Aachen: Automatisch Einparken per App: Pilotprojekt mit dem e.Go

Aachen : Automatisch Einparken per App: Pilotprojekt mit dem e.Go

Ein paar Zahlen vor dem Einsteigen. Park- und Rangierunfälle machen 40 Prozent aller Pkw-Unfälle mit Sachschaden an. Die Suche nach Parkplätzen ist für rund 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs zuständig. Im Schnitt dauert so eine Stellplatz-Recherche zehn Minuten und verursacht einen CO2-Ausstoß von 1,3 Kilogramm.

Parken kostet Zeit, Nerven und führt regelmäßig auch zu Beulen. Entwickler arbeiten daran, solchen Stress zu mindern. Die Lösung, an der Hunderte Ingenieure basteln, heißt: selbstständiges Parken, in der Sprache der Entwickler: Automated Valet Parking.

Vor ein paar Monaten startete die weltweit erste infrastrukturgestützte Parklösung am Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Die Firma Bosch rüstete das Parkhaus mit der entsprechenden Infrastruktur aus, Pilotpartner war — wenig überraschend — die Marke mit dem Stern. Die Firmen wollen Erfahrungen sammeln, wie das fahrerlose Parken funktioniert.

Das nächste Projekt wird noch in diesem Jahr in Aachen gestartet, das gerade fertiggestellte neue Parkhaus auf dem RWTH-Campus, direkt am Cluster Produktionstechnik wird mit Sensoren ausgestattet. Projektpartner von Bosch ist diesmal der Fahrzeughersteller e.Go. Die Stuttgarter liefern den Aachener bereits den Antrieb für das Elektroauto, das in diesem Jahr auf dem Markt kommt.

In Aachen soll das selbstständige Parken mit bis zu zwölf der kleinen Stadtflitzer realisiert werden. Natürlich soll Projekt auch einen Werbeeffekt auslösen. Mit dem neuen System könne man „bis zu 50 Prozent mehr Fahrzeuge in einem existierenden Parkhaus unterbringen“, sagt Günter Schuh, der CEO (Vorstandsvorsitzende) von e.Go. Ein Dutzend Fahrzeuge lassen sich auf einer Fläche unterbringen, die sonst nur für acht ausreicht.

Die Autos gehören zum Fuhrpark des Unternehmens und stehen Mitarbeitern für Dienstfahrten sowie zur Vorführung des automatisierten Einpark- und Vorfahrservices zur Verfügung. Um den zuverlässigen Betrieb der Fahrzeug- und Parkhaustechnik zu bewerten, wollen Bosch und e.GO von Anfang an den TÜV und lokale Behörden in ihre Zusammenarbeit einbeziehen.

Smartphone-App

Michael Riesener leitet die Forschungsabteilung und den Vorbereitungsbereich bei e.Go. Er vermutet, dass „es mittelfristig diese Technologie in vielen Parkhäusern geben wird und immer mehr Fahrzeuge die softwaremäßigen Voraussetzungen“ haben werden. Das Szenario: Die Wagenlenker geben in einer definierten Ausstiegszone ihr Fahrzeug ab, nach einem Klick auf die Smartphone-App steuert es die freie Lücke an.

Selbstständig findet das Auto im smarten Parkhaus auch den Weg zurück. Das System startet das Auto und lenkt es in die „Einstiegszone“, wo es der Besitzer in Empfang nimmt. Diese Zone liegt bislang bei den Modellprojekten im Erdgeschoss des Parkhauses. Perspektivisch, so sagt es Jörn Ebberg, Sprecher für Automatisierte Mobilität bei Bosch, könnte diese Zone auch weiter entfernt vom Parkhaus eingerichtet werden, so dass ein Einkaufsbummel nicht mehr in einem Parkhaus, sondern direkt in der Innenstadt beginnen könnte.

Parkhäuser lassen sich nachrüsten mit der Technik, auf die Betreiber kämen anfänglich voraussichtlich sechsstellige Summen zu. Im Gegenzug erhöht sich ihre Kapazität bis zu 20 Prozent, weil die Autos dichter nebeneinander stehen könnten, wenn niemand mehr aussteigen muss. Und vermutlich fällt für das autonome entspannte Parken eine Servicegebühr an. Weitere Dienstleistungen sind denkbar — etwa ein Abstecher in eine Waschstraße oder zur Tankstelle. Oder beteiligte Einzelhändler laden gekaufte Ware direkt in den Kofferraum im Parkhaus ein.

Das autonome Parken in einem Parkhaus, sagt Ebberg, das sei die Königsdisziplin beim automatisierten Fahren. Lösungen für das Einparken gibt es längst in anderen Bereichen. Autos lenken, überwacht von ihren Fahrern, inzwischen selbstständig in die Parklücken ein. Bosch bietet Autofahrern eine Plattform, die auf Parklücken hinweist. Selbst im Vorbeifahren können Autos mit Ultraschallsensoren freie Flächen ermitteln. Erstellt wird eine digitale Parkplatzkarte.

„Homezone Parkassistent“

Eine andere Idee ist der „Homezone Parkassistent“, der voraussichtlich 2019 serienreif ist. Mit ihm lernt das intelligente Fahrzeug, immer dieselben kleinen Strecken selbstständig bis zur immer gleichen Parkbucht zurückzulegen — zum Beispiel die letzten Meter bis zur eigenen Garage.

Die Abläufe in einem Parkhaus sind komplexer. Im Stuttgarter Modell herrscht „Mischverkehr“. Autonome treffen auf bemannte Fahrzeuge, Passanten kreuzen, der Alltag stellt technische Herausforderungen, die die fahrerlosen Autos lösen müssen, die mit einer maximalen Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern unterwegs sind. Es ist wieder ein Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren. Möglich wird das fahrerlose Parken mit Hilfe der intelligenten Infrastruktur: Sensoren überwachen im Parkhaus den Fahrkorridor und dessen Umfeld und steuern das Fahrzeug.

Die Technik im Wagen setzt die Erkenntnisse in Fahrmanöver um und stoppt das Auto rechtzeitig. Später sollen Kameras die Aufgabe der Sensoren übernehmen. Erst in etwa zehn Jahren, so schätzt es Ebberg, könnten Wagen seriell so mit Sensoren und Technik ausgestattet sein, dass sie sich alleine im Parkhaus abstellen. Entwickler sind ungeduldig, und so verkürzt die intelligente Infrastruktur die Wartezeit.

„Selbst Parken ist ein Auslaufmodell. Das Auto kann mit entsprechender Technik viel besser einparken und erspart uns Autofahrern viel Zeit und Stress“, sagt Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Es wird so kommen, das steht fest. Offen ist nur, wann der Parkstress vorbei ist.

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