Trockenphase macht Ärger: Bäume sind im Klimastress

Trockenphase macht Ärger : Bäume sind im Klimastress

Stürme, Trockenheit, Borkenkäfer. 2018 war ein stressiges Jahr für den Wald in Deutschland. Zum Tag des Baumes (25. April) deutet sich an, dass es in diesem Jahr noch schlimmer wird.

In Regionen mit großen Fichtenwäldern wird eine extreme Borkenkäferplage erwartet, die alle bisherigen übersteigen könnte. Während die Forstämter längst im Wettlauf gegen den Schädling sind, kommt aus Nordrhein-Westfalen eine weitere besorgniserregende Nachricht: In zumindest einem Forstamt ist die Buche krank. Und das, obwohl NRW zu den Bundesländern gehört, in denen die Buchen als besonders vital gelten.

Nach den Berechnungen von Klimaforschern gibt es künftig häufiger extreme Dürren wie 2018. Die Schäden solcher Jahre zeigen sich schon jetzt: Viele neu gepflanzte Bäume haben nicht mal den Winter überlebt, sie sind vertrocknet, wie die Sprecherin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Sabine Krömer-Butz, berichtet. „Darum werden wir in Zukunft schon im März viele Pflanzungen durchführen und am Tag des Baumes dann vielleicht eine symbolische Aktion machen.“

Unterdessen verschafft sich der Landesbetrieb Wald und Holz NRW landesweit einen Überblick über das Ausmaß der Buchenerkrankung - und befürchtet in Erinnerung an das extreme Trockenjahr 1992 Schlimmes. Auch damals litten die Buchen an einem Schleimfluss am Stamm. Die Folge war eine Buchensterbewelle über sechs Jahre hinweg.

Dazu kommt aktuell aber noch die Pfennigkohlenkruste in der Krone: „Wenn der Wassergehalt in der Rinde unter ein gewisses Level sinkt, werden diese Pilze in der Rinde angeschaltet und zersetzen den Ast“, erklärt der Baumschutzexperte des Landesbetriebs, Mathias Niesar. Ganze Bäume könnten so absterben.

„Es gibt, glaube ich, ganz wenige unserer Hauptbaumarten, die nicht irgendein Problem mit der Trockenheit und mit der Widerstandsfähigkeit gegen Schaderreger haben“, sagt der Leiter des bundesweit zuständigen Thünen-Instituts für Waldökosysteme, Andreas Bolte. Gemessen an der Schadmenge von über 30 Millionen Festmetern im vergangenen Jahr - etwa der Hälfte des jährlichen Einschlags - sei die Fichte das „Riesenproblem“. Aber es könnte noch schlimmer kommen.

„In der Forstwirtschaft gibt es ganz große Befürchtungen, dass 2019 ein Borkenkäfer-Schadjahr sein kann, das wir so noch nicht gesehen haben“, sagt Bolte: „Die erwachsenen Borkenkäfer befallen einen Baum. Der Baum wehrt sich dadurch, dass er versucht, den Käfer mit Harz zu ertränken“, erklärt Waldökologe.

Ist es aber zu trocken oder gibt es zu viele Käfer, schaffen es selbst wenig gestresste Bäume nicht, sich zu wehren. Der Käfer legt Eier ab, aus denen sich Larven entwickeln. „Zwei Generationen sind bei geringerer Käferdichte einigermaßen verkraftbar“, sagt Bolte. Im letzten Jahr gab es aber in vielen Regionen drei Generationen und außerdem haben viele Käfer den milden Winter überlebt.

Es gebe keine bundesweite Prognose zur Schadensentwicklung durch den Borkenkäfer, stellt Bolte fest. „Aber nach den Meldungen, die man hat, gibt es bestimmte Regionen, wo man jetzt schon sagen kann, dass große Schäden auftreten.“ Darunter seien Harz, Fichtelgebirge, Bayerischer Wald, Hessisches Mittelgebirge, teilweise auch Rheinland-Pfalz, Schwarzwald, aber auch Sachsen und Nordrhein-Westfalen - also die Regionen mit einem hohen Fichtenwaldanteil.

Bei über zwei Millionen Privatwaldbesitzern, denen die Hälfte des Waldes in Deutschland gehöre, sei ein Gesamtüberblick schwierig. Das Thünen-Institut für Waldökosysteme will testen, was Satelliten leisten können. Die neue Generation mit einer sehr hohen Auflösung könnte möglicherweise Schadensnester automatisiert erkennen und quantifizieren. „Wir wollen schauen, inwieweit wir diese Technik einsetzen können, um deutschlandweit kurzfristige Aussagen zu Schäden zu bekommen“, sagt Bolte.

Der Wald wird sich ändern, sind sich die Fachleute einig. Er sei in Deutschland relativ artenarm, stellt der Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Christoph Rullmann, fest. Relevant seien bisher nur 15 Baumarten. Wichtig sei die Entwicklung hin zu artenreichen Mischwäldern, in denen Bäume an Standorten gesetzt werden, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Damit werde das Risiko in Schadenssituationen verteilt.

(dpa)
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