Wegen Krebspest: Aussetzaktionen helfen bedrohten Edelkrebsbeständen in NRW

Wegen Krebspest : Aussetzaktionen helfen bedrohten Edelkrebsbeständen in NRW

Seit vielen Jahren haben sich amerikanische Flusskrebse in den Gewässern Nordrhein-Westfalens breit gemacht. Das Problem: Sie übertragen die Krebspest, eine für die einheimischen Stein- und Edelkrebse tödliche Pilzinfektion.

Im „Edelkrebsprojekt NRW“ kämpfen Naturschützer schon seit 2003 um den Erhalt der heimischen Arten. Sie informieren etwa auf Messen Angler oder Wassersportler darüber, wie sie die Verbreitung der Pilzsporen verhindern können. Und sie setzen bis zu sechs Mal im Jahr Krebse in Flüssen und Seen aus, in denen sich die Einwanderer aus Übersee noch nicht breit gemacht haben.

„Die meisten Aussetzaktionen sind erfolgreich“, berichtet Projektleiter Harald Groß auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. So seien etwa vor zwei Jahren in der Fürwiggetalsperre im Sauerland 2000 junge Edelkrebse ausgesetzt worden. Bei einer Kontrolle ein Jahr später seien noch viele Krebse nachgewiesen worden. „Wenn wir solche Aktionen noch mehrere Jahre machen, dann haben wir die Bestandssituation beim Edelkrebs wieder verbessert“, sagt der Biologe. Derzeit gebe es noch mehr als 70 Vorkommen in Nordrhein-Westfalen. „Ziel ist es, den Edelkrebs-Bestand zu halten.“

Anders sieht es beim Steinkrebs aus. „,Dramatisch’ ist untertrieben“, bewertet Groß die Situation bei dieser Flusskrebsart. In NRW gebe es nur noch ein einziges festes Steinkrebs-Vorkommen. Es liegt im Siebengebirge bei Bonn. An vier weiteren Orten im Siebengebirge und in der Eifel seien zuletzt gezüchtete Jungkrebse ausgesetzt worden. Die Biologen schauen nun, ob sich die Tiere dort halten.

Die so genannte Krebspest wird von amerikanischen Arten wie Kamberkrebs oder Signalkrebs übertragen, die selbst weitgehend immun gegen diese Infektion sind. Die heimischen Krebse verfügen über keine effektiven Abwehrmechanismen und sterben. Zudem vermehren sich die Einwanderer schneller und sind Umwelteinflüssen gegenüber toleranter - sie verdrängen die einheimischen Krebse.

Die amerikanischen Flusskrebse werden den sogenannten Neobiota zugerechnet. Das sind Tier- oder Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern erst durch den Einfluss des Menschen zu uns gekommen sind. Unter den Neobiota gibt es einige, die problematisch für Natur oder Mensch sind: die invasiven Arten.

Der Kamberkrebs beispielsweise wurde vor rund 100 Jahren von einer Einzelperson ausgesetzt - und ist heute eine NRW-weite Bedrohung. „Damals meinte man noch, das bereichert die Natur“, so Groß. Weitere Arten gelangten aus Schweden oder durch den Aquarienhandel in hiesige Gewässer. Dies führte dazu, dass es heute zwei heimische Krebsarten in NRW gibt - und sechs nicht-heimische.

Jedoch haben nicht alle Neobiota solch negative Auswirkungen wie die eingeschleppten Flusskrebse. „Nicht alle sind gefährlich“, sagt Wilhelm Deitermann vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Neobiota werden vom LANUV genau beobachtet. Ergibt sich eine Veränderung, Verdrängung oder gar ein Risiko für den Menschen, greift die Behörde zu weiteren Maßnahmen. Ziel ist es laut Deitermann, eine einheimische Artenvielfalt zu gewähren.

Eine Überwachung reicht bei den invasiven Flusskrebsen jedoch nicht aus. Das LANUV hat mittlerweile den Handel mit einigen Krebsen verboten und bekämpft invasive Krebse zudem lokal. Durch das Erfassen von Beständen und Wiederansiedlung heimischer Krebse habe auch das Krebsprojekt „sicherlich viel erreicht“, so Groß. Dennoch: Den Vormarsch der amerikanischen Krebse konnte bislang niemand stoppen.

(dpa)
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