Köln: Bei den Kölner Lichtern wird Feuer an den Himmel gemalt

Köln : Bei den Kölner Lichtern wird Feuer an den Himmel gemalt

Die ausufernde Wasserfarbmalerei seiner Enkel hat Georg Alef inspiriert. Der Cheffeuerwerker der Kölner Lichter will es ihnen am übernächsten Wochenende für Hunderttausende Zuschauer gleichtun. Wie die Kinder vom Blatt Papier auf die Tapete an der Wand abschweiften, will er vom glitzernden Rhein auf den dunklen Nachthimmel überschwenken und ein immer größeres Feuergemälde schaffen — synchron zur Musik, wie es bei den Kölner Lichtern Tradition hat.

Zum 18. Mal findet am Samstag das spektakuläre Feuerwerk in Köln statt, das jedes Mal Hunderttausende Menschen in die Stadt zieht. „Die Kölner Lichter werden volljährig“, sagte Veranstalter Werner Nolden. Und trotz der Volljährigkeit ist das Motto ein spielerisches: „Paintings — die Feuermaler von Köln“.

Das knapp eine halbe Stunde dauernde Hauptfeuerwerk beginnt um 23.30 Uhr. Die Zuschauer werden durch verschiedene Kunstepochen vom Impressionismus über Pop-Art bis hin zum Surrealismus geführt. Passend dazu gibt es Musik: diesmal überwiegend aus der Klassik.

Klassische Musik und Malerei

Sieben Musiktitel stehen unter dem Titel „Paintings“ auf der Liste. Sie sollen die Charakteristika der jeweiligen Kunstrichtung unterstreichen. Für den Surrealismus beispielsweise will Alef zu „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky komplett jede Symmetrie vergessen.

Und auch wenn sie stets zu besonders lautem „Aaaahs“ und „Oooohs“ führen: Alef verzichtet diesmal auf die Herzfeuerwerke am Himmel. Nichtmal im Liebesteil der Zwischenmusik von Georges Bizet soll es sie zu sehen geben. Alef: „Herzen habe ich all die Jahre schon genug gemacht.“ Eine besondere Bedeutung hat natürlich ein Kunstwerk aus Köln. „Mein liebster Platz ist im Dom vor dem Richter-Fenster. Ich habe lange darin etwas Gegenständliches gesucht, bis ich begriffen habe, dass es das da nicht gibt.“

Die Tribünenkarten sind lange ausverkauft, vereinzelt gibt es noch Schiffskarten, aber eigentlich sind die Kölner Lichter stets ein Volksfest. Kölner und Touristen bringen sich Picknick mit und schauen sich vom Rheinufer aus das Feuerwerk an. Der Kölner befolgt meist eine Regel: Man bleibt auf der Rheinseite, auf der man wohnt — oder zumindest auf der, an der man schon nachmittags ist. Am späten Abend ist der Andrang an Menschen so groß, dass es sehr lange dauert und lästig ist, über die Brücken noch auf die „richtige“ oder die Schäl Sick zu kommen.

Wer kein eigenes Picknick mitbringt, kann sich entlang der Rheinpromenade an Essens- und Getränkeständen versorgen. Tipp: einen Platz in der Nähe einer der Lautsprecher suchen, über die die Begleitmusik abgespielt wird. Jeder kann sich die Musik aber auch selbst über das Radio oder sein Smartphone auf Radio Köln anhören, der WDR überträgt das Spektakel im TV.

Wer sich nicht schon den ganzen Nachmittag am Rhein aufhalten will, hat meist an der Bastei auch spät noch gute Chancen auf einen Platz. Die Kölner Lichter sind zwischen der Zoobrücke und der Hohenzollernbrücke zu sehen. Das Feuerwerk wird gegen 23.30 Uhr vor dem Tanzbrunnen gezündet, wo zuvor ab 20.15 Uhr Programm stattfindet. Guildo Horn tritt dort mit seiner Band auf.

Der Veranstalter empfiehlt, sich ab 20 Uhr an dem Ort einzufinden, an dem man das Spektakel sehen möchte. In der Stadt wird es etliche Sperrungen geben. Sperrungen betreffen unter anderem auch die Deutzer Brücke, die Zoo- und Hohenzollernbrücke. Das soll vor Überfüllung schützen.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe lassen in der Nacht zum 22. Juli fast alle Bahnen bis 2.45 Uhr in engem Takt rollen und setzen viele Gelenkbusse ein. Nolden bittet um gegenseitige Rücksichtnahme: „Passen Sie auf sich und andere auf. Etwa, wenn jemand bei der Bahn über die Kupplung steigen will, oder eine Ampel nicht versteht.“

Weniger Parkplätze wegen Konzerts

Eng wird es auch, weil am gleichen Abend in der Kölnarena in Deutz das Konzert von Superstar Justin Timberlake stattfindet. Es werden 8000 Fans erwartet. In Deutz ballt sich also das Publikum, das einerseits in die Arena, andererseits zum Tanzbrunnen oder zum Jugendpark möchte, um dort das Feuerwerk zu sehen.

Gut möglich auch, dass die Konzertbesucher nach dem Auftritt Timberlakes noch die Kölner Lichter sehen wollen. Dann könnte es noch mal enger werden. Wegen des Konzerts kommen am Samstag nur Konzertbesucher in die Parkhäuser der Arena. Parkmöglichkeiten gibt es an der Messe (P22 und das Parkhaus an der Zoobrücke).

Zum Sicherheitskonzept gehört auch, dass Sicherheitskräfte darauf achten, dass Besucher nichts Sperriges oder Gefährliches mitbringen. „An jedem Durchschlupf stehen welche. Jedes Mauseloch hat eine Nummer. Das Sicherheitskonzept füllt eine DVD“, sagt Nolden. Dirk Schmaul vom Ordnungsamt kündigt den Einsatz von mehr als 40 städtischen Ordnungskräften an.

Sie sollen auf Jugendschutz achten und gegen Wildpinkler vorgehen sowie Rettungswege freiräumen. Der Rheinboulevard ist sicherheitshalber gesperrt. „Von da sieht man wegen der Schiffe und der Hohenzollernbrücke ohnehin nichts“, sagt Nolden.

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