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Juden als Ungeziefer dargestellt: Entsetzen über judenfeindliche Darstellungen in belgischem Karneval

Juden als Ungeziefer dargestellt : Entsetzen über judenfeindliche Darstellungen in belgischem Karneval

Judenfeindliche Darstellungen beim Karneval im belgischen Aalst haben scharfe Kritik ausgelöst. In dem traditionellen Karnevalszug am Sonntag waren unter anderem Juden als Ungeziefer dargestellt. Andere Verkleidete liefen in NS-Uniformen mit.

Die wiederholten antijüdischen Darstellungen lösten weltweit Protest und Unverständnis aus. Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, verurteilte die Schau. Tradition und Satire dürfe nicht entmenschlichen, schrieb Mijatovic am Dienstag auf Twitter.

„Rassistische und antisemitische Darstellungen und andere hasserfüllte Darstellungsweisen sollten in #AalstCarnival keinen Platz haben.“ Sie forderte Belgien auf, eine starke Haltung einzunehmen, damit solche Veranstaltungen Vorurteile und Stereotype nicht verstärkten.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Racist and antisemitic displays and other hateful representations should have no place in <a href="https://twitter.com/hashtag/AalstCarnival?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#AalstCarnival</a>. Tradition and satire do not need to dehumanise others. <a href="https://twitter.com/hashtag/Belgium?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Belgium</a> should take a strong stance to ensure such events do not reinforce prejudice and stereotypes.</p>&mdash; Commissioner for Human Rights (@CommissionerHR) <a href="https://twitter.com/CommissionerHR/status/1232263962185674752?ref_src=twsrc%5Etfw">February 25, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Nicht zum ersten Mal waren in Aalst Karnevalisten als orthodoxe Juden verkleidet, zudem waren unter anderem Karikaturen orthodoxer Juden mit Goldbarren zu sehen. Gleich mehrere Gruppen im Zug hatten sich als Juden kostümiert, darunter in Form menschlicher Insekten. Im nationalsozialistischen Deutschland waren Juden von der Propaganda immer wieder als Ungeziefer diffamiert worden. Andere jüdische Figuren waren in rollende Schießbuden gesteckt worden, mehrere Wagen stellten die Klagemauer von Jerusalem in unterschiedlichem Zusammenhang dar.

Schon im vergangenen Jahr gab es massive Kritik an der Parade. Wegen wiederkehrender rassistischer und judenfeindlicher Darstellungen wurde dem Aalster Karneval 2019 sein Status als Weltkulturerbe aberkannt. So waren im Jahr 2013 Karnevalisten in SS-Uniformen mitmarschiert. Auch in diesem Jahr waren wieder Kostümierte in schwarzen Nazi-Uniformen im Zug zu sehen, sie sollten die Unesco als Gestapo verhöhnen.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Nazi officers marching in Belgium again: Happy Carnival from Aalst! <a href="https://t.co/sKCAvyzlaq">pic.twitter.com/sKCAvyzlaq</a></p>&mdash; Raphael Ahren (@RaphaelAhren) <a href="https://twitter.com/RaphaelAhren/status/1231573224737165314?ref_src=twsrc%5Etfw">February 23, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die judenfeindlichen Darstellungen sind auch auf Kritik der EU-Kommission gestoßen. Solche Bilder sollten 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht gezeigt werden, erklärten Kommissionssprecher am Montag in Brüssel. Es sei aber Aufgabe der belgischen Behörden, gegebenenfalls dagegen vorzugehen. „Rechtlich können wir nicht aktiv werden“, sagte Behördensprecherin Dana Spinant. „Politisch ist unsere Position sehr klar.“

Zuvor hatten der israelische Außenminister Israel Katz und einige Europaabgeordnete sich gegen antisemitische und andere Hassbotschaften beim Karneval von Aalst ausgesprochen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Empörung über Juden-Darstellungen in belgischem Karneval

(dpa)