Roermond: Asbestalarm in Roermond: Kritik an Stadt-Sperrung

Roermond: Asbestalarm in Roermond: Kritik an Stadt-Sperrung

Nach dem großen Asbest-Alarm haben im niederländischen Roermond Spezialfirmen die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Bis zum Samstag müssten in einem Gebiet von rund 4,6 Quadratkilometern die Partikel des krebserregenden Stoffes entfernt sein, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Der Stadtkern und dessen Geschäfte könnten am Freitag ab 11 Uhr aber wieder geöffnet werden. Die Reinigung wird weiter andauern.

Inzwischen nahm die Polizei Ermittlungen zu der Ursache des Großbrands auf, der zu der Verseuchung geführt hatte. Bei dem Brand von zwei Bootshäusern waren am Dienstagabend große Mengen Asbest freigesetzt worden und hatten sich in der Innenstadt verbreitet. Mehrere Dutzend Jachten und Boote wurden zerstört, der Schaden geht in die Millionen.

Eine Sonderkommission von 20 Kriminalbeamten sei eingesetzt worden, teilte die Polizei mit. Am 16. Dezember war in einem nahe gelegenen Jachthafen Feuer gelegt worden. Dabei waren vier Boote zerstört worden.

Weite Teile der Innenstadt sind abgeriegelt. Zufahrtstrassen und Bahnhof wurden gesperrt.

„Die Straßen sind menschenleer”, berichten Bewohner auf Twitter. Nur Mitarbeiter von Spezialfirmen in weißen Schutzanzügen seien im Einsatz.

Gelbe Plastikbänder, bedruckt mit schwarzen Totenköpfen und der Aufschrift "Verboden Toegang Asbest", sollen Unbefugte von der Sperrzone fernhalten. Nur wer in dem Gebiet wohne oder arbeite, habe Zutritt, meldet die Stadt auf ihrer Webseite. Geschäfte waren geschlossen. Der besonders bei Deutschen populäre Designer-Outlet am Rande des Zentrums sei aber weiterhin geöffnet, teilte die Stadt mit.

Die Anwohner dürfen das Gebiet nur an spezialen Punkten verlassen und betreten, an denen mögliche Asbest-Reste von Fahrrädern und Schuhen abgespritzt werden. Einige Bewohner stellten große Schüsseln mit Wasser vor die Haustüren, um Schuhe abzuwaschen.

Ein Mitarbeiter der Asbest-Säuberungsfirma geht von Laden zu Laden und klärt über die nächsten Schritte auf. "Wir werden zunächst die Straßen säubern, dann die Bürgersteige und Autos", sagt der Asbest-Experte, der in seiner Hand einen Plan mit den Abschnitten des Sperrgebietes hält, die nach und nach abgearbeitet werden. In einem Areal von 4,6 Quadratkilometern müssen Partikel entfernt werden. Rund 80 Mitarbeiter seien im Einsatz, Unterstützung gibt es unter anderem vom Technischen Hilfswerk aus Erkelenz. "Wir hoffen, dass wir bis Samstag fertig sind."

Im Outlet-Center ist von alledem nichts zu spüren. "Wir haben kurz überlegt, ob wir zu Hause bleiben sollen, uns dann aber für einen Besuch entschieden", sagt ein 53-Jähriger aus der Nähe von Köln. Marketing-Manager Oliver Jatho erklärt: "Die Behörden haben uns versichert, dass keinerlei Gefahr besteht." Deshalb gebe es keine Veranlassung, zu schließen.

Donnerstag seien rund zehn Prozent weniger Besucher gekommen. Schilder, die die Situation erklären, gibt es am Eingang nicht, auf der Homepage findet sich aber ein Hinweis. "Wir haben davon noch nichts mitbekommen", sagt eine 35-Jährige aus Neuss, die mit ihrem Mann und ihrer drei Monate alten Tochter das Outlet besuchen wollten. "Das ist uns wegen der Kleinen zu riskant", sagt die Frau. "Wir fahren wieder nach Hause."

Inzwischen klagten Geschäftsleute im niederländischen Radio von übertriebenen Maßnahmen. Durch die Schließung ihrer Geschäfte erlitten sie jetzt in der Vorweihnachtszeit hohe Einbußen. Bewohner kritisierten, dass sie zu spät vor der Gefahr gewarnt worden waren. „Meine Tochter und ich haben in der Nacht des Brandes bei offenem Fenster geschlafen”, klagte eine Frau im niederländischen Radio.

Die Kritik entzündet sich an der Informationspolitik der Stadt. So waren die Menschen vor allem auf digitalem Wege, über Smartphones und Twitter, über die Asbestkontamination informiert worden. Auch in der Brandnacht selbst seien die Anwohner nur spärlich benachrichtigt worden.

Die Stadt hält dagegen, dass im Laufe des Tages eine Hotline eingerichtet worden sei und es verschiedene Informationsveranstaltungen gegeben habe. Auf ihrer Webseite informiert die Stadt Roermond ausführlich über den Brand und gibt Bürgern Ratschläge, wie sie mit der Situation umgehen sollten.