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Belgien macht dicht: Trotz hartem Lockdown bleibt der „Kuschelkontakt“ erlaubt

Belgien macht dicht : Trotz hartem Lockdown bleibt der „Kuschelkontakt“ erlaubt

Wegen dramatisch gestiegener Corona-Infektionszahlen gelten in Belgien seit Montag neue Regeln zur Pandemiebekämpfung. Die meisten Geschäfte müssen wieder schließen, Bars und Restaurants sind ohnehin schon zu.

Lediglich die Abholung und Hauslieferung vorbestellter Waren ist noch möglich. Um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, dürfen auch in Supermärkten nur noch Waren des täglichen Bedarf angeboten werden. Die Schließung von Kneipen, Restaurants und Cafés sowie nächtliche Ausgangssperren waren bereits Mitte Oktober beschlossen worden.

Die Maßnahmen sollen nach Angaben der Regierung für einen Zeitraum von eineinhalb Monaten bis einschließlich Sonntag, den 13. Dezember, gelten. Die Notwendigkeit der Geschäftsschließungen wird allerdings am 1. Dezember noch einmal geprüft.

An den Schulen werden die derzeitigen Herbstferien mindestens bis Mitte November verlängert. Die Hochschulen sollen bis mindestens 1. Dezember nur per Fernunterricht unterrichten.

Doch auch wenn Abstandhalten das Gebot der Stunde ist, erobert ein Wort über Nähe die Herzen der Menschen außerhalb des Landes: Die Belgierinnen und Belgier dürfen bis Mitte Dezember weiter einen „Knuffelcontact“ zu Hause empfangen, wie die Regierung mitteilte. Dieser Person darf man ganz normal ohne Abstandsregeln begegnen – also sind auch Händeschütteln, Umarmungen, Küsschen und alle anderen physischen Kontakte erlaubt.

Auf niederländisch bedeutet „knuffelen“ so viel wie drücken oder schmusen. Im deutschsprachigen Ostbelgien wird deswegen einfach von Kuschelkontakten gesprochen.

Auch an Singles wurde gedacht: Sie dürfen noch einen zweiten „Knuffelcontact“ haben – allerdings nicht beide gleichzeitig einladen, wie die Regierung betonte. Für viele Nutzerinnen und Nutzer in den Sozialen Medien ist der „Knuffelcontact“ schon jetzt das Wort des Jahres.

Belgien zählt zu den am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Ländern Europas. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes meldeten zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt knapp 15.600 registrierte Fälle pro Tag. Pro 100.000 Einwohner wurden nach EU-Vergleichszahlen in den vergangenen 14 Tagen rund 1700 Infektionen gemeldet, in Deutschland waren es zum Beispiel nur 206.

(dpa)