Aachen: Bewerberrekord: Ansturm auf die Polizei in NRW

Aachen : Bewerberrekord: Ansturm auf die Polizei in NRW

Die Zahlen sprechen für sich. Rund 11.200 junge Männer und Frauen haben sich für eine Ausbildung im Polizeidienst beworben — erneut ein Rekord, wie das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der NRW-Polizei (LAFP) feststellt.

Die Bewerberzahlen konnten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Und nichts deutet darauf hin, dass dieser Trend in absehbarer Zeit gestoppt wird. Das ist bemerkenswert auch vor dem Hintergrund, dass die hohe Belastung von jungen Polizistinnen und Polizisten zuletzt immer wieder ein großes Thema war. Die zahlreichen Überstunden sind nur ein Teil des Problems, auch von mangelndem Respekt gegenüber Ordnungskräften bis hin zu körperlichen Angriffen ist die Rede. Warum also ist der Polizeiberuf bei jungen Leuten in NRW augenscheinlich trotzdem so begehrt?

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht einen Mix aus mehreren Gründen dafür verantwortlich. Der Bundesvorsitzende Arnold Plickert nennt die länderübergreifende Werbung, die weitgehende Jobgarantie und die gute Bezahlung. Tatsächlich verdient ein Polizist in Ostdeutschland bei weitem nicht so viel wie ein Beamter in NRW. Dies führe dazu, dass sich auch etliche Kandidaten aus anderen Bundesländern im Westen der Republik bewürben.

Mittlerer Dienst abgeschafft

Dass NRW den mittleren Dienst bei der Polizei 2001 abgeschafft hat, spielt mit Sicherheit auch eine Rolle. Heute wird der gehobenen Polizeivollzugsdienst in einem dreijährigen dualen Bachelorstudium ausgebildet. Wer dann noch den höheren Dienst anstrebt, setzt ein Masterstudium obendrauf.

Doch auch hier gilt: Geld ist nicht alles. Diese Erfahrung hat jedenfalls René Maaßen gemacht. Der 43-jährige Polizeihauptkommissar ist im zweiten Jahr Personalwerber im Polizeipräsidium Aachen. Auch hier beobachtet man seit Jahren steigende Bewerberzahlen. Konkret: 2012 gab es 229 Bewerbungen aus der Städteregion Aachen, für den Ausbildungsjahrgang 2018 sind es 420. Die Zahl der Bewerbungen aus dem Kreis Düren stieg in diesem Zeitraum von 98 auf 148, die aus dem Kreis Heinsberg von 135 auf 175. Die Polizei in NRW kann die hohen Bewerberzahlen gut gebrauchen, denn die Landesregierung will die Mannschaftsstärken schrittweise erhöhen. Jahr für Jahr sollen bis 2022 rund 2300 Polizisten eingestellt werden.

Die meisten Bewerber sind gut geeignet

„Die allermeisten der Bewerber sind gut geeignet“, sagt Maaßen. Denn: „Sie haben eine Idee, eine Vorstellung von ihrem zukünftigen Beruf.“ Und diese Vorstellung beinhalte eben nicht in erster Linie das Gehalt oder den sicheren Arbeitsplatz, sondern ein „Wertekonzept“, wie es Maaßen nennt, das sich bei der viel zitierten Generation Z, also den nach 1995 Geborenen, die aktuell vor allem zu den Bewerbern gehören, verändert habe. „Wir haben den Eindruck, dass für diese jungen Menschen altruistische Aspekte, also die Vorstellung, anderen helfen zu können, eine größere Rolle spielen.“ Der Personalwerber spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „Wertewandel“.

Wer in NRW Polizist werden will, muss bestimmte Anforderungen erfüllen, die genau definiert sind. Schon der dreitägige Einstellungstest — an zwei Tagen zentral in Münster und mit dem abschließenden Assessment Center für die Bewerber aus unserer Region in Linnich — ist nicht ohne. Maaßen empfiehlt, sich genau zu informieren. Unter www.genau-mein-fall.de etwa ist alles Wissenswerte zusammengefasst.

Wer den Einstellungstest und dann auch die Ausbildung erfolgreich absolviert, dem verspricht der Aachener Personalwerber vor allem eins: „einen Beruf, der mit Sicherheit niemals langweilig wird.“

Mehr von Aachener Nachrichten