Brüssel: Belgischer Bischof gesteht sexuellen Missbrauch und tritt zurück

Brüssel: Belgischer Bischof gesteht sexuellen Missbrauch und tritt zurück

Der belgische Bischof Roger Vangheluwe (73) ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen zurückgetreten. Papst Benedikt XVI. nahm den Amtsverzicht des Bischofs von Brügge an, wie in Rom und Brüssel am Freitag mitgeteilt wurde.

In einer zugleich veröffentlichten Erklärung räumt Vangheluwe ein, das aus seiner engeren Umgebung stammende Opfer schon in seiner Zeit als Priester und auch „eine gewisse Zeit” als Bischof sexuell missbraucht zu haben.

Vangheluwe ist damit seit Beginn der jüngsten Missbrauchskrise der erste, der sexuellen Missbrauch im Bischofsamt zugegeben hat. Bischofskonferenz-Sprecher Eric de Beukelaer sprach von einem „schwarzen Tag für die Kirche in Belgien”.

Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Andre-Joseph Leonard, nannte Vangheluwes Rücktritt aus Respekt für das Opfer und für die Wahrheit unabdingbar. Der Vorsitzende der Missbrauchs-Kommission der belgischen Kirche, Peter Adriaenssens, sagte, Vangheluwe sei erst unter Druck zurückgetreten. Am Dienstag hätten sich Familienmitglieder des Opfers an die belgischen Bischöfe gewendet. Diese hätten sofort reagiert.

Leonard fügte hinzu, wäre Vangheluwe jetzt nicht zurückgetreten, hätten die belgischen Bischöfe beim Vatikan seine Amtsenthebung gefordert. Er erklärte, die Bischöfe wollten „die nicht zu lange zurückliegende Epoche beenden, in der in der Kirche und anderenorts Schweigen und Vertuschen als Lösung vorgezogen wurden”. Der zurückgetretene Bischof Vangheluwe ließ erklären, er habe sich mehrfach bei dem Opfer und seiner Familie entschuldigt. Dies habe die Situation indes nicht beruhigt und das Opfer sei bis heute traumatisiert. Der Medienansturm der vergangenen Wochen habe die Situation verschärft. Er bedauere zutiefst, was er getan habe und entschuldige sich bei dem „Opfer, seiner Familie, der ganzen katholischen Gemeinde und der Gesellschaft insgesamt”.

Nach Adriaenssens Angaben möchte Vangheluwes Opfer nicht identifiziert werden. Er könne aber sagen, dass das Opfer zunächst als Minderjähriger und zudem „über Jahre, in mehreren Phasen seiner Lebensentwicklung, missbraucht” worden sei. Dies habe große Folgen auch für seine Entwicklung als Erwachsener gehabt. Über Jahre hinweg habe das Opfer sich nicht getraut, sich an die zuständigen Stellen zu wenden.

Der in der Belgischen Bischofskonferenz für Missbrauchsfälle zuständige Bischof Guy Harpigny erklärte, zu Monatsanfang sei es auf Wunsch der Familie zu einem Treffen zwischen dem emeritierten Brüsseler Kardinal Godfried Danneels und der Familie sowie Vangheluwe gekommen. Dabei sei klar geworden, dass die zurückliegenden Ereignisse weiter gravierende Folgen für die Familie hätten und weitere Schritte nötig seien. Vangheluwe wurde 1936 in Roeselare geboren. 1963 wurde er zum Priester geweiht. Er lehrte anschließend Theologie am Priesterseminar in Brügge. Seit 1984 leitete er das Bistum. In der Belgischen Bischofskonferenz war er unter anderem für die karitative Arbeit der katholischen Kirche zuständig.