Köln: Bahn-Bauarbeiten: Ein Mega-Zug für die Mammut-Baustelle

Köln : Bahn-Bauarbeiten: Ein Mega-Zug für die Mammut-Baustelle

Es läuft wie am Fließband. Vorne liegen alte Gleise, dreckiger Schotter und dunkelgraue Schwellen. Und ach 700 Metern Gleisumbauzug blenden die neuen, hellgrauen Betonschwellen fast in der Sonne, der Schotter ist gereinigt, die Schienen erneuert.

Der Spezialzug, weltweit einmalig, ist eine Fabrik auf Schienen. Das Besondere: er kann gleichzeitig die Gleise austauschen und den Schotter säubern. „Das ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit”, sagt Jürgen Elsen, zuständiger Bauüberwacher von der Deutschen Bahn. „Die Maschine läuft wie ein Uhrwerk.” Ein für diese Arbeit schnelles Uhrwerk. 180 Meter pro Stunde schafft er, in den sechs Wochen der Bauarbeiten sind es 22 Kilometer. Da könnten Straßenbauer nur neidisch werden, sagt er.

Insgesamt werden auf rund 22 Kilometern Länge Gleise, Schotter und Schwellen erneuert. Foto: Oliver Berg/dpa

Arbeiten, die Reisende und Pendler nur aus den vorbeirauschenden Zügen mitbekommen. Sie müssen sechs Wochen lang große Einschränkungen hinnehmen, da sich Fern- und Regionalverkehr die Gleise mit der S-Bahn teilen. Die meisten seien jedoch gut informiert, sagt ein Bahn-Sprecher am Rande der Baustelle. Es habe vergleichsweise wenige Beschwerden gegeben.

700 Meter lang ist der Gleisbauzug, der momentan zwischen Köln und Düsseldorf die Gleise erneuert. Foto: Oliver Berg/dpa

Dem stimmt der Fahrgastverband Pro Bahn zu. Der Ersatzfahrplan sei bislang gut eingehalten worden. „Die härtere Hälfte beginnt aber erst”, sagte Lothar Ebbers von Pro Bahn. Im zweiten Bauabschnitt fällt der Regionalexpress 5 von Köln bis Düsseldorf komplett aus, der RE 1 fährt deutlich später. „Das kostet viele Anschlussverbindungen.”

Das weiß auch Michael Kuhn. Der 26-Jährige pendelt täglich zwischen Düsseldorf und Bonn. Pro Strecke braucht er aktuell etwa 20 Minuten länger - wenn alles glatt geht. Seit der RE zwischen Köln und Düsseldorf ausfällt, hat er am Kölner Hauptbahnhof nur noch 9 Minuten Zeit zum Umsteigen. „Das kann bei der regelmäßigen Verspätung von fünf Minuten schon knapp werden”, sagt er. Immerhin habe sich die Kommunikation im Vergleich zu früheren Baustellen verbessert. „Wer sich nicht übers Internet informiert, hat jedoch das Nachsehen.” Das treffe vor allem ältere Reisende.

Die Züge, die sich die S-Bahn-Gleise teilen, rasen mit bis zu 120 Stundenkilometern an der Baustelle vorbei. Es riecht nach Diesel und öligen Schmierstoffen, Motoren rattern. 27 Gleisbauer arbeiten in dieser eigenen kleinen Welt mit Büro und fahrender Werkstatt, in der im laufenden Betrieb repariert wird. Der Gleisumbauzug ist in ganz Europa im Einsatz, nach der Mammut-Baustelle in NRW erneuert er Gleise in Luxemburg und danach im niedersächsischen Bad Pyrmont.

Ganz vorne fährt der Gleisumbauzug auf den alten Schienen, die er anhebt und später auf der Seite ablegt. Dahinter graben sich schwere Metallgreifer tief in den Schotter, um die alten, grauen Schwellen aufzunehmen und eine Etage nach oben zu bringen. Ein Portalkran, der auf dem Zug selbst hin- und herfährt, transportiert die alten Schwellen ab und liefert die neuen. Über Förderbänder donnert der alte Schotter nach hinten, wo er gereinigt und mit neuem Schotter gemischt wird. Der Spezialzug setzt die neuen Schwellen auf den jetzt gereinigten Schotter, kurz dahinter werden darauf die neuen Gleise verlegt. Der Rest des Zuges fährt auf diesen erneuerten Schienen.

Voraussichtlich von Pfingstsamstag, den 19. Mai, an können auch wieder reguläre Züge die erneuerte Strecke befahren. Bis dahin brauchen Michael Kuhn und die vielen anderen Pendler noch Geduld.

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