Aachen/Würselen/Düsseldorf: Auch in NRW liegt die CDU vorn, aber FDP wird Dritte vor der AfD

Aachen/Würselen/Düsseldorf : Auch in NRW liegt die CDU vorn, aber FDP wird Dritte vor der AfD

Schwere Verluste für CDU und SPD, kräftige Gewinne von FDP und AfD: Die Wähler haben bei der Bundestagswahl die Kräfteverhältnisse in NRW deutlich verschoben. Union und Sozialdemokraten fuhren einer WDR-Hochrechnung zufolge am Sonntag ihre jeweils schlechtesten Ergebnisse bei einer Bundestagswahl in NRW ein. Die FDP wurde in NRW, anders als im Bund, drittstärkste Kraft vor der AfD.

Die CDU war laut Hochrechnung (23.00 Uhr) mit 32,7 Prozent Wahlgewinner in NRW. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 verloren die Christdemokraten gut 7 Prozentpunkte. Die SPD kam demnach auf 26,0 Prozent, etwa 6 Punkte weniger als vor vier Jahren. Die FDP konnte ihren Stimmenanteil auf 13,2 Prozent mehr als verdoppeln, die AfD erreichte 9,4 Prozent. Während die FDP ein deutliches besseres Ergebnis als im Bund (10,6 Prozent) einfuhr, blieb die AfD in NRW hinter ihrem Bundesergebnis (13,0 Prozent) zurück. Die Grünen liegen in NRW bei 7,6 Prozent und die Linke bei 7,3 Prozent. Beide Parteien sind damit in NRW etwas schwächer als im Bund.

Die Führung der NRW-SPD reagierte mit einer Absage an die Fortsetzung der großen Koalition auf die schwere Wahlniederlage. SPD-Landeschef Michael Groschek nannte das Abschneiden der Sozialdemokraten „eine historische Niederlage”. Die Partei sei in einer „existenziellen Krise”. Sie müsse im Bund - wie auch seit einigen Wochen schon in NRW - die Rolle der Oppositionsführerin annehmen. Noch in der Nacht zum Montag wollte die Parteispitze die Basis nach ihrer Meinung fragen. Alle Mitglieder in NRW sollen eine E-Mail erhalten mit der Aufforderung: „Sag uns, was Dich bewegt.”

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kritisierte die Absage der Sozialdemokraten an eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Sozialdemokraten wenigstens Gespräche geführt und ihrer Verantwortung gerecht geworden wären”, sagte Laschet im ZDF. Die Bundesrepublik befinde sich in einer „ganz besonderen Lage”. „Da kann man sich keine parteipolitischen Spielchen leisten. Alle müssen jetzt die wichtigen Themen in den Blick nehmen.”

Die AfD hat im Ruhrgebiet bei der Bundestagswahl offensichtlich noch einmal Stimmen im Vergleich zur Landtagswahl vor gut vier Monaten hinzugewonnen. So erreichte die Partei in Gelsenkirchen 17,0 Prozent der Zweitstimmen. Bei den Landtagswahlen hatte die AfD stadtweit 14,6 Prozent geholt. Auch in anderen Ruhrgebietsstädten war die AfD vergleichsweise stark. In Köln kamen zeitweise bis zu 700 Menschen zusammen und demonstrierten gegen den Einzug der AfD ins deutsche Parlament.

Die FDP schnitt mit 13,2 Prozent der Hochrechnung zufolge noch etwas besser ab als bei der NRW-Landtagswahl vor vier Monaten. Im Mai hatten die Liberalen 12,6 Prozent erreicht. Parteichef Christian Lindner will sein Landtagsmandat spätestens mit der Konstituierung des Bundestags abgeben, wie er im WDR ankündigte.

Die Wahlbeteiligung stieg laut WDR-Hochrechnung um drei Prozentpunkte auf 75,5 Prozent. Wegen reger Beteiligung mussten in Köln und Mönchengladbach teilweise Wahlzettel nachgeliefert werden - unter anderem mit dem Taxi.

In Duisburg wählten die Bürger am Sonntag auch ihren Oberbürgermeister. Amtsinhaber Sören Link (SPD) kam nach Auszählung von mehr als 90 Prozent aller Wahlbezirke auf 57,1 Prozent der Stimmen und damit auf die nötige absolute Mehrheit. Der von mehreren Parteien unterstützte parteilose Gerhard Meyer (57) lag bei 25,4 Prozent.

Zusätzlich stimmten die Bürger in Duisburg noch über den geplanten Bau des größten deutschen Designer-Outlets ab. Hier gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts. Nach Auszählung von 358 der 380 Stimmbezirke hatten allerdings die Gegner des Einkaufszentrums mit 50,99 Prozent die Nase vorn.

Wegen einer Panne in einem Düsseldorfer Wahllokal sind dort knapp 240 Erststimmen ungültig - Auswirkungen auf das Direktmandat gibt es deshalb aber keine. Im Wahlbezirk 0106 wurden am Morgen drei Stunden lang die falschen Stimmzettel ausgegeben - nämlich die für den benachbarten Bundestagswahlkreis, wie die Stadt mitteilte. Da die Siegerin Sylvia Pantel (CDU) und den Zweitplatzierte Andreas Rimkus am Ende aber mehr als 9000 Stimmen trennten, fällt der Fauxpas nicht ins Gewicht.

(dpa)
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