Dompropst Manfred von Holtum beraubt: Angeklagter erhält Haftstrafe und muss in Entziehungsanstalt

Dompropst Manfred von Holtum beraubt : Angeklagter erhält Haftstrafe und muss in Entziehungsanstalt

Der 37-Jährige hatte vor Gericht zugegeben, Domprobst Manfred von Holtum ausgeraubt zu haben, nun ist das Urteil gefallen: Das Landgericht in Aachen hat Peter B. am Freitag wegen „schweren Raubes“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Der letzte Satz in diesem Verfahren ist ein Hinweis an den Angeklagten: „Das Urteil ist eine riesige Chance für Sie“, sagt Richter Matthias Quarch. Ein paar Minuten vorher hatte die 6. Große Strafkammer des Aachener Landgerichts Peter B. wegen „schweren Raubes“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Der 37-Jährige hat bereits mehr als zehn Jahre in Gefängnissen verbracht, auch aktuell sitzt er in U-Haft.

Die Perspektive für den Mann mit der langen Drogenkarriere ergibt sich durch die angeordnete Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Maximal zwei Jahre - so schreibt es das Gesetz vor - kann er dort entgiftet werden. Die Hürde ist hoch, für den Angeklagten aus Eschweiler ist das ungefähr der siebte Anlauf, bislang ist er regelmäßig gescheitert. Er selbst hatte im Prozess angedeutet, dass er motiviert die Therapie angehen wolle.

So endet ein ziemlich ungewöhnlicher Fall vor dem Landgericht. Der Angeklagte hatte eingeräumt, am 14. Oktober letzten Jahres Dompropst Manfred von Holtum in dessen Schlafzimmer eingesperrt zu haben. Dann durchwühlte er die Wohnung des Kirchenmannes und nahm den Generalschlüssel für die Dom-Immobilien mit, was zu einem ausgedehnten Objektschutz der kirchlichen Einrichtungen in dieser Nacht führte. Er hatte in dem Schlüsselmäppchen Geld erhofft, warf es später schnell enttäuscht weg. Am nächsten Tag führte er aber die Ermittler wieder an diesem Ort, so dass die Schlösser nicht ausgetauscht werden mussten. Gefasst wurde Peter B. ein paar Stunden nach der Tat am Kaiserplatz. Vorher wurde er in der videoüberwachten Antoniusstraße gesichtet, wo er nach eigenen Aussagen den gestohlenen Laptop des Dompropstes in einem Bordell für "60 oder 70 Euro" verhökerte, um sich mit dem Erlös wieder neues Kokain besorgen zu können.

Peter B. räumte die Vorwürfe ein, strafverschärfend für ihn wirkte sich aus, dass er bei seiner Tat ein Klappmesser bei sich trug. Das Mitführen der Waffe erhöht den Strafrahmen, auch wenn das Messer nicht aus der Tasche herausgeholt wurde.

Eine lange Drogenkarriere

Der medizinischer Sachverständige, Ralf Lemke, skizzierte seine lange Drogenkarriere, die im Alter von acht Jahren begann, als dem hyperaktiven Jungen Ritalin verabreicht wurde. "Da beginnt schon das Grauen", so sagt es der Rechtsmediziner. Das Amphetamin erhöhe statistisch eindeutig die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Drogenabhängigkeit. Der Experte, der den Angeklagten schon aus früheren Verfahren kennt, berichtete von einer langen Drogenkarriere, die schon im Alter von zwölf Jahren begann. Auch aktuell wird Peter B. in der Untersuchungshaft wegen seiner Heroinabhängigkeit substituiert. Der Gutachter machte keine gute Prognose aus für den Mann, der immer wieder rückfällig geworden war. Als Peter B. den Dompropst besuchte, stand er wieder unter erheblichem Einfluss von Drogen. Zudem hatte er erst kurz zuvor eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt. Auch Lemke sah in einer ausgedehnten Therapie die einzige Chance.

Staatsanwalt Hanno Gläsker sprach von einem „doppelt tragischen Fall“. Tragisch, weil das Opfer ein gutmütiger alter Herr gewesen sei, der noch heute unter dem Vorfall leide. Und tragisch sei auch die Biographie des Angeklagten, in der sich lange Haftzeiten mit kurzen Zeiten in Freiheit abwechselten. Gläsker regte die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an und beantragte zudem eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monate, der der Kammer später entsprach.

Der Verteidiger des Angeklagten ging von einem „minderschweren Fall“ aus, in dem keine Gewalt angewendet worden sei. Auch sei sein Mandant an diesem Abend nur vermindert schuldfähig gewesen, führte Bastian Bödeker aus. „Er litt unter dem psychischen Suchtdruck, wollte Geld für neues Kokain.“ Der Verteidiger wunderte sich, dass von Holtum, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftrat, zunächst gegenüber Polizisten von einer fremden Person gesprochen habe, die ihn eingesperrt habe, obwohl sich die beiden schon lange kennen würden. Von Holtum hatte in dem Verfahren als Zeuge ausgesagt, dass er den Angeklagten bereits vor etwa sieben Jahren am Kaiserplatz als Obdachlosen kennengelernt habe und ihm immer mal wieder geholfen habe. Peter B. verzichtet am Ende des Verfahrens darauf, sich für seine Tat beim Opfer zu entschuldigen.

Auch Bödeker regte die Unterbringung seines Mandanten in der Entziehungsanstalt an und bat die Kammer um ein mildes Urteil „nicht über drei Jahren“. Es kam dann anders, aber das Urteil weist Peter B. dann doch eine Perspektive auf. Nach dem Willen der Kammer wird die Zeit im Maßregelvollzug vorgeschaltet, schafft er tatsächlich erstmals in seinem Leben den Absprung, kann die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden.