Aachen: AVV erhöht die Preise: Von „kostendeckend“ noch weit entfernt

Aachen : AVV erhöht die Preise: Von „kostendeckend“ noch weit entfernt

„The same procedure as last year“ würde Butler James feststellen, frei übersetzt: „Alle Jahre wieder.“ Auch das nächste Jahr beginnt beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) wie gehabt: mit „moderaten Preissteigerungen“ bei Bussen und Bahnen in der Städteregion Aachen und in den Kreisen Düren und Heinsberg.

„Moderat“ bedeutet in Zahlen: Während die Preise im Bar­tarif bei Einzel-, Vier-Fahrten- und Tagestickets um durchschnittlich 1,9 Prozent steigen, werden die Zeitkarten um durchschnittlich 2,17 Prozent teurer. Das war tendenziell auch schon in den vergangenen Jahren so und könnte beim einen oder anderen Kunden die Frage aufwerfen, warum der AVV ausgerechnet seine treuesten Fahrgäste wieder am stärksten zur Kasse bittet.

Das Ende der Fahnenstange

„Machen wir ja gar nicht“, stellt AVV-Sprecher Markus Vogten klar und weist darauf hin, dass in früheren Jahren die Erhöhungen bei den Barzahlern stärker ausgefallen seien. Hier sehe man allerdings inzwischen das Ende der Fahnenstan­ge erreicht. Wenn man auch künftig noch den einen oder anderen „Gelegenheitsfahrer“ in den Bus locken wolle, könne man nicht weiter an der Preisschraube drehen.

Dass überhaupt schon wieder eine „Preisanpassung“ notwendig ist, begründet der AVV mit steigenden Kosten (vor allem beim Personal), der fortschreitenden Digitalisierung mit Investitionen in moderne Informationstechnologien und der geplanten Einführung des elektronischen Ticketings.

Von einem kostendeckenden Betrieb sei man aber voraussichtlich auch im nächsten Jahr noch weit entfernt. Der kommunale Anteil an den Betriebskosten liege zum Beispiel bei der Aachener Aseag unverändert bei fast 40 Prozent. Und das, obwohl die Fahrgastzahlen in diesem Jahr weiter nach oben gegangen sind. Nach 104 Millionen verkauften AVV-Tickets im Jahr 2015 und 107,7 Millionen im vergangenen Jahr.

Was auf den ersten Blick positiv scheint, nämlich steigende Fahrgastzahlen, werde zum Problem, wenn die vorhandenen Kapazitäten in Spitzenzeiten nicht mehr ausreichen und man weitere Busse auf die Straße schicken müsse, sagt Markus Vogten. Dann würde der Betrieb trotz der höheren Einnahmen doch wieder teurer.

Weshalb auch das aktuelle Stichwort „Dieselfahrverbot“ beim AVV nicht nur erwartungsfrohes Händereiben auslöst. Wenn alle Dieselfahrer plötzlich mit ihrem Pkw nicht mehr in die Stadt fahren dürfen, könnte es in vielen Bussen ziemlich voll und ungemütlich werden. Dass von einem Fahrverbot auch der ÖPNV selbst betroffen sein könnte, befürchtet Markus Vogten dagegen nicht. „Unsere Busse haben fast alle die Schadstoffklasse Euro 6.“

Die gute Nachricht zum Schluss: AVV-Kunden können bereits im Vorverkauf erworbene Fahrscheine wie zum Beispiel Vier-Fahrten- oder Minigruppen-Tickets noch drei Monate nach Inkrafttreten des neuen Tarifs ohne Zuzahlung nutzen. Ab dem 1. April muss dann ein Zusatzticket gekauft werden.