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Keine Stellungnahme: Erzbistum Köln droht Pfarrer nach Kritik an Kardinal Woelki

Keine Stellungnahme : Erzbistum Köln droht Pfarrer nach Kritik an Kardinal Woelki

Der Kölner Kardinal Woelki steht seit Monaten wegen seines Verhaltens in der Missbrauchskrise in der Kritik. Auch andere Bischöfe haben sich von ihm distanziert. Einem Pfarrer, der öffentlich Position bezog, drohen jetzt Konsequenzen.

Das Erzbistum Köln hat einem Pfarrer nach Kritik an Kardinal Rainer Maria Woelki mit Konsequenzen gedroht. Pfarrer Klaus Koltermann aus Dormagen hatte Woelki vorgeworfen, jede „Glaubwürdigkeit verspielt“ zu haben. Woelki wird seit Monaten auch von anderen katholischen Bischöfen massiv kritisiert, weil er ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten zurückhält. Dafür führt er rechtliche Bedenken an.

Nach seiner Kritik erhielt Koltermann einen zweiseitigen Brief vom Generalvikariat des Erzbistums, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Darin schreibt Personalchef Mike Kolb: „Ich weise Dich darauf hin, dass Deine im Zeitungsartikel beschriebenen Äußerungen sowie entsprechende öffentliche Stellungnahmen - soweit zutreffend - möglicherweise schwerwiegende Verstöße gegen Deine Dienstpflichten als leitender Pfarrer darstellen (...) Diese Äußerungen können Maßnahmen nach sich ziehen.“

Ein „öffentliches Eintreten gegen die Katholische Kirche, das Erzbistum Köln oder dessen Amtsträger“ sei mit den „Loyalitätsobliegenheiten“ eines Pfarrers nicht vereinbar. Koltermann wird eine Frist bis zum 8. Januar gesetzt, um eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte in seiner Samstagsausgabe zuvor darüber berichtet.

Pfarrer Koltermann führt in seiner Antwort an Kolb aus, der Beweggrund für seine Kritik sei die „Unruhe treuester Katholiken“ hinsichtlich des Auftretens von Woelki in der Missbrauchskrise. Sein Gewissen habe ihn dazu gebracht, in dieser zentralen Frage Position zu beziehen. „Bekanntlich lehrt unsere Kirche, dass jede und jeder unbedingt seinem Gewissen zu folgen hat“, so Koltermann.

Das Erzbistum Köln teilte auf Anfrage mit, „personal- und dienstrechtliche Fragen“ würden grundsätzlich nicht kommentiert.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ solidarisierte sich mit dem Dormagener Pfarrer. „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner verwies darauf, dass auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx das Verhalten Woelkis als „verheerend“ bezeichnet hatte. Es könne nicht sein, dass Koltermann wegen seiner Kritik an der Person Woelki vorgeworfen werde, gegen die katholische Kirche zu agieren. „Kritik an der Leitung wird in autoritären und diktatorischen Staaten mit Kritik am System gleichgesetzt und strafrechtlich verfolgt“, so Weisner. Die Kölner Kirchenführung wolle „mit Gewalt jeden Widerspruch niederwalzen“.

Woelki will am 18. März ein neues Gutachten zum Umgang des Erzbistums mit Missbrauchsvorwürfen vorstellen lassen. Das erste, nicht veröffentlichte Gutachten urteilt unter anderem kritisch über den heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße, früher Personalchef in Köln. Heße bestreitet die Vorwürfe.

(dpa)