Alemannia Aachen: Hooligan Jens B. bleibt in U-Haft

Vorwurf des versuchten Totschlags : Alemannia-Hooligan Jens B. bleibt in U-Haft

Nach dem Pokalsieg von Alemannia Aachen vergangenen Mai kam es zu einem Platzsturm. Seit Mitte Juli sitzt Jens B. aus Herzogenrath in Untersuchungshaft. Ein Gericht hat nun über seine Beschwerde entschieden.

Ein seit vielen Jahren berüchtigter Hooligan von Alemannia Aachen bleibt weiterhin in Untersuchungshaft. Das hat diese Woche das Aachener Landgericht entschieden. Der 29 Jahre alte Jens B. aus Herzogenrath soll nach dem Pokalsieg der Alemannia gegen Fortuna Köln im Bonner Nordpark am 25. Mai einen Ordner von hinten gepackt und ihn gewürgt haben.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Bonn ein Ermittlungsverfahren gegen Jens B. eingeleitet und den Vorfall als gefährliche Körperverletzung eingestuft. Einen guten Monat später übernahm die Aachener Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren, die Jens B. bereits seit langem kennt. B. ist mehrfach vorbestraft unter anderem wegen gefährlicher Körpverletzung.

Aus gefährlicher Körperverletzung wird versuchter Mord

Nachdem die Aachener Staatsanwaltschaft weitere Zeugen vernommen und Bildaufnahmen ausgewertet hatte, stufte sie die Tat nicht mehr nur als gefährliche Körperverletzung, sondern als versuchten Mord ein und beantragte einen Haftbefehl. Seit dem 11. Juli sitzt Jens B. nun wieder in Untersuchungshaft.

Dagegen legte sein Rechtsanwalt, Gabor Subai aus Remagen, nun Beschwerde beim Aachener Landgericht ein. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien „abwegig“, sagte er im Juli gegenüber unserer Zeitung. Doch das Landgericht hat nun entschieden, dass die Vorwürfe keineswegs abwegig sind.

Im Beschluss des Gerichts heißt es, dass „dringender Tatverdacht“ gegen Jens B. besteht. Zwar nicht unbedingt wegen versuchten Mordes, „mit großer Wahrscheinlichkeit aber wegen versuchten Totschlags“, sagte am Dienstag Gerichtssprecher Thomas Stoppelmann. Ein Vorwurf, der nicht viel weniger schwer wiegt als versuchter Mord.

Zwei wichtige Punkte

In diesem Zusammenhang sind zwei Punkte von großer Bedeutung:

  1. Sollten sich die Vorwürfe gegen Jens B. bewahrheiten und sollte er tatsächlich ein weiteres Mal verurteilt werden, besteht die Möglichkeit, dass er nach Verbüßung der zu erwartenden Haftstrafe wegen eines Hangs zur Gewaltkriminalität in Sicherungsverwahrung genommen werden könnte. Zwingend ist dies nicht, doch hatte die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung schon in einem Prozess 2018 gegen Jens B. im Raum gestanden. Wann er aus einer Sicherungsverwahrung entlassen würde, wäre kaum abzusehen.
  2. Der Richter, der die Haftbeschwerde gerade abgewiesen hat und den dringenden Tatverdacht wegen versuchten Totschlags nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen annimmt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit derselbe, der den Prozess gegen Jens B. wegen der Randale in Bonn führen würde: Roland Klösgen, Vorsitzender der Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht.

Der Prozess 2018

Zuletzt war Jens B. im Oktober 2018 verurteilt worden, dieses Mal wegen schweren Menschenhandels und schwerer Zwangsprostitution, wegen Zuhälterei, Betruges, versuchter Erpressung und versuchter Nötigung. Die Strafe: drei Jahre und neun Monate Haft.

Allerdings entließ das Gericht Jens B. vorübergehend aus der Untersuchungshaft, da sowohl die Aachener Staatsanwaltschaft als auch Jens B. Revision einlegten und die letzte Instanz anriefen. Das Urteil von Oktober 2018 ist also noch nicht rechtskräftig.

Der Bundesgerichtshof muss nun in letzter Instanz entscheiden, ob das Urteil Bestand hat, oder ob der Fall erneut verhandelt werden muss. Wann eine Entscheidung fällt, ist allerdings nicht absehbar.