NRW-Offensive: Altbau erneuern, ohne die Mieter „rauszumodernisieren“

NRW-Offensive : Altbau erneuern, ohne die Mieter „rauszumodernisieren“

Bezahlbare Mieten in modernen Wohnungen statt Luxussanierungen, die Normalverdiener verdrängen – daran arbeiten Bauministerium und Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) stellte am Donnerstag in Düsseldorf erste Beispiele einer gemeinsamen Modernisierungsoffensive vor.

In 19 Wohnvierteln des Landes sollen rund 3200 Wohnungen modernisiert und an 800 Wohnungen ergänzende Neubauten errichtet werden, etwa durch Dachausbau oder Aufstockung. Das Land stelle jährlich 70 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung, berichtete Scharrenbach.

Die Wohnungsunternehmen verpflichten sich, die mit öffentlichem Geld modernisierten Wohnungen mindestens 20 Jahre in der Sozialbindung zu halten, damit die angestammten Mieter wegen der Investitionen in die Häuser keine unbezahlbaren Erhöhungen in Kauf nehmen müssen. Dafür erhalten die Unternehmen äußerst attraktive Förderkonditionen: 100 Prozent Finanzierung der Modernisierungskosten plus 20 Prozent Tilgungsnachlass auf das auf 100.000 Euro pro Wohnung gedeckelte Förderdarlehen. Auch private Immobilienbesitzer können ein solches Modernisierungsdarlehen beantragen – allerdings gibt es Einkommensgrenzen.

„70 Prozent aller Wohnungen in Nordrhein-Westfalen sind 40 Jahre und älter“, stellte Scharrenbach fest. Die Modernisierungsfrage stelle sich daher für zahlreiche Häuser. Dabei gehe es sowohl um wirksamere Wärmedämmung und Klimaschutz als auch um mehr Komfort.

„Es gibt eine Modernisierungsentwicklung auf den Märkten, wo Menschen "rausmodernisiert" werden“, stellte der Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen (VdW), Alexander Rychter, fest. Manche Akteure nutzten Luxussanierungen, um in angesagten Lagen die Stadtteile zu verändern. Der aus gemeinnützigen Unternehmen hervorgegangene VdW wolle dagegenhalten und die Nachkriegswohnungen so modernisieren, dass die Menschen dort wohnen bleiben können.

Als besonders gelungene Beispiele wurden Projekte aus Bochum, Köln und Rheine vorgestellt. In der Kannebäckersiedlung in Köln werden mit insgesamt 175 Millionen Euro Investitionsvolumen fast 1000 Wohnungen modernisiert, teilweise neu errichtet und energetisch auf den Stand der Dinge gebracht. Zahlreiche weitere Verbesserungen sollen dazu beitragen, ein attraktives Wohnumfeld für Jung und Alt zu schaffen. Dazu zählen 800 neue Fahrradstellplätze, Boxen für Lastenfahrräder, Ladesäulen für Elektro-Autos, ein Fitnessparcours, eine Wohngruppe, Kita, Seniorentreff und Tagespflege.

In der Glücksburger Straße in Bochum dürfen sich die Mieter in 214 Wohnungen unter anderem über altengerechte, barrierefreie Bäder, neue Aufzüge und schönere Außenanlagen freuen. In Rheine werden graue veraltete Einfamilienhäuser durch farbenfrohe Mehrfamilienhäuser ersetzt und neu angebaute Balkone erhöhen die Lebensqualität.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten