Bahn: Baustellen für den Rhein-Ruhr-Express (RRX)

Aachen: Die RRX-Baustellen und der Poker um die richtige Bahnverbindung

Im Viertelstundentakt soll ab 2020 der Rhein-Ruhr-Express (RRX) der Deutschen Bahn die Großstädte Köln und Dortmund miteinander verbinden. Davon sollen vor allem Pendler aus der Region profitieren, die etwa in Düsseldorf, Köln oder Mönchengladbach arbeiten. Sie sollen dadurch zeitlich flexibler werden. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

Momentan zählt Geduld vor Schnelligkeit, denn bis der neue Fahrkomfort eintritt, dauert es noch einige Jahre. Und bis es soweit ist, müssen sich Pendler vor allem mit einem beschäftigen: Baustellen. Aktuell ist auf der Strecke von Aachen Richtung Rheydt deshalb schon in Geilenkirchen Schluss. Dort wird eifrig an den Bahnsteigen gearbeitet, die sind nämlich zu kurz für den neuen RRX.

„Eigentlich kann man der Bahn nicht viel vorwerfen“, sagt Thomas Klein. Er ist einer von Tausenden betroffenen Pendlern. „Schon bevor die Bauarbeiten begonnen hatten, konnte man das ganze Material an den Schienen entlang verteilt sehen. Die Vorbereitung waren sehr akribisch. Man konnte sehen, dass alles getan wurde, damit an Tag X losgelegt werden konnte.“ Er sei gewiss kein Bahngegner oder Meckerer, sagt er. Trotzdem gäbe es einige Dinge, die dringend verbessert werden müssten. „Ich selbst habe nicht so viele Probleme gehabt, schließlich fahre ich die Strecke schon einige Jahre und kenne die meisten Bahnhöfe bereits“, sagt der 44-Jährige.

Andere Bahnreisende aber schon. „Ich habe selbst schon oft mitbekommen, wie ratlos einige an den Bahnhöfen stehen und nicht genau wissen, wohin sie für ihren Zug oder Bus müssen.“ In einigen Situationen konnte er helfen, in manchen aber auch nicht. „Da wurde aus den Ansagen überhaupt nicht klar, wo denn der Zug einfährt. Ich konnte dann noch schnell das Gleis wechseln. Eine Mutter mit ihrem Kinderwagen hatte es nicht mehr so schnell geschafft. Und das ist doch Mist, wenn man wegen so etwas seinen Zug verpasst.“ Die Ansagen seien das eine, das andere eine unkenntliche oder gar komplett fehlende Markierung für den Schienenersatzverkehr (SEV). „Da gibt es dringenden Handlungsbedarf von Seiten der Bahn. Das kann so nicht sein. Eine klare Beschilderung ist ja schließlich nicht zu viel verlangt.“

Fast auf sich allein gestellt

Tatsächlich ist man als Fahrgast fast auf sich allein gestellt, auch in Geilenkirchen. Nach Verlassen des Zuges ist es zwar kein Problem, den Weg zum SEV zu finden — schließlich sind es nur wenige Meter bis zu den Haltestellen der Busse. Dort dann den richtigen zu erwischen ist allerdings gar nicht mehr so einfach und vergleichbar mit einem Pokerspiel. Etwa zehn Busse warten dort auf die Fahrgäste — teils Ersatzverkehr, teils normale Verbindungen. Viele Fahrgäste schaffen es nur mit Glück in den richtigen Bus. „Es sollten mehr Bahn-Mitarbeiter vor Ort sein“, sagt Klein. „Das würde nicht nur denen helfen, die nicht regelmäßig mit dem Zug unterwegs sind, sondern auch das positive Bild der Bauarbeiten abrunden.“ Mit mangelndem Service mache sich das Unternehmen den Eindruck kaputt, den er von den eigentlichen Bauarbeiten habe. „Natürlich wäre das viel Arbeit, aber das würde sich auch für die Bahn lohnen. Damit könnten sie ihr Image deutlich verbessern.“

Die Bahn sieht sich da allerdings schon ausreichend aufgestellt: „Reisendenlenker sind in Geilenkirchen, Erkelenz und Rheydt vor Ort im Einsatz, um die Kunden zu unterstützen“, heißt es auf Anfrage, „nach Hinweisen von unseren Kunden haben wir die Reisendenlenker auch ermächtigt, Busse bis zu zehn Minuten warten zu lassen, um den Anschluss zwischen Zug und Bus zu ermöglichen.“ Reisendenlenker, das sind Menschen, die den Bahnkunden vor Ort die richtigen Verbindungen zeigen.Das habe Klein bei seinen tagtäglichen Fahrten bis jetzt aber nur einmal erlebt. „Das ist noch ausbaufähig“, sagt er.

Natürlich führe er auch Gespräche mit anderen Pendlern oder Freunden, die von den Baustellen betroffen sind, sagt Klein. „Da bestätigt sich mein Eindruck oft: Es ist gut organisiert, aber es gibt halt auch ein paar Mängel vor Ort.“

Die Bauarbeiten an der hochfrequentierten Strecke sind die größten an ihr seit Jahren. Insgesamt neun Stationen sind auf der Strecke betroffen. Für etwa 19 Millionen Euro werden 4,5 Kilometer Bahnsteigkante gebaut, erweitert oder erneuert. Außerdem errichtet die Deutsche Bahn 15 neue Wetterschutzhäuser und -dächer. In Geilenkirchen werden zum Beispiel alle drei Bahngleise auf eine Länge von 220 Meter verlängert, damit der neue Zug dort halten kann. Sie werden aufgrund momentan fehlender Barrierefreiheit ebenfalls um 40 Zentimeter angehoben. Zusätzlich werden Aufzüge gebaut.

Bauarbeiten gehen weiter

Nach der ersten Bauphase, die am 27. August endet, sollen die Züge auf der Strecke eine Station weiter als Geilenkirchen fahren können. Der SEV wird dann ab Lindern auf die Fahrgäste warten. Und der soll dann genauso gut verlaufen wie jetzt: „Der Schienenersatzverkehr mit Bussen kann leider nie so schnell und komfortabel sein, wie der Zug. Für die Fahrgäste ist der Schienenersatzverkehr mit einer Fahrzeitverlängerung verbunden“, heißt es von der Bahn. „Deshalb bündelt die DB Baumaßnahmen und optimiert Bauabläufe, um die Einschränkungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten. Bislang läuft der Schienenersatzverkehr weitestgehend stabil.“ Deswegen habe man die Bauarbeiten auch in die Sommerferien gelegt. Ob die Probleme nach Ende der Ferien häufiger werden, könne man von Seiten der Bahn nicht einschätzen.

Denn auch nach Ende der zweiten Bauphase am 3. September wird es weitere Bauarbeiten in Hückelhoven-Baal geben. Dann werden dort, aber auch in Geilenkirchen, bis Mitte Oktober keine Züge halten können. Und der Poker um den richtigen Zug und SEV geht von vorne los.

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