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„Talentschulen“ in NRW: Beste Bildung für benachteiligte Kinder

„Talentschulen“ in NRW : Beste Bildung für benachteiligte Kinder

Viel hilft viel, behauptet der Volksmund. Funktioniert das auch mit vielen Lehrern für viel mehr Bildungsgerechtigkeit? „Talentschulen“ sollen das in NRW erproben.

Das Ruhrgebiet wird zum Reallabor für einen Schulversuch, ob mehr Lehrer und mehr Geld tatsächlich auch mehr Bildungsgerechtigkeit für sozial benachteiligte Kinder bringen. Auch in der zweiten Bewilligungsrunde für die neuen „Talentschulen“ in Nordrhein-Westfalen habe sich das Ruhrgebiet als Förderschwerpunkt herauskristallisiert, berichtete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in Düsseldorf.

Eine unabhängige Jury hat aus 98 Bewerbungen landesweit 25 Schulen aus schwierigem Umfeld ausgewählt, die zum kommenden Schuljahr mit zusätzlichen Ressourcen und einem neuen Förderkonzept an den Start gehen. Die ersten 35 Talentschulen hatten bereits in diesem Schuljahr begonnen - rund zwei Drittel von ihnen im Ruhrgebiet.

Die Schulen erhalten einen Lehrerstellen-Zuschlag von 20 Prozent auf den Grundbedarf und jährlich 2500 Euro extra zur Fortbildung. Für das Modellprojekt sollen insgesamt 315 Lehrerstellen an weiterführenden allgemeinbildenden und 100 Stellen an berufsbildenden Schulen bereitgestellt werden. Allerdings seien die Stellen nicht in allen Regierungsbezirken zu 100 Prozent verfügbar, räumte die Ministerin ein.

„Kinder aus gut gestellten Familien mit hoch gebildeten Eltern haben es in der Schule leichter und sind erfolgreicher“, stellte sie fest. Die Nachteile für die anderen Kinder müssten ausgeglichen werden. Bislang sei allerdings wissenschaftlich noch nicht erwiesen, ob ein höherer Einsatz von Ressourcen den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufbrechen könne. Mit den Talentschulen soll das erprobt und begutachtet werden.

Ausgewählt wurden sie von einer unabhängigen Jury. Der Vorsitzende Ewald Terhard, Professor für Schulpädagogik an der Universität Münster, berichtete von einem bedrückenden Befund: Unter den Bewerbern seien auch offensichtlich bedürftige Schulen gewesen, denen aber „Voraussetzungen fehlen, dass Schule sich entwickeln kann“. Aus einigen Anträgen habe „Hilflosigkeit“ gesprochen.

Allerdings bedeute dies nicht, dass an Schulen mit schwachen Anträgen schlechte Arbeit geleistet werde, betonte Gebauer. „Wir haben die Schulen im Blick.“ Das nützt den Betroffenen aus Sicht der Grünen wenig. Sie stellten eine offizielle Anfrage an die Landesregierung: „Welche Unterstützung können die Verlierer im Wettbewerb von Ministerin Gebauer erwarten?“

Alle Talentschulen mussten ein Konzept für ein zusätzliches Förderangebot vorlegen: etwa im Bereich Sprache, kulturelle Bildung, Mathematik/Informatik/Naturwissenschaft/Technik, mehr praktisches Arbeiten oder eine ausdifferenzierte Berufsorientierung. Die Forderung der SPD-Opposition, das Programm für alle 1000 Schulen in NRW aufzulegen, die in ihrem Einzugsbereich besonders mit niedrigem Einkommen und hoher Migrationsrate in den Familien konfrontiert seien, bezeichnete die Ministerin als realitätsfern. „Das ist ein Schulversuch. Da startet man erstmal klein.“

(dpa)