Aachen/Köln: Amok-Alarm: Jährlich 400 Drohungen an Schulen

Aachen/Köln: Amok-Alarm: Jährlich 400 Drohungen an Schulen

Meistens sind es bloße Kritzeleien auf Toilettentüren oder Sprüche ohne Substanz. Fast alle Amok-Alarme entpuppen sich auch in der Aachener Region als Verdachtsfälle.

Doch im Schnitt zwei- bis dreimal im Jahr haben Amoklauf-Drohungen an Schulen in der Städteregion Aachen einen realen Hintergrund, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Der jüngste Fall datiert vom März, als die Polizei bei einem 20-jährigen Dürener, der eine Schule in Eschweiler besuchte, „das ganze Besteck benutzen musste”, wie Kemen salopp formuliert. Was er meint? Dieser Fall von „Gewalt an Schulen” endete mit Festnahme, Wohnungsdurchsuchung und Sicherstellung eines Computers. Neben den strafrechtlichen Aspekten betont Kemen: „Die Kosten für den Einsatz trägt der Verursacher.” Und die gingen oft in die Tausende.

Einer aktuellen Studie zufolge ist der Vorfall in Eschweiler bei weitem kein Einzelfall. Rund 400 Amokläufe werden nach einer ersten bundesweiten Untersuchung der Universität Köln durch Schüler angedroht - Schwerpunkt in NRW, wo nach Angaben der Psychologin Sarah Neuhäuser zwischen 2006 und 2010 rund 1280 solcher Drohungen registriert wurden. Die Höhe liegt ihrer Auffassung nach an einem besonders guten Erfassungssystem in NRW. Die Forscherin fordert eine bundesweit einheitliche Erfassung und Speicherung aller Drohungen an Schulen. Zudem sollten Lehrerfortbildungen zum Umgang mit Amokdrohungen verpflichtend werden.

Amokdrohungen kommen der Studie zufolge am häufigsten an Real- und Gesamtschulen, aber auch an Gymnasien vor. Das Durchschnittsalter der Schüler, von denen Drohungen ausgehen, liege bei 16 Jahren. Nur etwa zehn Prozent seien weiblich. Von 1999 bis 2009 gab es neun Schul-Amokläufe in Deutschland, bei denen 35 Menschen getötet und über 50 verletzt wurden. Auch vor diesem Hintergrund betonen die Sprecher der Polizeibehörden in Aachen, Düren und Heinsberg unisono, dass eine sensibilisierte Öffentlichkeit wichtig sei. „Wir fahren lieber einmal zu viel zu einem Einsatz, als dass wir einmal zu wenig alarmiert werden.”

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