Region: Angemerkt: AKV-Orden ist kein Verdienstkreuz

Region : Angemerkt: AKV-Orden ist kein Verdienstkreuz

120 Aachener Fernsehminuten zur besten Sendezeit! Aus einem vierstündigen Programm am Samstagabend eine zweistündige TV-Sendung am Montagabend zu produzieren, ist nicht einfach. Da ist, wie die Fernsehleute sagen, viel zu schneiden.

Was danach von der Ordensverleihung „wider den tierischen Ernst“ übrig blieb, war aber nicht geschnitten, sondern zerschnitten: Szenen wie mit dem Schmetterlingsnetz irgendwo eingefangen, verquirlt und umständlich aneinandergesetzt. Regie?

Wenn der WDR den „närrischen Staatsakt“ für primetime-würdig hält, sollte er großzügig längere Sendezeit spendieren. Der Aachener Karnevalsverein müsste das Programm auf höchstens drei Stunden kürzen. Wer ein bisschen Sinn für Stimmung und Humor hat, wird schnell verzichtbare Nummern finden. Zu einer guten Sitzung würde auch ein Bühnenbild gehören, das nicht nur effektvolle Lichtspiele ermöglicht, sondern auch ein wenig „Öcher Vermaach“ versprüht.

Vor allem braucht die Ordensverleihung einen(!) Moderator, der eloquent, schlagfertig und humorvoll ist, der gefühlvoll und souverän durch ein gut aufgebautes Programm führt, der nicht Texte aufsagt, der nicht korrekt und angestrengt wirkt. Und die eigentliche Verleihung seines Ordens muss der AKV nicht ohne jeden Witz wie eine Bundesverdienstkreuzverleihung zelebrieren.

Vielleicht nimmt sich der AKV bei aller Offenheit, die er praktiziert, nach wie vor zu ernst. Wissen seine Verantwortlichen nicht mehr, was Karneval ist, woher er kommt und was er ursprünglich aufs Korn nahm? Vor ihrer großen Sitzung hatten sie frank und frei erklärt, die Ordensverleihung habe mit Karneval nicht viel zu tun. Fernsehshow können andere aber sowieso besser. Der AKV sollte mehr auf Inhalte als auf Effekte setzen. Wer um 20.15 Uhr ins Erste Programm will, erhebt damit einen selbstbewussten Anspruch, an dem er gemessen wird.

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