald findet der Kirchenstreik „Maria 2.0“ statt. Münsteraner Katholikinnen rufen vom 11. bis 18. Mai dazu auf, kein kirchliches Ehrenamt zu bedienen und kein Gotteshaus zu betreten.

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