Bonn: Auf den Spuren Beethovens in Bonn

Bonn: Auf den Spuren Beethovens in Bonn

Was Karl der Große für Aachen ist, ist Ludwig van Beethoven für die Bundesstadt Bonn: ein Imagefaktor. Und gern gewählter „Namenspatron“ für eine Apotheke, ein Gymnasium und ein Hotel, das Orchester, ein Parkhaus und ein Rechenzentrum, ein Senioren-Wohnstift und das Fahrgastschiff „MS Beethoven“. Und ein Stadtplan weist eine Allee, einen Platz und mehrere Straßen mit dem Namen des Komponisten auf.

Dabei war er nur gut 20 Jahre in Bonn, ehe es ihn nach Wien zog. Keine leichte Zeit. Aber sie legte den Grundstein für seine spätere Karriere als Komponist. Aus der Ehe seiner Eltern Johann und Maria Magdalena van Beethoven gingen sieben Kinder hervor, von denen aber nur drei das Säuglingsalter überlebten: Ludwig (1770), Kaspar Karl (1774) und Nikolaus Johann (1776). Der Vater war Tenorsänger an der kurfürstlichen Hofkapelle und Musiklehrer. Dem Vater blieb die außerordentliche Begabung seines Sohnes nicht verborgen. So sorgte er für eine solide Musikausbildung.

Steht in Bonn immer noch mitten im (Stadt-)Leben: Ludwig van Beethoven — hier das Denkmal auf dem Münsterplatz.

Bereits im Alter von sieben Jahren trat Beethoven zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf. 1782 wurde er Stellvertreter seines Orgellehrers Neefe an der Orgel, zwei Jahre später erhielt er eine feste Anstellung als Organist. 1784 schrieb sein Lehrer über Beethoven, er werde „gewiß ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen“. Dies brachte Beethoven eine Art Stipendium zu einer Reise nach Wien ein, wo er bei Wolfgang Amadeus Mozart Kompositionsunterricht nehmen sollte. Eine Begegnung der beiden Männer kann vermutet werden, einen Beleg gibt es nicht.

Bonngasse, Hausnummer 20: das Geburtshaus Ludwig van Beethovens.

Zurück in Bonn musste Beethoven feststellen, dass seine Mutter schwer erkrankt war. Sie verstarb am 17. Juli 1787. Ihr Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn. Der Vater war krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage, für seine drei Söhne zu sorgen. 1789 wurde er vom Dienst suspendiert. Ludwig als ältestem Sohn wurde die Verfügungsgewalt über die Hälfte der Pension des Vaters erteilt, wodurch ihm faktisch die Rolle des Familienoberhauptes zufiel.

Im Juli 1792 war Joseph Haydn in Bonn, ein zweiter Studienaufenthalt Beethovens in Wien wurde vereinbart. Noch im November desselben Jahres brach Beethoven nach Wien auf. Aus dieser Studienreise nach Wien wurde ein dauerhafter und endgültiger Aufenthalt. Denn kurz nach Beethovens Ankunft dort, am 18. Dezember 1792, starb sein Vater. 1794 besetzten französische Truppen das Rheinland, und der kurfürstliche Hof musste fliehen. Damit war Beethoven nicht allein der Boden für die Rückkehr nach Bonn entzogen; auch die Gehaltszahlungen des Kurfürsten blieben nun aus. Im Frühjahr 1794 schließlich übersiedelte sein Bruder Kaspar Karl nach Wien, im Dezember 1795 folgte auch Bruder Johann.

Beethovens Spuren in Bonn können wir bei einem Spaziergang durch die Innenstadt folgen. Beginnen wir auf dem Münsterplatz. Vor der heutigen Hauptpost steht das 1845 errichtete Beethoven-Denkmal. Franz Liszt war der Hauptsponsor der Plastik, die Ernst Hähnel geschaffen hatte. Zur Einweihung kamen auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. sowie Königin Victoria von England.

Wer das Grab von Beethovens Mutter aufsuchen möchte, der lässt das große Kaufhaus neben der Post links liegen und geht immer weiter geradeaus, auch wenn die Straße einen leichten Bogen macht, überquert die Thoma Straße geradeaus und sieht dann nach etwa weiteren 200 Metern den Alten Friedhof auf der rechten Seite liegen. Am Eingangstor ist ein Lageplan der bedeutendsten Gräber. Anschließend nehmen wir den Rundgang auf dem Münsterplatz wieder auf.

Wenn wir an der Fassade der Post entlanggehen, erreichen wir nach etwa 100 Metern den kleinen Platz „Dreieck“. Dort, wo sich heute ein Juweliergeschäft befindet, war die zweite Wohnung der Familie Beethoven. Eine künstlerische Kuriosität befindet sich auf dem Straßenbelag, wenn wir uns etwas links in die weitere Fußgängerzone bewegen. Eingelassen in das Straßenpflaster liegt dort ein „Beethoven-Meter“ aus Messing. Er ist Teil einer größeren Installation der Künstlerin Silke Koch, die zehn solcher „Meter“ in der Stadt verteilt hat. Wir gehen zurück zum Münsterplatz.

Das spätromanische Münster spielt in Beethovens Jugendjahren eher eine Nebenrolle. Im Kapitelhaus in der Nachbarschaft des Münsters besuchte der junge Musiker die Lateinschule, spielte aber auch als stellvertretender Hoforganist an der Münsterorgel. Unabhängig von unserem Rundgang empfiehlt sich ein kurzer Besuch im Kreuzgang (zugänglich aus dem rechten Seitenschiff), der ein idyllischer Ort inmitten der Großstadt geblieben ist.

Das Martinsmünster im Rücken gehen wir durch die Fußgängerzone der Remigiusstraße. Am Römerplatz biegen wir rechts ab und überqueren die Straße „Am Hof“ und gelangen an die Ostseite des Hauptgebäudes der Universität. Über den Seiteneingang gelangen wir zur Eingangstür der (versteckten) Schlosskirche (geöffnet außer den Gottesdienstzeiten werktags von 13 bis 15 Uhr). Hier erhielt Beethoven von dem Komponisten Christian Gottlob Neefe Unterricht an der Orgel. Hier war auch seine erste Dienststelle des mit 14 Jahren schon „ordentlich“ besoldeten Hoforganisten.

Zurück zur Straße „Am Hof“ sehen wir rechts das Rathaus und gelangen auf den dreieckigen Marktplatz der ehemaligen Bundeshauptstadt, auf dem täglich frisches Obst und Gemüse verkauft werden. Das Rathaus im Rücken gehen wir in die Brüdergasse und kommen zur St. Remigiuskirche. Hier spielte Beethoven schon mit zehn Jahren regelmäßig in der Morgenmesse die Orgel.

Zurück zum Markt gehen wir ein paar Schritte rechts und dann in die Bonngasse und stehen an der Hausnummer 20 vor dem Geburtshaus Ludwig van Beethovens. (Auf dem Weg dorthin kommen wir an der früheren Namen-Jesu-Kirche vorbei, die aufwendig renoviert heute den Altkatholiken als Bischofskirche dient. Wenn geöffnet ist, lohnt ein kurzer Besuch.) In seinem Geburtshaus verbrachte der spätere Komponist seine ersten vier Lebensjahre. Die Familie zog noch dreimal innerhalb Bonns um, das Geburtshaus ist als einziges erhalten. Es ist heute als Museum eingerichtet und gibt einen exzellenten Überblick über Leben und Wirkung des Komponisten.

Verlassen wir das Geburtshaus und wenden uns nach rechts. Nach Überqueren des Bertha-von-Suttner-Platzes gehen wir die Kölnstraße bis zum Stiftsplatz, dann rechts bis zur Sandkaule, die wir überqueren. Dann ein paar Schritte nach links und wir stehen nach einer weiteren Straßenüberquerung in der Parkanlage vor der Beethovenhalle. Diese Spielstätte des Beethovenorchesters wurde nach Plänen von Siegfried Wolske 1959 eingeweiht. Das Eröffnungskonzert dirigierte Paul Hindemith.

Bemerkenswert ist das Beethovenporträt in Sichtweite des Haupteingangs: Klaus Kammerich schuf 1986 diesen „Beethon“-Guss, der erst in einer gewissen Entfernung das Porträt des Komponisten aus Bonn erkennen lässt, unmittelbar davor ist es eher ein das Auge verwirrendes Spiel von Vertiefungen und Erhebungen. Inzwischen ist es zu einem markanten Symbol und Wahrzeichen des Bundesstadt geworden.

Es gäbe weitere Spuren Beethovens zu entdecken, ein Flyer der Tourist-Information gibt dem nach weiteren Auskünften Suchenden die entsprechenden Hinweise. Ob auf Tassen, Aschenbechern oder T-Shirts, im Straßenbelag oder als Graffitis — Ludwig van Beethoven ist immer noch gegenwärtig.